Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 22. Januar 2018

Was sagt der Papst?

20./21. Januar: Ka­tho­li­sche Kirche schließt bis zu acht Schulen in Hamburg. Fünf nehmen jetzt keine neuen Schüler mehr an. Erzbistum zieht Konsequenzen aus enormer Überschuldung

Kaum zu fassen! In Hamburg sollen bis zu acht katholische Schulen geschlossen werden, weil die Kirche hoch verschuldet ist, also schlecht gewirtschaftet hat. Gleichzeitig wird immer wieder von Fällen berichtet, in denen die Kirchen, auch die katholische, Migranten, gesetzwidrig Asyl gewähren, deren Asylantrag von der zuständigen Behörde auf der Basis geltenden Rechts abgelehnt wurde. Über die Gewährung von Kirchenasyl gegen die Entscheidung des Bundesamtes entscheidet die Kirche in Zusammenarbeit mit Rechtsanwälten, Ärzten und Migrationsfachstellen. Das kostet Geld. Während des Asyls wird Unterstützung durch Anwälte, Ärzte und Migrationsexperten angeboten, vermutlich auch auf Kosten der Kirche. Mit größtmöglicher Arroganz behauptete kürzlich eine Vertreterin der Kirche: „Mit dem Kirchenasyl schützen wir das Grundgesetz“. Damit lag sie wohl ganz auf der Linie ihres obersten Arbeitgebers, Papst Franziskus. Wie der das wohl findet, dass die letzten treuen Mitglieder seiner Gemeinde wegen Verschwendung von Geldern seiner katholischen Kirche nicht mehr in ihren Schulen unterrichtet werden können?

Jörn Deistler, Friedrichstadt

Erzbischof einsparen

Warum spart man nicht einfach den Erzbischof ein?

Simone Klages (ehemalige Schülerin einer katholischen Schule)

Erzbistum soll helfen

Etwa vierhundert Kilometer südlich von Hamburg befindet sich eines der reichsten, wenn nicht sogar das reichste Erzbistum innerhalb Deutschlands. Wäre es da nicht nahe liegend, dass man sich innerhalb der Katholischen Kirche hilft, ehe die Kirche in Hamburg Schulen schließt, bzw. der Senat einspringt. Ist dieser Gedanke denn so abwegig?

Dietmar Schulten, Aumühle

Schulen gehören in staatliche Hand

Endlich eine gute Nachricht für die Schulen Hamburgs. Schulen gehören nicht in konfessionelle Hand. Hier wird nur versucht ideologisch zu beeinflussen und Geld zu verdienen. Schulen gehören in staatliche Hand, denn mit Schulen soll kein Geld verdient werden. Hier gilt es einen Bildungsauftrag zu erfüllen, der wertfrei zu vermitteln ist. Der Bildungsauftrag, den die katholische Kirche vorgibt zu erfüllen, wird durch die jetzt bevorstehende Schließung von konfessionellen Schulen mit Füßen getreten. Wenn man berücksichtigt, dass für die Erfüllung dieses im Sinne der Kirchen verstandenen, vermeintlichen Bildungsauftrages, von staatlicher Seite massive finanzielle Unterstützung geleistet wird, ergibt sich ein desaströses Bild der konfessionellen Schulen. Der Staat, hier die Stadt Hamburg, sollte bestrebt sein, diese Schulen wieder in seine Obhut zurückzuholen.

Reinhard Utesch, per E-Mail

Pyrrhussieg für Lehrer?

18. Januar: Lehrer klagen gegen Streik­ver­bot. Bundesinnenminister: Beamte haben Treueverhältnis zum Staat

Ob die Ausübung des Lehrerberufs rechtlich zwingend auf der Basis eines Beamtenverhältnisses erfolgen muss, ist eine Frage, die die Bundesländer in der Vergangenheit weniger nach verfassungsrechtlichen Maßstäben, sondern schlicht nach Bedarf und Kassenlage beantwortet haben. Die mit diesem Status verbundenen Privilegien wurden gezielt als Anreiz eingesetzt. Wenn nun ausgerechnet ein Lehrer die Frage stellt, ob es nicht zwei Sorten von Beamten gibt, bei denen die eine weniger staatstragend sei und daher auch temporär zwecks Arbeitskampfs dem Dienst fern bleiben könne, so könnte man auf die Idee kommen, tatsächlich nur noch diejenigen zu verbeamten, die zu diesem Kernbereich gehören, der für das Allgemeinwohl einen unverzichtbaren Beitrag leistet. Dass die Lehrer hierunter fallen, ist zumindest nicht ausgemacht. Anders ausgedrückt: Wer die Spielregeln eines Systems in Frage stellt, muss sich nicht wundern, demnächst nicht mehr dazu zu gehören. Für die Lehrerschaft könnte sich ein Erfolg beim Bundesverfassungsgericht mithin im Nachhinein als Pyrrhussieg erweisen.

Dr. Tim Schurig, Hamburg

Wassertanks statt Betonpoller

8. Januar: Mil­lio­nen­kos­ten für Anti-Ter­ror-Pol­­ler? Bislang zahlen Organisatoren für Schutz vor Terror auf Großveranstaltungen – nach Urteil könnten hohe Summen auf Stadt zukommen

Bevor Hamburg den ersten Cent für die bekannten Anti-Terror-Poller aus Beton ausgibt, sollte der Test der DEKRA Neumünster (Wie sicher sind Antiterror Betonsperren?) bei YouTube angesehen werden. Diese Betonpoller absorbieren nur einen kleineren Teil der Bewegungsenergie eines Lkw und setzen die Restenergie in Eigenbewegung um, die diese zu gefährlichen Geschossen machen. Man sollte bedenken, dass diese Betonpoller ursprünglich einen ganz anderen Verwendungszweck hatten und für die „Sicherheit“ nur eingesetzt werden, weil sie standardmäßig verfügbar sind. Wassertanks absorbieren viel mehr Bewegungsenergie, sind leer viel leichter und daher auch billiger zu transportieren und aufzustellen.

Matthias Raabe, Hamburg

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