Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 27. Februar 2018

Begrenzter Platz in Hoheluft

24./25. Februar: Kein Recht auf Parkplätze. Immer mehr Autos stellen die Viertel zu – auf Kosten von Geh- und Radwegen und Bessere Fußwege, weniger Park­plätze

Viele Autofahrer sind offensichtlich immer noch der Auffassung, dass die Stadt jedem einen Parkplatz direkt vor der eigenen Haustür zur Verfügung zu stellen hat. In gewachsenen Stadtteilen wie Hoheluft oder Eimsbüttel gibt es nun mal nur sehr begrenzt Platz, und wenn man unbedingt dort wohnen möchte, sollte man sich die Anschaffung eines eigenen Autos schon gut überlegen, zumal diese Stadtteile meistens sehr gut an den ÖPNV angebunden sind.

Thomas Albrecht, Hamburg

Parteiübergreifende Lösung finden

Endlich wird eine Zustandsbeschreibung der städtischen Verkehrsflächen der tatsächlichen Situation gerecht. Dies ist umso wertvoller, als parteipolitisch gefärbte Äußerungen oftmals diesen klaren Blick vermissen lassen. Insbesondere Herr Thering von der CDU hat gebetsmühlenartig Schaum vor dem Mund, wenn ein Verkehrskonzept des Senats auch nur einen Parkplatz kosten könnte. Seine Forderung nach einer Sanierung der Fußwege ohne Einbuße von Parkplätzen entspricht einer Zementierung des Status quo. Sachorientierte und parteiübergreifende Suche nach Lösungen zum Wohle der Stadt sieht anders aus. In einem Punkt hat er allerdings recht: Stadtgrün sollte dafür nicht geopfert werden. Jahrzehntelang wurde der städtische Raum zugunsten des Autoverkehrs verteilt. Hier gilt es anzusetzen. Das zu erkennen und umzusteuern ist sicherlich nicht einfach, aber zwingend notwendig.

Hans-Joachim Bull, per E-Mail

Schritte zu mehr Lebensqualität

Danke für die Berichterstattung zu der Initiative, die Stadt lebenswerter zu machen. Genau das (Ausweitung von öffentlichen Räumen für die Allgemeinheit) machen uns andere Großstädte ja bereits vor. Das dieses auf Kosten der autogerechten Stadt mit Flächenfraß für Pkw-Straßen- und Parkplatzraum gehen wird, ist eine Entscheidung, die sicher mit viel Widerstand rechnen muss. Die Reaktion von Dennis Thering z.B. war ja vorauszusehen, da er seit langem jede nur denkbare Möglichkeit nutzt, Parkraum für Individualverkehr zu verteidigen – bisher vor allem, wenn es darum geht, den Radverkehrsanteil zu erhöhen. Ich bin gespannt und hoffe, dass die zitierten Ergebnisse des Gutachtens dazu führen, dass unser Senat den Mut aufbringt, gegen die Dinosaurier, die auch für die Zukunft auf eine Stadt mit Vorrang für flächenfressenden und umweltbelastenden Individualverkehr setzen, Schritte zu einer höheren Lebensqualität für die Stadtbewohner zu wagen.

Wolfgang Thoss, per E-Mail

Abstruse Polemik gegen den Diesel

24./25. Februar: Gegen die Wand. Die Jagd auf den Diesel schadet vielen – aber kaum einer wagt den Selbstzünder zu verteidigen

Herr Iken hat recht, die abstruse Polemik gegen den Diesel ist absurd. Der Marginaleffekt der Gefährdung durch Stickoxide, wenn es ihn wirklich gibt, soll mit Milliarden bekämpft werden, unter anderem mit Fahrverboten, was wegen des Ausweichens auf Umwegstrecken ebenso zu höherem CO2-Ausstoß führt, wie die Einführung von Tempo-30-Zonen. Damit wird lieber eine Klimakatastrophe in Kauf genommen, deren Folgen zu Millionen von Toten führen kann, schon wegen der Verteilungskämpfe. Wir zahlen Milliarden für ungenutzten Ökostrom, statt diesen an dezentralen Stellen zur Wasserstoffgewinnung zu nutzen und ihn mit CO2 zu Gas und weiter zu Treibstoff zu synthetisieren. Die Technik existiert. Mit dem Hybriddiesel als effektivstem Verbrennungsmotor, der in Ballungsgebieten notfalls elektrisch fahren kann, hat man die Ideallösung. Man hat eine Kreislaufwirtschaft, der CO2-Ausstoß durch fossile Brennstoffe wird verhindert, die Logistik des Tankens ist vorhanden und außerdem kann ein Diesel schadstoffarm gebaut werden.

Peter Hertel, per E-Mail

Kindern erstmal zuhören

24./25. Februar: Was ist gute Er­zie­hung? Die wichtigsten Antworten für Väter und Mütter von Dieter Lenzen, Präsident der Uni und Pädagogik-Experte

Über die Qualität der Er-Ziehung bestimmt in hohem Maße der Grad der Be-Ziehung, die man zu einem Kind aufbaut. Erst einmal zuhören und beobachten, bevor man an dem kleinen Wesen rumzerrt und zieht. Doch anstatt sich ihnen zuzuwenden, ihnen Zuwendung zu geben, lassen wir sie in und mit der ihnen fremden und unheimlichen Welt allein und schieben sie (am besten noch mit dem Smartphone in der Hand) in ihren Kinderkarren ohne Blickkontakt vor uns her. Wie soll sich da eine Beziehung aufbauen, wie Selbst-Sicherheit entwickeln?

Und sobald sie dann laufen können, fordert man sie auf still zu sitzen, sobald sie sprechen können, still zu sein. Warum lassen wir die Kinder nicht mehr Kind sein, sondern versuchen möglichst schnell kleine Erwachsene aus ihnen zu machen?

Edith Aufdembrinke, Hamburg

Einfühlsamer Artikel

24./25. Februar: Was bleibt? Im Herbst 2016 starb Kultursenatorin Barbara Kisseler. Sie hinterließ tieferen Eindruck als viele andere Politiker

Vielen Dank für Ihren einfühlsamen Artikel über eine beeindruckende Frau. Nicht zu vergessen sind ihre besonderen Reden in der Hamburgischen Bürgerschaft, die letzte am 21. März 2016. Immer beginnend mit einem passenden Zitat, mit dem Florett antwortend auf meist männliche Vorredner. Bezeichnend von Anfang an: Sobald sie ans Rednerpult trat, füllte sich der Saal und es wurde mucksmäuschenstill. In dieser letzten Rede freute sie sich auf eine Einladung in zehn Jahren (die Karten würde sie aber selbst bezahlen) und auf das Wiedersehen mit vielen. Diesen Wunsch können wir ihr nicht erfüllen.

Jens-Peter Schwieger, MdHB, per E-Mail

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