Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 5. Januar 2018

Argumente aus der Steinzeit

4. Januar: CDU: Aufstand der Kreis­chefs. Die mächtigen Vorsitzenden sind bei Postenbesetzung gegen Reißverschlussverfahren für Männer und Frauen

Ich habe den Artikel mit einem Mix aus Fassungslosigkeit, Wut und Fremdschämen aufgenommen. Antworten möchte ich darauf wie folgt: Die CDU-Kreischefs grüßen aus der Steinzeit – mit entsprechenden Argumenten. Eine Quote erhöhe die Qualität nicht. Ist denn Männlichkeit im Überproporz überhaupt ein Qualitätsmaßstab? Es gebe nicht genug Frauen, heißt es. So macht man die Henne-Ei-Thematik zum Totschläger, anstatt die Sache zu befördern. Die Quote würde von vielen Frauen selbst als Diskriminierung angesehen. Moment, von genau denen, die es angeblich gar nicht gibt? Wie jetzt? Wer kann denn bitte mal die Hamburger CDU-Männer ins dritte Jahrtausend integrieren?

Wolfgang Jurksch, Hamburg

Adipositas beginnt im Mutterleib

3. Januar: Kinder kämpfen gegen ihr Über­ge­wicht. Schon jeder zehnte Schulanfänger ist zu schwer und Zeitbombe dicke Kinder

Moby Kids ist ein sehr gutes Programm, aber manchmal ist der Kampf gegen die Pfunde vergeblich, weil wir genetisch anders programmiert sind. Die Epigenetik bestimmt zum großen Teil unser Körpergewicht: die Bienenkönigin wird nur durch Gelée royale größer und schwerer als die Arbeitsbiene, sie kann dieses Gewicht auch durch eine Diät nicht verlieren. Sie ist epigenetisch geprägt. Adipositas beginnt im Mutterleib, da muss man ansetzen. Es gibt gute Präventionsprogramme, sie sind zu wenig bekannt. Übergewichtige Kinder zu therapieren ist wie Rettungsringe in einen reißenden Fluss zu werfen, in dem die Opfer eines Schulbusunfalls gegen die Fluten kämpfen. Es ist notwendig, die ertrinkenden Kinder zu retten, aber wir müssen auch etwas tun, damit der Schulbus nicht in den Fluss fällt. Daher wurden übergeordnete Gesamtstrategien entwickelt, wie z.B. das „Netzwerk Gesund ins Leben“. Es ist angesiedelt im Bundeszentrum für Ernährung (BZfE) der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) und Teil des nationalen Aktionsplans „IN FORM – Deutschlands Initiative für gesunde Ernährung und mehr Bewegung“. International hat sich die „Joint Action on Nutrition and Physical Activity“ (JANPA) gegründet, die Präventionsprojekte auf europäischer Ebene evaluiert und koordiniert, in Hamburg gibt es das „STOPP Projekt“. Die Politik ist auf dem richtigen Weg, leider sind die Programme zu wenig bekannt. Therapie ist gut, leider manchmal ohne Erfolg, Prävention ist dringend notwendig.

Dr. med. Stefan Renz, Hamburg

Jeden Tag ein Löffel Lebertran

Meine Generation musste sich bewegen, wenn sie irgendwohin wollte. Da zu meiner Zeit (Jahrgang 1945) Autos ganz selten waren, mussten wir überall wo wir hin wollten, mit dem Fahrrad fahren. Damals war auch nicht alles zugebaut, Trümmergrundstücke und freie Flächen waren ausreichend vorhanden, um an vielen Orten Fußball spielen zu können und das haben wir auch reichlich genutzt. Wer wollte, konnte sich auch allen möglichen Sportvereinen anschließen. Der Schulsport auf den weiterführenden Schulen war zwar auch nicht der Burner, aber zwei Stunden in der Woche war die Regel. Die Qualität des Schulsports hing ganz eindeutig vom Sportlehrer ab. Er war mal besser, mal war er schlechter. Dicke Kinder waren eher die Ausnahme. Die Ernährung der Kinder war wesentlich einfacher, es gab einfach nicht soviel. Schon gar nicht das ganze süße Zeugs. Ich musste jeden Tag einen Löffel mit Lebertran essen. Hat mir offensichtlich nicht geschadet, immerhin habe ich die 1,90 Meter erreicht. Damals wie heute ist es die Sache der Eltern, dafür zu sorgen, dass ihre Kinder Sport treiben. Die Kunst liegt darin herauszufinden, an welcher Sportart die eigenen Kinder besonderen Spaß haben.

Hartmut Arnaszus, Grömitz

Vorbild Eltern

Der wichtigste Faktor für die Entwicklung der Kinder sind und bleiben die Eltern. Besonders in den ersten drei Lebensjahren sind sie prägend für die Zukunft ihrer Kinder. Die Eltern sind das erste Vorbild für ihre Kinder, ihr Verhalten entscheidet somit über ihr weiteres Leben. Auch den Spaß an Sport und Bewegung können sie am ehesten ihren Kindern vermitteln.

Wilfried Block, per E-Mail

Schulbehörde kümmert sich wenig

3. Januar: Flücht­lings­kin­der sind ungleich auf Schulen verteilt. Sozial belastete Gebiete sind überproportional betroffen

Gerade sozial stark belastete Gebiete weisen einen besonders hohen Anteil von Kindern mit Migrationshintergrund auf. Dort gibt es also eher Kinder, bei denen zuhause kein Deutsch gesprochen wird. Das fördert nicht gerade das Erlernen der deutschen Sprache, aber die Schulbehörde kümmert es wenig. Viele Flüchtlingskinder aus den Unterkünften um die Bahrenfelder Trabrennbahn wurden auf acht Luruper Schulen verteilt, dem Stadtteil im Hamburger Westen mit dem höchsten Migrationsanteil und dem niedrigsten Sozialstatus.

Harald Lübkert, per E-Mail

Schulbusse verteilen Kinder

Es ist eine grobe Fahrlässigkeit des Staates, wenn er nicht dafür sorgt, dass die Flüchtlingskinder gleichmäßig den Schulen zugewiesen werden. In Finnland zum Beispiel werden die Kinder mit Bussen gleichmäßig auf die Schulen verteilt. Das ist allemal billiger, als die Kinder in den Brennpunkten weiter hilflos zu unterrichten mit dem Ergebnis, dass diese Kinder in ihrer großen Mehrheit das Schulziel weit verfehlen und später dem Staat aufgrund der fehlenden Qualifikation zur Last fallen. Gerade in den ersten Klassen der Grundschule dürfen nicht mehr als zehn Prozent Flüchtlingskinder sein. Nur so bekommen diese Kinder eine Chance, die Sprache schnell zu erlernen und den Unterrichtsstoff zu verstehen.

Mike Peters, Buchholz

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