Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 16. Januar 2018

Sinnlose Bachelor-Studiengänge

15. Januar: Bachelor re­for­mie­ren! Studium muss verlängert und praxisnäher gestaltet werden. Unis brauchen Geld

Das Bachelorstudium muss Grundlagen vermitteln, also wissenschaftliches Handwerkszeug liefern. Hierzu muss es weder verlängert, noch praxisnäher gestaltet werden. Durch den Bologna-Prozess sind in Deutschland, sowohl an den Fachhochschulen als auch an den Universitäten, unzählige völlig sinnlose Bachelor-Studiengänge entstanden. Das ist eine wirklich dramatische Fehlentwicklung. Hierdurch werden Schulabgänger, die eine solide Ausbildung oder eine akademische Karriere machen sollten, ins soziale Abseits gelockt. Anstatt, wie im Leitartikel gefordert, das Bachelorstudium von drei auf vier Jahre zu verlängern, sollte man wenigstens 50 Prozent der Studiengänge abschaffen.

Prof. Dr. med. Jörg Steinmann, Hamburg

SPD in ungeliebter Rolle

13./14. Januar: Große Koalition für kleine Leute. SPD setzt sich bei Rente und Pflege durch, Union ver­hin­dert höhere Steuern und Bür­ger­ver­si­che­rung

Befürworter und Gegner der Großen Koalition werden jetzt ihre Bewertungen der Verhandlungen zum Besten geben, die Führungskräfte der Parteien müssen ihr Ergebnis bestmöglichst „verkaufen“. Bei der CDU/CSU dürfte es mehr oder weniger ein Selbstläufer sein. Ganz anders sieht es allerdings bei der SPD aus. Sie ist in diese ungeliebte Rolle hineingedrängt worden, denn sie wollte sich in der Opposition erneuern. Das wird ihr bei einer Regierungsbeteiligung nicht gelingen.

Fred Bonkowski, per E-Mail

Und wieder die gleiche Soße...

Mit welch energischen Worten hatte Frau Nahles kurz nach der Bundestagswahl angekündigt, wie sich die SPD in der Opposition für Deutschland einsetzen will. Und nun? Jetzt erwartet uns doch nur die gleiche Soße, die wir in den letzten Jahren schon hatten. Nach der Wahl dachte man tatsächlich fast, dass Martin Schulz mal wieder ein Politiker mit Charakter sei, aber mittlerweile rutscht auch er auf seiner eigenen Schleimspur aus.

Ulrike Mansfeld-Stiegert, Hamburg

Neuanfang zulassen

Die nun erzielten Vereinbarungen dieser Sondierung basieren noch nicht einmal auf dem kleinsten Nenner der Herausforderungen für unser Land. Mehr durfte man auch nicht erwarten, zu weit sind die Parteien auseinander, zu schwach die Führungspersonen an den Parteispitzen - zumal als große Wahlverlierer - in ihrer Funktion als Gestalter einer nachhaltigen Politik. Wie immer wird lediglich verwaltet, vorwiegend Geld verteilt zur Befriedigung der jeweils eigenen Klientel. Zudem wird völlig außer Acht gelassen, dass wir eigentlich gar keinen Überschuss im Staatshaushalt haben, damit auch nichts verteilen könnten, denn lediglich die unsägliche EZB-Politik beschert dem Bund Zinsersparnisse von über 50 Milliarden pro Jahr, wobei die Zinsverluste der Bürger – und damit der Steuerzahler – um das Drei- bis Vierfache höher sind. Apropos Wahlverlierer, es hätte dem Anstand und der Fairness entsprochen, die Verantwortung für diese Ergebnisse und die Leistungen der Vergangenheit zu tragen, einen Neuanfang mit anderem Personal zu ermöglichen und den Bürgerwillen zu respektieren.

Herbert Stephan, Hamburg

Sachverhalte spielen keine Rolle

Ich habe den Eindruck, dass hier beide Seiten nur ihren Hintern retten wollten und die Sachverhalte nur eine kleine Rolle spielen. Es bleibt zu hoffen, dass die SPD-Zustimmung ausbleibt.

Uwe Rohde, per E-Mail

Sonderweg ist eine Sackgasse

13./14. Januar: Der deutsche Sonderweg. In der Flüchtlingspolitik ist kein Land in Europa so offen wie die Bundesrepublik – das hat Konsequenzen

Schöner Beitrag, der mir in vielen Punkten aus dem Herzen spricht und meinen vollen Beifall findet. Was ich allerdings vermisse, ist die Erwähnung, dass der offensichtliche Sinneswandel der Flüchtlingspolitik in Holland, Frankreich oder in den sehr liberalen skandinavischen Ländern von den dortigen Regierungen keineswegs so freiwillig erfolgte, wie man uns glauben machen möchte. Vielmehr ist es doch so, dass die Bevölkerung aufgrund der teilweise katastrophalen Zustände nach rechts gerückt ist und die rechten Parteien soviel Zulauf erhalten, dass sie in einigen Ländern an der Regierung beteiligt werden müssen. Soweit ist es hier natürlich noch nicht, absehbar ist es aber schon. Der heutige deutsche Sonderweg wird vorhersehbar in einer Sackgasse für die etablierten Parteien enden. Denn es ist doch klar, dass knapp 13 Prozent der Wähler die AfD nicht wegen, sondern trotz Gauland und Weidel gewählt haben.

Peter Alsleben, per E-Mail

Frau Fehrs ist einen Schritt weiter

10. Januar: Wie junge Pastoren die Kirche ret­ten ­wol­len

Dass Kirche sich erneuern muss, ist im Reformationsjubiläumsjahr immer wieder deutlich geworden. Sonst wird sie die Menschen mit ihren sich ändernden Bedürfnissen nicht mehr erreichen. So ist es gut, dass die jungen Pastoren genau wissen wollen, „was die Menschen anspricht, in den Gemeinden dabei zu sein“. Leider wird dieser Prozess in dem Artikel nur ansatzweise dargestellt. Es werden mehr die Probleme und eine mögliche Umorganisation der Institution beschrieben. Da scheint Frau Bischöfin Fehrs mit ihrer Absicht, „verstärkt die Begegnung mit jungen Leuten zu suchen“, einen Schritt weiter zu sein. Als Trittauer Gemeindemitglied empfinde ich es als besonders schmerzlich, dass unter anderem die Bereiche der Kitas und der Kirchenmusik als lebendiger, tragender Teil des Gemeindelebens in dem Artikel überhaupt nicht erwähnt werden.

Klaus Weinhold, Lütjensee

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