Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 8. Februar 2018

HVV ausbauen

7. Februar: Zu viele Bau­stel­len: Hamburger stehen jährlich 44 Stunden im Stau. ADAC: Warum der Stillstand auf den Straßen weiter zunehmen wird

Die Autofahrer sollen auf den öffentlichen Nahverkehr umsteigen. Die Idee ist gut. Auch für die Umwelt. Nur sind die öffentlichen Nahverkehrsmittel an ihrer Kapazitätsgrenze. Die Fahrgastzahlen im HVV nehmen stetig zu, mit Inbetriebnahme der neuen S-Bahn Baureihe 490 werden die alten Züge der Baureihe 472 verschrottet. Unterm Strich gibt es nur 12 Prozent mehr S-Bahn-Wagen. Es wird weiterhin in der Hauptverkehrszeit zu eng bleiben. Für Autofahrer ist dort kein Platz mehr. Auch nicht für die Bewohner der neuen Stadtteile, welche zumeist entlang der S-Bahn entstehen. Statt die Kapazität im Bahnverkehr hochzufahren, wird das Geld in die besonders repräsentativen Stationen der Hafen-City oder die erst in Jahrzehnten fertige, wenn nicht gänzlich unbezahlbare U5 gesteckt. Die Stadtbahn von Stellingen bis Bramfeld wäre schon fertig, wäre das Projekt nicht beerdigt worden. Die U4 ließe sich zügig und preiswert nach Süden bringen und würde die störungsanfällige S3 entlasten und die Autobahnen A1, A7 und A255. Bleibt die S4 Ost als sinnvolles Projekt – doch auch dort werden wegen minimaler Kosteneinsparung zu kurze Bahnsteige geplant. Vorbild für Hamburg bleibt Los Angeles, die Weltstauhauptstadt ohne nennenswerten öffentlichen Personennahverkehr.

Mathias Bölckow, per E-Mail

Bahnsteigzugang einschränken

5. Februar: Immer mehr fahren schwarz – und zahlen auch Bußgelder nicht

Der HVV trägt selbst die Schuld an dieser Entwicklung, denn jedes Kind weiß: „Gelegenheit macht nicht nur Diebe, sondern auch Schwarzfahrer.“ Warum wird denn in Wien, Zürich, New York und Paris der uneingeschränkte Zugang zum Bahnsteig verwehrt? Erst mit dem Einführen eines gültigen Fahrausweises oder einer Bahnsteigkarte können die Schranken geöffnet werden. Hinüberspringen ist schon eine andere Qualität, als für jedermann offene Zugänge anzubieten. Es rächt sich also, neben der Abschaffung von Fahrkarten-Abknipsern auch noch die Investition dieser Schranken gleich mit einzusparen.

Bernd Rachold, Hamburg

Beispiel London

Es ist in Hamburg zu leicht, schwarz zu fahren. In London kommt man gar nicht ohne Fahrkarte auf einen Bahnsteig. Es gibt Sperren, die nur mit gültigem Fahrausweis passierbar sind. Unsere freundlichen Busfahrer öffnen automatisch die hinteren Türen ihrer Busse, sehr einladend für Schwarzfahrer.

Edit Johnson, per E-Mail

Mütter werden im Stich gelassen

3. Februar: Große Koalition will mehr Milliarden für die Rente

Als Christian Lindner im Wahlkampf davon sprach, die Ungerechtigkeit bei der Mütterrente zu beheben, haben meine Freundinnen und ich uns gefreut. Was jetzt bei den Sondierungsgesprächen herausgekommen ist, spottet jeder Beschreibung. Die Mütter mit ein bis zwei Kindern sind also immer noch weniger wert. Wie ist das mit dem Grundgesetz vereinbar? Die Politik setzt wieder auf Zeit, denn es wird nicht mehr lange dauern und viele meiner Generation wird es nicht mehr geben. Die Kriegs- und Nachkriegsgeneration wird schmählich im Stich gelassen.

Karin Thater , per E-Mail

Inkonsequente Argumentation

2. Februar: Bedingungsloses Grundeinkommen – eine Illusion. 1000 Euro monatlich für jeden – und das auch ohne Arbeit?

Herr Rose argumentiert inkonsequent. Sein Hinweis drauf, dass Arbeit Teilhabe und Selbstverwirklichung sein kann, wenn sie denn unter guten Bedingungen stattfindet, ist sicherlich richtig. Er vergisst aber zu erwähnen, dass das „Erpressungspotenzial“ in dem aktuellen System bei denen liegt, die Arbeit anbieten nach der Devise: Friss oder stirb. Das bedingungslose Grundeinkommen kehrt diesen Effekt um: Bei miesen Bedingungen nehme ich den Arbeitsplatz nicht an. Das Grundeinkommen bewahrt mich davor, es trotzdem zu müssen. Erst, wenn die Bedingungen stimmen, wird Arbeit zur Selbstverwirklichung, da hat Herr Rose recht. Aber das bisherige System verhindert, dass die Bedingungen besser werden. Mit seinem Hinweis gerade auf die Berufe in Pflege, Gesundheit, Erziehung und Bildung führt er seine zuvor genannten Argumente zusätzlich ad absurdum.

Andreas Kaluzny, per E-Mail

Es geht um Gerechtigkeit

Es geht keineswegs um das „Paradies auf Erden“, sondern um Gerechtigkeit. Wer arbeitet, hat doch sein Einkommen zusätzlich zu dem Grundeinkommen zur Verfügung. Das Argument, dass die Gesellschaft nicht solidarisch genug sein würde, um allen ein bedingungsloses Grundeinkommen zu gewährleisten, zieht nicht. Es ist doch bereits heute so, dass ein großer Anteil der Bevölkerung von dem arbeitenden Teil mit finanziert wird. Ich nenne hier nur Arbeitslosengeld I und II, Renten, Pensionen und viele weitere staatliche Zuwendungen. Der Anreiz zum Arbeiten wäre im Gegenteil sogar wesentlich höher als heute, da es den geringen Abstand vom Arbeitslosengeld II zu den unteren Lohngruppen so nicht mehr gäbe. Finanzierbar wäre das Ganze nach Ansicht vieler Wirtschaftswissenschaftler durchaus. Die hohen Kosten für Rente und Arbeitslosengeld würden wegfallen. Zudem müssten natürlich die Wirtschaft und die Großverdiener bei der Finanzierung stark eingebunden werden. Es ist doch Fakt, dass die Gewinne und Einkommen dort seit vielen Jahren unverhältnismäßig steigen und die „kleinen“ Arbeitnehmer vom Wirtschaftswachstum kaum profitieren. Das dies ausgerechnet von einem Gewerkschaftler und Sozialdemokraten nicht gesehen wird, ist traurig und zeigt, wie weit sich die SPD mittlerweile von ihrer ursprünglichen Klientel entfernt hat.

Andreas Gehrmann, Hamburg

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