Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 13. Februar 2018

Trinkgelder gerecht teilen

12. Februar: So tricksen Hotels und Re­stau­rants im Norden beim Min­dest­lohn

Ich habe in Hamburg eineinhalb Jahre als Schichtleiter bei einem großen Pizzaservice gearbeitet. Die Trinkgeldabgabe für Fahrer kann ich bestätigen. Unsere Fahrer mussten pro Tour 25 Cent abgeben, pro Tag jedoch höchstens 5 Euro. Dieses Geld wurde nicht dem Arbeitgeber gegeben, sondern zwischen Schichtleitern und Pizzabäckern aufgeteilt, da diese natürlich ebenso einen Beitrag zum guten Service geleistet hatten. Ich vermute, dass dies in Restaurants zum Teil ähnlich gehandhabt wird und halte das auch für richtig. Von einer Unterschreitung des Mindestlohns für die Fahrer kann jedoch keine Rede sein, denn nach einer vollen Schicht (6,5-7 Stunden) erhielt ein Fahrer nach meiner Erinnerung je nach Bestelleingang bis zu 25 Euro Trinkgeld, sodass sein Durchschnittsverdienst deutlich über dem Mindestlohn lag.

Stefan Tigges, per E-Mail

Wichtige Aufgaben verschlafen?

12. Februar: ,Ich brauche meinen Schlaf‘. Ole von Beust schildert, warum er als Bürgermeister oft müde war – und welche Gefahren das Amt noch hat

Das Bekenntnis macht Ole von Beust sympathisch sowie menschlich. Nur konnte sich ein Stadtstaat wie Hamburg, einen Bürgermeister, der gerne den Schlaf des Gerechten schlief, überhaupt leisten? Eher nicht. Da liegt es nahe zu behaupten, er habe einiges verschlafen. Baustellen im wahrsten Sinne des Wortes gab es genug. Wir erinnern an mangelhaften Wohnungsbau und marode Straßen. HSH-Nordbank und Elbphilharmonie kommen erschwerend hinzu. Wäre dieses „Schlafeingeständnis“ vor der Wahl gekommen, hätte er das schwere Amt eines Bürgermeisters der Freien und Hansestadt Hamburg wahrscheinlich nicht antreten müssen. Dann wäre ihm einiges erspart geblieben.

Wilfrid Warncke, per E-Mail

Kein hässlicher Betonklotz

9. Februar: Der Elbtower – das Ver­mächt­nis des Olaf Scholz

Egal, was in unserer Stadt neu gebaut wird, alles, was oberhalb der Größe eines Reihenhauses angesiedelt ist, ruft Widerstand auf den Plan. Meines Empfindens fällt der Elbtower weder in den Bereich Gigantismus noch ist er ein hässlicher Betonklotz, er wirkt in meinen Augen eher leicht, trotz seiner Höhe. Er wird nicht so gebaut, dass er die klassische Kirchturmsil­hou­et­te stört, er ist nicht mal das höchste Gebäude in Hamburg, der Telemichel ist mit 279 Metern noch etwas höher. Hamburg ist kein Museumsdorf und kann ein Bauwerk dieser Größe gut vertragen. Der Eifelturm in Paris war seinerzeit auch sehr umstritten.

Lutz Weiser, Hamburg

Strenge Maßstäbe anlegen

Der Charme und die Faszination Hamburgs liegen darin, dass es gleichwohl eine weltoffene Metropole ist, die in der Vergangenheit nicht der Baugigantomanie verfallen ist. Außer eitlen Politikern und profilsüchtigen Architekten braucht kein Hamburger dieses Bauwerk. Am Rande sei vermerkt, dass jeder, der in Hamburg einen Bauantrag stellt oder gestellt hat, die kleinlichen Diskussionen mit der Baubehörde kennt, in der geprüft wird, ob das Bauwerk in das Stadtbild passt, ob die Häuserflucht beachtet und das einheitliche Stadtbild aus der Vogelperspektive gewahrt bleibt. Ob die Baubehörde an den Elbtower die gleichen strengen Maßstäbe stellt, muss bezweifelt werden.

Horst Braunwarth, per E-Mail

Aus der Rolle gefallen

10./11. Februar: Der un­ge­liebte City-Hof. Vor 60 Jahren galten die Hochhäuser als Avantgarde – nun sind sie reif für die Abrissbirne

Aus meiner Sicht ist Frau Sassenscheidt mit ihrer polemischen Bemerkung „Backsteinwurst“ gegen den geplanten Neubau aus der Rolle gefallen. Als Vertreterin des „Denkmalvereins“ und der Hamburger Denkmalpflege ist sie zu Sachlichkeit und Neutralität verpflichtet. Die Denkmalpflege verliert das Vertrauen der Bürger und Bürgerinnen, wenn sie sich mehr und mehr als Sprachrohr unterschiedlicher sogenannter Gentrifizierungsgegner und von geschulten Agitprop-Aktivisten missbrauchen lässt. Eine Realisierung der Parole „das Viertel muss dreckig bleiben“, die Architektur möglichst unwirtlich, blockiert jede durchaus mögliche – auch soziale – Stadtreparatur.

Markus Erich-Delattre, Hamburg

Junge Leute an der Armutsgrenze

9. Februar: Umfrage: 14 Prozent der Hamburger haben keine Er­spar­nisse

Verwunderlich erscheint es uns nicht, dass 27 Prozent der Deutschen keine Ersparnisse haben. Interessant wäre zu wissen, wie viele dieser Menschen darüber hinaus Schulden haben. Um Ersparnisse zu bilden, benötigt man einen zuverlässigen, unbefristeten Arbeitsvertrag mit Sozialversicherungen und bezahlbaren Mieten. Beides sieht für die junge Bevölkerung in unserem Land schlecht aus. Selbst Uni-Absolventen sind zwischen ihren diversen befristeten Teilzeitjobs immer mal wieder für einige Wochen arbeitslos. Dass sie nicht auf der Straße landen, ist dem Umstand zu verdanken, dass viele zu zweit als Pärchen zusammenwohnen oder in einer WG oder ihre Eltern finanziell aushelfen. Wenn unser Staat dann noch die Mieten durch höhere Grundsteuern erhöhen sollte, wird der Anteil der Sozialleistungsempfänger und Obdachlosen rasant ansteigen und der Anteil der Studenten abnehmen müssen, da sich dann kaum noch jemand ein Studium leisten kann. Die jungen Leute, die wir kennen, gehen sehr verantwortungsbewusst mit ihrem Geld um, verschwendet wird da nichts. Trotzdem ist ein Kinobesuch Luxus und selbst die Kosten für den öffentlichen Nahverkehr müssen schwer erarbeitet werden, insbesondere wegen der vielen Ausnahmen und Umgehungen des ohnehin zu niedrigen Mindestlohns.

Sonja Paap, Hamburg

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