Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 2. Februar 2018

Einstellung zur Religionsfreiheit

30. Januar: Is­lam­ver­band bejubelt tür­ki­schen Mi­li­tär­an­griff in Syrien

Es ist für mich unerträglich, wenn hier in Deutschland, der drohende Völkermord an syrischen Kurden als patriotischer Akt gefeiert wird. Wenn der Vorsitzende der Schura öffentlich verkündet, die „einzige Garantie für die türkisch-kurdische Brüderlichkeit“ sei die „islamische Glaubensbruderschaft“, dann lässt das wohl kaum Zweifel an seiner Einstellung zum Thema Religionsfreiheit. Auch die anderen zitierten Einlassungen von Herrn Yoldas sind so empörend wie entlarvend. Terrorist oder „Terrorversteher“ ist in der Türkei heute jeder, der Kritik an Erdogan oder seinen Militäroffensiven äußert. Mit dem Vorwurf des Terrorismus an die YPG suchen Herr Erdogan und seine Jünger lediglich von ihren großosmanischen Expansionsfantasien abzulenken. (...) Nun möchte man wieder mit Gewalt Fakten schaffen und sich diesmal ein Stückchen Syrien einverleiben. In der Türkei wurden in den vergangenen Tagen mehrere Mitglieder der türkischen Ärztevereinigung TTB unter dem Vorwurf der „Propaganda für eine Terrororganisation“ und „Aufwiegelung des Volks zu Hass und Feindseligkeit“ festgenommen, nachdem sie einen Aufruf „Nein zum Krieg, Frieden jetzt“ unterzeichnet hatten. Diesen mutigen Kollegen gilt mein Respekt, und ich erwarte vom Hamburger Senat, dass er sich von Ditib und Schura distanziert und sich stattdessen mit diesen friedliebenden türkischen Ärzten solidarisch zeigt.

Naschmil Pollmann, Hamburg

Landstrom für gesündere Luft

30. Januar: Land­stro­man­lage für Kreuz­fah­rer ist Zu­schuss­ge­schäft

„Jedes Mal, wenn ein Schiff in Altona anlegt und Landstrom bezieht, zahlt der Steuerzahler kräftig drauf.“ Das kritisiert der „Hafenexperte“ der CDU. Unerwähnt lässt der „Experte“, dass damit den Hamburgern eine beträchtliche Dreckwolke aus dem Schornstein des Schiffes erspart bleibt. Kreuzfahrer haben einen beträchtlichen Anteil an der Luftverschmutzung unserer Stadt. Deswegen ist ausdrücklich zu begrüßen, dass der Senat nun auch für das Terminal in der HafenCity eine Landstromanlage errichten will, eine sehr sinnvolle Investition in die Zukunft! Dass dies den selbsternannten Experten „erbost“ und er es als „irrsinnig“ erachtet, dass diese Anlage sich bereits in Planung befindet, zeugt von geradezu krankhafter Realitätsverweigerung des CDU-Experten. Landstrom wird auf absehbare Zeit teurer als das schmutzige Mineralöl des Schiffsdiesels sein. Wir Steuerbürger zahlen gerne für eine gesündere Atemluft!

Klaus Nowak, Hamburg

Sinn der Mobilität

31. Januar: Zugeparkt – Flug­ha­fen-An­woh­ner wehren sich

Man kann die Anwohner natürlich verstehen. Andererseits: auch sie fahren in andere Stadtteile und wollen ihr Kfz dort abstellen. Das ist ja der Sinn der Mobilität: ein Ziel erreichen. Es ist mit den Anwohnerparkzonen etwa so wie mit dem Protektionismus in der Weltwirtschaft. Der Schutz einzelner Regionen wirkt in der Kombination kontraproduktiv. Er führt zum Nachteil für die Gesamtheit: Der Bewegungsradius wird eingeschränkt, es droht eine Verödung „geschützter“ Viertel, die Probleme werden in andere Bereiche verdrängt (wie sich aus dem Artikel selbst ergibt) und es entstehen Schmutz und Staus durch den Parksuchverkehr. Ich erinnere mich noch, wie vor zwei oder drei Dekaden dieselbe Diskussion um das Großneumarktviertel geführt wurde. Dort wurde dann das Anwohnerparken eingeführt. Letztlich hat dies mit zum Niedergang des Großneumarkts als Ausgehviertel geführt. Wenn ich ausgehen will, möchte ich auch einen Parkplatz finden. Wo dies nicht möglich ist, fahre ich nicht hin. Insoweit befürchte ich auch für die Innenstadt nichts Gutes als Einkaufsviertel. Man braucht nur in mittelgroße oder kleinere US-Städte zu blicken, wo die bequem erreichbaren Malls der Vorstädte den Innenstädten schaden.

Dr. Raimond Emde, Hamburg

Alle sind „Brüder im Glauben“

29. Januar: Aus­ für Schu­len – kann der Bund ­hel­fen?

Es geht mir nicht um die Frage, wann, wer, was erfahren hat: Mich interessiert etwas anderes: Wieso kann die katholische Kirche ihre Schulen Privatschulen nennen, wenn sie für jeden ihrer Schüler 85 Prozent des Geldes bekommt, das für Schüler an staatlichen Schulen ausgegeben wird? Wieso kommt ein Prüfungsgremium auf die grandiose Idee, dass der Verkauf von kirchlichen Wertpapieren, Aktien etc. die bisher errechnete Verschuldung der Hamburger Diözese noch vergrößert? Warum können nicht andere Diözesen oder sogar Rom für die Schulden durch Misswirtschaft aufkommen? Es sind schließlich alle „Brüder im Glauben“, und die müssten einander doch vorbehaltlos helfen. Warum soll jetzt wieder der Staat, das heißt die Steuerzahler dafür aufkommen? Wenn ich in ein Alters-, Pflege- oder Seniorenheim komme, muss ich dafür zahlen. Reicht meine Rente dafür nicht aus, wird auf meine Ersparnisse zurückgegriffen, ohne dass ich dagegen ein Veto einlegen kann. Wieso verlangt man nicht dasselbe von der katholischen Kirche, nämlich ihre Rücklagen, Liegenschaften, Aktien etc. für die Tilgung ihrer Schulden zu verwenden?

Ingrid Stoyke, per E-Mail

Wenn das Licht ausgeht...

30. Januar: Wer wusste wann was?

Sollte die Katholische Kirche nicht lieber einige ihrer Kirchen verkaufen? In einer Schule kann auch Gottesdienst abgehalten werden. Dort gibt es immer einen Raum für größere Veranstaltungen, aber meist kommen doch nur eine Hand voll in die Messe. An der Bildung darf aber nicht gespart werden! Die Kinder von heute sind die Generation, die unseren Staat weiterführen und gestalten soll. Wenn in den Schulen das Licht ausgeht, wird es sehr dunkel. Viele der Betroffenen werden sich der AfD anschließen.

Helmut Lange, Norderstedt

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