Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 20. Januar 2018

Verweigerungshaltung der Partei

19. Januar: Zer­ris­sene So­zi­al­de­mo­kra­ten

Das mühsam ausgehandelte Ergebnis der Sondierungsverhandlungen muss Bestand haben und kann nicht bis zum Sankt-Nimmerleinstag nachverhandelt werden. Die endlosen Diskussionen vor dem Sonderparteitag und die Ablehnungsforderung des Juso-Vorsitzenden Kühnert, der sich in der Hauptsache selbst profilieren will, sind kontraproduktiv und schaden der Partei immens. Wenn die SPD am kommenden Sonntag beim Sonderparteitag die Ergebnisse ablehnt, führt an Neuwahlen kein Weg mehr vorbei, denn eine Minderheitsregierung können wir uns nicht leisten. Es ist mit Sicherheit davon auszugehen, dass das Ergebnis dann für Überraschungen sorgen wird, denn die Bürger haben ein gutes Gedächtnis und werden die Regierungsverhinderer FDP und SPD für ihre Verweigerungshaltung abstrafen. Die Gewinner werden die AfD und die Union sein. Das ist schon jetzt in den aktuellen Umfragen zu erkennen.

Helmut Jung, Hamburg

Transparenz schafft Vertrauen

16. Januar: Alt­prä­si­des sagen Treffen mit neuer Kam­mer­füh­rung ab

Ja, so gehts doch wohl gar nicht. Sich erst öffentlichkeitswirksam auf der Außenplaza der Elbphilharmonie ablichten lassen und über die neue Kammerführung herziehen und dann nicht bereit sein, öffentlich mit dieser zu diskutieren. Das ist wirklich altes Denken und Verhalten. Immer schön intransparent und im Hinterzimmer klüngeln. Meine Herren Altpräsides, heutzutage ist Transparenz und offene Diskussion angesagt. Das schafft Vertrauen und respektvolles Miteinander!

Jens Neubauer, Hamburg-Kirchsteinbek

Verständnis für EU-Skeptiker

17. Januar: Europa kämpft gegen Plas­tik­müll. Bis 2030 sollen alle Verpackungen wiederverwertbar sein. Einsatz von Einwegprodukten wird eingeschränkt

Der EU-Kommission fällt zu diesem Thema nichts anderes ein, als zu konstatieren, dass es im Jahre 2050 in den Weltmeeren voraussichtlich mehr Plastikmüll als Fische geben wird. Als „Lösung“ wurde erstmal eine Strategie beschlossen, wonach Verpackungen aus Kunststoff ab 2030 generell nur noch erlaubt sein sollen, wenn sie wiederverwertbar sind. Eine vage und unverbindliche Strategie und das auch noch in einem „Wahnsinnstempo“. Bei solchen Meldungen habe ich allmählich Verständnis für die EU-Skeptiker. Keine Informationen dazu, welche Plastik- und sonstigen Müllmengen auf welche Weise von EU-Staaten entsorgt/recycelt werden. Bei uns landet Plastikmüll (hoffentlich) größtenteils in den gelben Tonnen und Säcken. Was passiert dann damit? Wie kommen in Deutschland ausgegebene und entsorgte Plastikverpackungen in die Weltmeere und wie lückenlos und streng wird der Entsorgungsweg kontrolliert ? Vielleicht wäre eine europaweite strenge Kontrolle der Möglichkeiten für Müllentsorgung an den Küsten als vorrangige Maßnahme in den Küstenstaaten geeignet, bevor man nur Visionen ab 2030 von sich gibt. Fragen über Fragen an unsere Spezialisten in Brüssel. Es gilt, die Probleme schnellstens anzupacken, auch wenn die Entsorgungs- und Verpackungslobby mit allen Mitteln versucht, zu bremsen.

Horst Zimmer, Norderstedt

Abstiegsgefährdeter Dino

18. Januar: Der Letzte macht das Licht aus. Immer weniger Zuschauer kommen ins Stadion. Der HSV droht wegen seiner Dauerkrise auch sein letztes Faustpfand zu verlieren: die Unterstützung seiner Fans und der Stadt

Wenn Politiker ihre Versprechungen nicht halten und die Wähler den Eindruck haben, dass sich nichts ändert, bleiben sie den Wahlurnen fern. Beim wieder einmal abstiegsgefährdeten Dino hat es unbegreiflicherweise lange gedauert, bis auch die treuesten Fans endgültig die Geduld verlieren und ihrem einstigen Stolz den Rücken kehren. Zweitklassigen Sport gibt es in Hamburg schon mehr als genug, meist sogar auf einem höheren Niveau als er im Volkspark geboten wird.

Martin Wucherpfennig, per E-Mail

Riesiger Imageschaden droht

18. Januar: Wie Nazis das Als­te­rum­feld prägten. Erstmals wurden 45 Orte dokumentiert und ein umfassendes Bild der NS-Zeit erarbeitet. Ausstellung im Rathaus wird heute eröffnet

Die Handschrift der Ausstellung führt noch nicht weit genug. Zum einen wäre es ebenfalls wichtig, gerade im Grindelviertel und dessen direkter Umgebung stärker die Nazi-Zeit zu beleuchten, wo zum Beispiel auf dem Dach einer noch heute bekannten Polizeiwache bereits vor der offiziellen Machtübernahme der Nationalsozialisten sehr symbolisch die Hakenkreuzfahne gehisst worden sein soll. Zum anderen muss man neben dem trügerischen Panorama zusätzlich die Rolle vieler Firmen stärker beleuchten, da es selbst im Jahre 2018 immer noch sehr bekannte Unternehmen wie etwa einen großen internationalen Logistikkonzern gibt, der unter anderem mit der Weiterveräußerung von jüdischem Besitz sehr viel Geld verdient hat und sich standhaft weigert, dieses düstere Kapitel aufzuarbeiten. Deshalb bleibt insbesondere hier eine größere öffentliche Aufmerksamkeit gefragt, zumal Hamburg ein riesiger Imageschaden droht, sollten einmal Medien aus den USA oder Israel über den ungelösten und ignorierten Fall berichten.

Rasmus Ph. Helt, Hamburg

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