Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 9. Januar 2018

Stadt muss Oberaufsicht behalten

8. Januar: Ent­schei­dung zum StadtRad im April

Sicher ist es nicht verkehrt, wenn es zwei oder drei konkurrierende Fahrradleihsysteme in Hamburg gibt. Ich kann aber nicht nachvollziehen, warum die Stadt die Entstehung von wilden Systemen, die dann den öffentlichen Raum vermüllen, nicht verhindern kann. Jedes Aufstellen eines zur Ausleihe angebotenen Fahrrads ist doch eine gewerbliche Sondernutzung. Die ist genehmigungspflichtig. Sie kann – und muss wohl auch – von der Stadt reguliert werden.

Theodor Huß, Hamburg

Überschätzte Bedeutung

6./7. Januar: Hamburg ohne Elb­phil­har­mo­nie? Un­vor­stell­bar!

Es gehört wenig Geschick dazu, einen Konzertsaal zu füllen, der durch das gewaltige Marketinggetöse international zu einem „Must-have“ geworden ist. Über die Programmgestaltung darf man gewiss unterschiedlicher Meinung sein, diese aber durchweg als Weltklasse einzustufen, kann man durchaus für überheblich halten. Dass der Saal neues Publikum generiert, ist wohl richtig, über den Umfang und die Nachhaltigkeit lässt sich hingegen streiten. Klassische Musik ist im Musikbetrieb eine Nische, und die wird auch kaum wegen eines spektakulären Saales vergrößert. Es ist in erster Linie der Saal selber, der die Hauptanziehungskraft ausübt. Und dass Hamburg ohne die Elbphilharmonie nicht mehr denkbar wäre, setzt der allgemeinen Hybris noch die Krone auf. Nein, Herr Lieben-Seutter, nicht Hamburg braucht die Elbphilharmonie, sondern die Elbphilharmonie braucht Hamburg und die Touristen, um zu funktionieren. Ich würde sogar behaupten, dass den meisten Hamburgern der Saal ziemlich egal ist, unter anderem deswegen, weil sie ohnehin nicht hineinkommen. Sie hätten es sicher besser gefunden, das Geld in die städtischen Krankenhäuser zu investieren, anstatt diese zu verkaufen. Aber damit lässt sich natürlich keine Werbung für Hamburg machen.

Peter Westendorf, Hamburg

Unattraktive Arbeitsbedingungen

6./7. Januar: Sylt sucht neue Ga­stro-
Kon­zepte

So, so, Personal zu finden ist ein Riesenproblem. Warum warten dann die Beschäftigten im Gastgewerbe, auch auf Sylt, seit Mai 2017 auf eine Tariferhöhung, die ihnen der Dehoga (auch auf Sylt) verweigert? „Wir müssen das Berufsfeld attraktiver machen“, so der Sylter Dehoga-Chef Johannsen. Wieso liegen in Schleswig-Holstein, damit auch auf Sylt, die Entgelte im Gastgewerbe bis zu 400 Euro unterhalb von denen vergleichbarer Bundesländer? Wegen der schwierigen Personalsituation entscheidet sich René Richter, wieder zurück nach Stuttgart zu gehen. In Stuttgart liegen die Tariflöhne weit über den Sylter Löhnen. Die Berufsbilder im Gastgewerbe wurden mit am häufigsten novelliert. Ein Kulturwandel muss her: Weg von Ausbeutung, hin zu wertschätzender Ausbildung. Berufseinsteiger achten sehr wohl auf Arbeitsbedingungen, da tut es dem Gewerbe nicht gut, die Abschaffung des Zehn-Stunden-Tages zu fordern. Das Gastgewerbe hat nicht nur weniger Auszubildende, viel verheerender sind die Zahlen derer, die ihre Ausbildung abbrechen. Dieser Effekt ist den ohnehin schon schlechten Bedingungen im Gastgewerbe geschuldet. Nun sollen die Beschäftigten nicht nur mit den ­bereits schlechten Voraussetzungen gestraft werden, sondern der Dehoga fordert auch noch den legalen 13-Stunden-Arbeitstag. Soziale Kontakte interessieren niemanden. Manche Antworten liegen vor den eignen Füßen, man muss nur hinschauen.

Dr. Herbert Grimberg, Hamburg

Nur artiger Gedankenaustausch?

5. Januar: Im Zweifel gegen die Mei­nungs­frei­heit

Es kann niemanden verwundern dass mit horrenden Strafzahlungen bedrohte Wirtschaftsunternehmen lieber alles sperren, was nur entfernt als Beleidigung, Verunglimpfung oder gar Volksverhetzung gelesen werden könnte. Selbst wenn die Entscheider spezialisierte Juristen wären, gäbe es keine Sicherheit, denn diese Tatbestände sind „Juristengummi“. Die Entscheider sind aber mit Sicherheit nur Aushilfskräfte, denn sie sollen Facebook & Co. schützen und eben nicht die Meinungsfreiheit. Man könnte die Lage verbessern, wenn man einen mit zu leichthändiger Sperrung vorliegenden Verstoß der Unternehmen gegen die Meinungsfreiheit ähnlich sanktionieren würde – was erst einmal eines entsprechenden gesetzlichen Schutzes bedürfte. Das wird es kaum geben. Justizminister Heiko Maas setzt offensichtlich auf die Frustration unbeherrschter Nutzer – wer ständig gesperrt wird, schreibt anders oder gar nicht mehr. Unqualifiziert gesperrte Satire, Ironie oder polemische Zuspitzung sind dann eben „Kollateralschäden“ zugunsten höherer Ziele. Übrig bleibt ein verordnet „pasteurisierter“ artiger Gedankenaustausch.

Wolfgang Ahrens, Norderstedt

Türkei auf Abstand halten

4. Januar: Cavusoglu besucht Gabriel
in Goslar

Die Türkei möchte also zu normalen Beziehungen mit Deutschland zurückkehren. Das geht nur mit einer von Herrn Erdogan an das deutsche Volk gerichteten Entschuldigung für kaum zu entschuldigende Entgleisungen: Nazivergleiche, Verhinderung von Besuchen deutscher Parlamentarier bei Bundeswehrsoldaten in Incirlik und zweifelhafte Wahlkampfauftritte in mehreren deutschen Großstädten mit Hassreden, um nur einige zu nennen. Nicht zu vergessen die Verhaftung deutscher Staatsbürger in der Türkei. In Reden türkischer Regierungsmitglieder wird immer wieder von mangelndem Respekt gesprochen. Das stimmt, denn dieser fehlt Herrn Erdogan und seinem Außenminister. Ich appelliere an unsere Politiker, dem Säuseln nicht zu vertrauen und weiterhin die Türkei auf Abstand zu halten. Die Türkei und Mitglied in der Europäischen Union? Das geht auf Jahrzehnte nicht gut.

Heinz Blum, per E-Mail

© Hamburger Abendblatt 2018 – Alle Rechte vorbehalten.