Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 3. Januar 2018

Gemeinsames Fundament fehlt

2. Januar: Merkel macht Druck: Schnell eine neue Große Koalition

Die potenziellen GroKo-Partner liegen unmittelbar vor der Aufnahme konkreter Sondierungen programmatisch weitestgehend über Kreuz. Es fehlt bisher das Eingeständnis aller Beteiligten, dass man eigentlich nicht miteinander kann, weil ein tragfähiges Fundament für eine gedeihliche Regierungsbildung fehlt. Alle Bestrebungen, sie dennoch in Betracht zu ziehen, wirken eher zwanghaft aufgesetzt und keinesfalls aufrichtig und schlüssig. Der baldige Abbruch der Gespräche wäre beileibe keine Überraschung, Neuwahlen blieben somit eine echte Option, wären ein echtes Stechen zwischen den Hauptkontrahenten, die wenig zueinander passen.

Thomas Prohn, per E-Mail

Gewaltige Sandwälle am Strand

2. Januar: Hoch­was­ser überspült den Strandweg bei Övelgönne

Der Strand ist seit Oktober praktisch wöchentlich von extrem vermehrtem Hochwasser überspült. Jeder kann sich die Veränderungen am Strand anschauen: Westlich der „Strandperle“ sind gewaltige Sandwälle entstanden. Insgesamt wurde so viel Sand aufgespühlt, dass die Graffitis an den Mauern jetzt zur Hälfte verdeckt sind. Die Hamburg Port Authority (HPA) hat tagelang versucht, mit schwerem Gerät den Sand zu verteilen, was inzwischen aufgegeben wurde. Ein Fahrradweg wäre längst ein teurer Trümmerhaufen.

Marianne Nissen-Grube, per E-Mail

Bahnhöfe sollen wirtschaftlich sein

30. Dezember: Bahnhof Altona darf gebaut werden. Eisenbahnbundesamt genehmigt Planfeststellungsunterlagen. Realisierung soll im Sommer 2018 starten

Die Bahn bemüht sich nicht um Schönheit, weil sie von der Bundesregierung den Auftrag erhalten hat, wirtschaftlich zu arbeiten. Dies ist logischerweise nun ihr wesentlicher Fokus, weshalb Bahnhöfe primär wirtschaftlich und praktisch sein sollen. Als Bürger erwarte ich vom Staat ein allgemeinwohlorientiertes Handeln und dann vielleicht auch mal schöne, repräsentative Gebäude, dem kommt jedoch die Bahn aufgrund dieses Konstruktionsfehlers nicht nach. Eine Lösung wäre, das Bahnnetz und auch die Bahnhöfe vollständig vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie aus zu verwalten und gleichzeitig politisch ein höheres Augenmerk auf eine Qualitätsverbesserung des Bahnnetzes inklusive der Bahnhöfe zu legen.

Stefan Tigges, Neustadt in Holstein

Gelingt so die Erneuerung?

Silvesterausgabe: Kam­mer­prä­ses Tobias Bergmann reicht Amts­vor­gän­gern die Hand. Versöhnliche Töne bei der traditionellen Jahresabschlussversammlung

Der neue Präses Bergmann war sprachlich bemerkenswert, inhaltlich bleiben deutliche Zweifel, ob wirklich mit dieser Besetzung Erneuerung gelingen kann. Wer so vielfach den „Dialog“ anbietet, sucht ganz offensichtlich Hilfe. Und wer so „Dynamik“ anmahnt und Vorschläge macht, die die Realität jüngster Entwicklungen vermissen lassen und von mäßiger Kenntnis der Entwicklung seit 1950 zeugen, dem ist man mit Sherlock Holmes geneigt, zuzurufen: „My dear Watson“. Hamburg konnte es sich nie leisten, sich in Selbstzufriedenheit zurückzulehnen, vor allem im Hafen, weil der Wettbewerb geografisch bevorzugt bleibt, und weil in der Ostsee und dem Mittelmeer Kapazitäten entstanden sind, die erhebliche Volumina abziehen. Darum ist es so wichtig, die in der Rede genannte „Loco-Ladung“ zu erhalten und auszubauen. Herr Bergmann hat zwar breit über Wissenschaftsförderung gesprochen, aber kein Wort zum Schulwesen, mit dem doch die Grundlage aller Zukunft geschaffen werden muss, und bei dem es an so vielem hapert.

Wolfgang Seuthe, per E-Mail

„Zeit“ ist ein kostbares Gut

27. Dezember: Die Zehn-Pro­zent-Glücks­rech­nung. Wir haben von vielem viel zu viel. Gucken Sie mal in Ihren Schränken nach. Ich hätte da einen Vorschlag

Hajo Schumacher hat Recht mit seiner „Zehn-Prozent-Glücksrechnung“. Man kann auch Zeit sparen und sie sinnvoller verwenden. Etwa als Spende für einen guten Zweck, um „die Welt effektiv netter“ zu machen. Vielleicht ist gerade der Jahreswechsel dazu angetan, sich des römischen Dichters Ovid zu erinnern. Er schrieb vor gut 2000 Jahren den Menschen ins Stammbuch: „Heimlich und hastig entrinnt uns unbemerkt flüchtig das Leben – schneller ist nichts als die Jahre. Wir aber dachten, es wäre noch soviel Zeit.“ Dies gilt unverändert auch heute noch. Deshalb ist es richtig, „Zeit“ als ideelles Gut in die „Zehn-Prozent-Glücksrechnung“ einzubeziehen und mit ihrer Hilfe unser Leben menschlicher zu machen. Vergessen wir das nicht.

Karl-Heinz Köpke, per E-Mail

Autobesitz ist Privatsache

28. Dezember: Zahl der Autos in Hamburg steigt deutlich an. In Hamburg sind 779.482 Kraftfahrzeuge unterwegs. Aber allein 2017 sind 225 Parkplätze weggefallen

Mich erstaunt immer wieder, mit welcher Selbstverständlichkeit öffentliche Flächen für Privateigentum zur Verfügung gestellt werden sollen und das natürlich kostenlos. Der Autobesitz ist aber Privatsache und damit eigentlich auch die Unterbringung derselben. Wenn jetzt knapp 780.000 Kfz in Hamburg zugelassen sind, hier aber über 1,8 Millionen Menschen leben, bedeutet dies ja, dass über eine Million kein Kfz besitzen. Dies werden natürlich vor allem Kinder, Jugendliche und ältere Menschen sein. Flächen sind in einer Großstadt wie Hamburg, insbesondere in der inneren Stadt, nun einmal nur begrenzt vorhanden und diese sollten dafür genutzt werden, die Stadt lebenswert für alle zu erhalten und nicht als Abstellfläche. Der Mensch sollte aber immer vor dem Auto den in einer Stadt begrenzt zur Verfügung stehenden Raum nutzen können.

Susanne Faltin, per E-Mail

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