Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 21. Februar 2018

Einkäufer sind keinen Deut besser

20. Februar: Warum Edeka Produkte von Nestlé aus dem Verkauf nimmt. Preiskampf – Hamburger Handelskonzern will Waren billiger einkaufen. Händler sprechen von ,Tiefschlag‘

Für einen kleinen Moment dachte und hoffte ich, dass es tatsächlich um eine Aktion gegen Machtmissbrauch und Zentralisierung ging. Den Menschen in Afrika geholfen und nicht weiter das Wasser abgegraben werden soll. Und nun das? Somit sind die Strategen und Einkäufer vom Lebensmittelhandel moralisch keinen Deut besser.

Björn Grimm, per E-Mail

Die Maßnahme ist richtig, aber...

Als ich las, dass Edeka einen Bestellstopp von 160 Nestlé-Produkten angeordnet hat, war mein erster Gedanke: „Das wird auch Zeit“. Als Grund dafür nahm ich die Umweltproblematik, insbesondere das Abzapfen von Wasser an. Weit gefehlt: Leider geht es nur um die Preispolitik des Nestlé-Konzerns. Schade: Die Maßnahme ist richtig, der Grund dafür aber leider nicht.

Malte Gumpricht, Hamburg

Erwartungen wurden enttäuscht

20. Februar: S-Bahn sperrt Strecke zu Lan­dungs­brücken. Fünf Haltestellen werden modernisiert

Beim Durchlesen des Artikels wurden meine Hoffnungen und Erwartungen enttäuscht, denn im Bereich des Bahnhofs Jungfernstieg ist der Bau eines Fahrstuhles überfällig. Das wäre eine gute Baumaßnahme, anstatt nur Verschönerungen vorzunehmen. Dieser Bahnhof ist bekanntermaßen hoch frequentiert. Gleichwohl müssen sich Rollstuhlfahrer und andere Gehbehinderte sowie Eltern mit Kinderwagen die Treppen hochquälen. Fällt das nur mir auf meinem Weg zur Arbeit auf? Hallo, Herr Arnecke (Geschäftsführer der S-Bahn Hamburg, Anm. d. Red.), aufwachen!

Matthias Teichner, per E-Mail

Unglückliche Verquickung

17. Februar: Milliarden versenkt – wie konnte das passieren?

Mit dem Dossier vom Wochenende zum Thema HSH-Nordbank haben Sie vermutlich nicht nur mir einen Überblick zu diesem Drama verschafft, der so umfassend bisher wohl nicht in den Medien dargestellt wurde. Wie ich aus Ihrer gut lesbaren Darstellung aufgrund offensichtlich akribischer Recherche entnehmen konnte, zieht sich eine unglückliche Verquickung zwischen Bank-Management und Politik wie ein roter Faden durch die unrühmliche Geschichte dieser Bank. Es wird überdeutlich, wie zumindest Topmanager mit ihrer Gier nach utopischer Rendite und in Aussicht stehender Millionenboni auf das eigene Konto maßgeblich verantwortliche Politiker solange mit unseriösen Prognosen hinter das Licht führen konnten, bis diese sich letztlich zur Kumpanei mit den Bossen gezwungen sahen, um ihr Gesicht nicht zu verlieren. Der Eid gewählter Mandatsträger, Schaden vom Volke abzuwenden, wurde wohl einfach umgemünzt auf „Schaden von der Bank“ abzuwenden. Denn schlussendlich bleibt ja immer noch der Steuerzahler als ungefragter Retter in Not. Dabei bildet das Drama der HSH-Nordbank leider nur einen Teil der unsäglichen sogenannten „Bankenkrise“ ab, indem schließlich die großen Pleitebanken politisch als systemrelevant eingestuft wurden. Der Bürger muss sich wohl immer wieder aufs Neue darauf gefasst machen, dass die Folgekosten von Fehlverhalten in der Symbiose von Wirtschaft und Politik mit Steuergeldern finanziert werden. Dazu fallen mir auch von Großmannssucht und Spekulation geprägte Projekte wie Elbphilharmonie, Berliner Flughafen und Stuttgart 21 ein.

Harald Garzke, per E-Mail

Wie in Absurdistan

17./18. Februar: Nachrüstung auf Staatskosten. Verkehrsministerium will Katalysatoren auch aus öffentlichen Mitteln bezahlen. Experte für höhere Dieselsteuer

Ich fühle mich manchmal wie mitten in Absurdistan. Als es den Autobauern 2009 schlecht ging, wurden sie mit der steuerfinanzierten Abwrackprämie gerettet. Zum Dank dafür betrügen sie nun ihre Käufer mit gefälschten Abgaswerten. Sie werden zur Kanzlerin zitiert, werden nicht abgewatscht sondern kommen mit einem Steuergeschenk, der Umweltprämie wieder heraus, natürlich wieder von den Steuerzahlern getragen. Nun soll der Staat auch die Kosten für die umweltschonende Umrüstung tragen. Wie stark reicht eigentlich die Industrielobby in die Bundestagsgremien ein. Die Industrie gibt Milliardensummen für das Spiel „größer, stärker, schneller“ aus, es wird in Digitalisierung und Selbstfahren investiert (natürlich auch mit Forschungsgeldern des Bundes), aber an zielführenden Anstrengungen zur Schadstoffminderung weht ein laues Lüftchen. Die E-Mobilität ist nur ein Feigenblatt. Wir stellen uns vor, die E-Autos setzten sich durch. Woher kommt der Strom? Aus Kohlekraftwerken? In Hamburg werden jedes Jahr öffentliche Parkräume durch eine abstruse Strukturpolitik vernichtet. Wo sollen dann die Stromtankstellen stehen?

Herbert Drapatz, per E-Mail

Zukunft der deutschen Standorte?

19. Februar: Warum Junghein­rich sein neues Werk in Polen baut. Hamburger Gabelstaplerbauer investiert Dutzende Millionen Euro in die Produktion

Herr Frey ist ein kluger Kopf und erfolgreich obendrein. Wer so klug ist, sollte aber weder Leser noch Mitarbeiter an der Nase herumführen. Wer ein Werk in Polen baut, dafür Millionen investiert, dortiges Lohnniveau und Arbeitszeitregelungen lobt und Investitionsförderung abgreift, der hat klare Ziele und seine Aktionäre schon lange hinter sich. Herzlichen Glückwunsch dazu. Natürlich lässt Herr Frey die Frage nach der Zukunft der deutschen Standorte offen. Wer das glaubt, sollte ruhig weiter träumen – vom Innovationsstandort Deutschland. Nach dem Hochmut kommt der Fall, wie uns Nokia in Bochum eindrucksvoll gezeigt hat.

Günther Aust, per E-Mail

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