Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 11. Januar 2018

Keine Frage des Geschmacks

10. Januar: Ein schöneres Logo für die Ha­fenCi­ty?

Schade, dass dem HafenCity-Logo von Jannick alias Jia Cheng keine Chance gegeben wird, bringt es doch eine ganze Welt von adäquaten Assoziationen zum Klingen. Richtig ist, dass ein Markenlogo auf Dauer ausgerichtet sein und auch modischen Strömungen standhalten muss, damit es seine Funktion der Markenbildung erfüllt. Das kann aber das aktuelle Logo sowieso nicht auf Dauer leisten. Es drückt symbolisch eine konkrete Wunschvorstellung bzw. eine Entwicklung aus, die ja möglichst bald erfüllt sein soll. Sind City und HafenCity zusammengewachsen, macht das jetzige Logo keinen Sinn mehr. Es ist zwar unverwechselbar, reproduzierbar und einprägsam, aber (hoffentlich) bald nicht mehr verständlich. Es erfüllt die Anforderung der Zeitlosigkeit nicht, und das ist keine Frage des Geschmacks.

Uwe-Carsten Edeler, Hamburg

Assoziation mit der Kirche

10. Januar: Wie junge Pastoren die Kirche retten wollen

Eine ganze Seite zu diesem wichtigen Thema: Danke. Leider hat die Projektgruppe des Kirchenkreises Ost noch keine wirklich neue Idee, wie die Kirche wieder zu einer überzeugenden Heimat für mehr Menschen werden könnte. Das Modell „Kugellager“ klingt modern, ist aber nicht mehr als die vielerorts bereits bestehende Praxis (Verteilung der Lasten, Synergieeffekte). Worauf es ankäme, ist eine überzeugende Assoziation, die sofort entsteht, wenn man das Wort „Kirche“ hört. Zum Beispiel die Vorstellung, dass Kirche sich massiv und überall, auch in der Politik, für ihre ureigenste Aufgabe einsetzt: nämlich die massive Unterstützung der Armen und Hilfsbedürftigen. Ich bin überzeugt, dass die Kirche in der Rolle des Vermittlers viele Menschen gewinnen würde, die die immer größere soziale Spaltung unserer Gesellschaft bewusst wahrnehmen.

Dietrich Schilling, Hamburg

Musterschüler-Ruf ist ramponiert

9. Januar: Vielleicht könnte es etwas werden. Sondierer von CDU, CSU und SPD verhandeln weiter und geben sich vorsichtig optimistisch.

Wenn die beiden großen Volksparteien in Deutschland ihren früheren Marktanteil mehr als halbiert haben, kann die verbleibende Mehrheit der Anders- und Nichtwähler wohl mehr Demut erwarten, als dass in einer erneuten GroKo der verbliebene Wähler-Bodensatz „bedient“ wird: Angela Merkel und ihre wechselnden Mannschaften hatten 13 Jahre Zeit, um die Klima- und Energiewende erfolgreich zum Ziel zu navigieren. Kohleverstromung gehört abgeschafft. Das weiß jeder. Totales Versagen bedeutet jetzt: Aufgabe der Ziele, Bank-rotterklärung der deutschen Leistungsfähigkeit und ein Skandal sondergleichen. Und eine Respektlosigkeit gegenüber dem Wählerwillen sowie vor allem nachfolgenden Generationen. „Nach uns die Sintflut“ – das ist doch längst schon Extrem-Wetter-Realität in vielen Regionen der Erde. Deutschlands Ruf als internationaler Klimaschutz-Musterschüler ist übel ramponiert, wenn es dabei bleibt. Die abgehalfterte SPD kommt nun noch mit der „Sozi-Mottenkiste“, will die Steuern für diejenigen erhöhen, die sowieso schon mehr als 80 Prozent der Einkommenssteuer bezahlen. Wie wäre es mit einer Verringerung und Umschichtung der Ausgaben, Rückzahlung von Schulden bei weiterhin sprudelnden Staatseinnahmen und Nullzinsen? Das alles ist nicht mehr gefragt, die Fortschreibung der Sozialen Marktwirtschaft, die unser Land erfolgreich gemacht hat, mit neuen, zeitgemäßen Attributen findet nicht statt.

Karl Eberhard Hunke, per E-Mail

Bedeutung von Pflichtbeiträgen

10. Januar: Werden die Beiträge zur Handelskammer nie abgeschafft?

Bei dieser Diskussion wird die generelle Bedeutung von Pflichtbeiträgen offensichtlich unterschätzt. Pflichtbeiträge sind nämlich eine wichtige Voraussetzung für die Unabhängigkeit einer Institution. Sie stellen sicher, dass sich die Institution nicht aus finanziellen Gründen nach Gruppeninteressen ausrichten muss. Mit der Freiwilligkeit von Beitragszahlungen, wie sie Herrn Bergmann vorschwebt, ist dagegen die Gefahr verbunden, dass sich die Kammer primär an den Geldgebern ausrichtet, weil diese ja sonst ihre Zahlungen einstellen könnten. Dabei sollte man nicht übersehen, dass die Kammer auch die Aufgabe hat, auch im politischen Raum die Interessen aller Mitglieder zu vertreten. Ein Beispiel hierfür ist das bei den derzeitigen Sonderungsgesprächen behandelte Recht auf Rückkehr aus der Teilzeit. Während Großunternehmen die beabsichtigten Neuregelungen gut umsetzen können, türmen sich hier für kleine Betriebe erhebliche Probleme auf. Darauf muss im politischen Entscheidungsprozess hingewiesen werden. Auf solche Informationen ist die Politik geradezu angewiesen. Wer liefert sie, wenn nur Großunternehmen als „große“ Beitragszahler auftreten?

Udo Kruse, Hamburg

Fehler in der Verkehrspolitik

10. Januar: Weniger Lärm: Tempo 30 auf sechs Haupt­stra­ßen

Der Hamburger Senat lobt sich ja immer gern selbst. Warum hat die Stadt Hamburg dann nicht bei den viel gelobten Straßensanierungen (insbesondere auf den Hauptstraßen) den sogenannten „Flüsterasphalt“ verbaut, wie es auf Autobahnen in der Nähe von Wohngebieten aus genau diesen Gründen für Schutz vor Lärm und weiteren gesundheitlichen Schäden bereits gemacht wird? Eine dumme Ausrede wird dem Senat bei dieser Frage ganz sicher wieder einfallen. Die Fehlentscheidungen ziehen sich wie ein roter Faden durch Hamburgs Verkehrspolitik. Denkt man an die tolle Busbeschleunigung, die jetzt gerade einmal bis zu drei Minuten Zeitersparnis auf der meist befahrenen Linie Europas zwischen Rathausmarkt und Burgwedel bringt, der „Metrobus-Linie 5“, abgesehen von den Millionen, die dafür ausgegeben wurden.

Bernd Weiher, per E-Mail

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