Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 16. Dezember 2017

| Lesedauer: 5 Minuten

Trauriger Bericht

14. Dezember: ,Ich darf Mama nicht mehr sehen, warum ist das so? Zehn Jahre lang wuchs Linos (13) bei seiner alleinerziehenden Mutter auf. Dann erhielt der Vater das Sorgerecht‘

Beim Lesen des Artikels kamen mir die Tränen. Ich bin selbst alleinerziehende Mutter einer 13-jährigen Tochter und fassungslos, wie „zum Wohle des Kindes“ entschieden wurde. Es macht mich einfach nur traurig, sprachlos und wütend zu lesen, wie in unserem Land mit Kindern umgegangen wird. Es ist doch ganz klar, dass der Junge seine Mutter braucht. Welcher Junge braucht nicht seine Mutter, gerade in diesem Alter? Er hat es doch auch selbst ausdrücklich gesagt. Stattdessen wird er wie ein Stück Ware von einem zum nächsten Heim gereicht. Ich hoffe sehr, dass er wieder zu seiner Mutter zurückkehren darf, damit sein Leben nicht noch mehr zerstört wird. Wer wird hier zur Verantwortung gezogen? Mal wieder niemand. Schockierend.

Maren Imhof, per E-Mail

Bindungsabbrüche machen krank

Dieser Artikel zeigt deutlich, dass unser Familienrechtssystem hinkt. Es geht nicht mehr um unsere Kinder, sondern nur noch um Macht und Willkür. Wenn es der Seele des Kindes gut geht – das bezeichnen die Betroffenen der Selbsthilfegruppe „Entsorgte Eltern und Großeltern - Lüneburg“ als Kindeswohl. Das Leiden der Kinderseelen, aufgrund des Verlustes geliebter Menschen, ist den meisten Familienrichtern und dazugehörigen Professionen vollkommen egal. Es werden nach einer Inobhutnahme sogar Geschwister untereinander getrennt. Krankmachende Bindungsabbrüche werden billigend in kauf genommen, obwohl unsere Bindungsforscher dringend davor warnen. Auch auf diese Art und Weise kann man eine Gesellschaft zerstören.

Dorette Kühn, Geesthacht

„Kindeswohl“ – nur eine Worthülse

Man kann es nur als „brutal“ bezeichnen, wie in Heimen und bei Pflegeeltern der Kontaktwunsch zwischen Kindern und ihren leiblichen Eltern oft menschenunwürdig unterdrückt wird. Auch hier steht ganz zu Beginn die Weigerung der Institutionen, die Beziehung des Kindes zu beiden Eltern zu fördern. Hätte man der Vater-Kind-Beziehung damals eine Chance gegeben – der Vater hatte ein offensichtliches Interesse daran – wäre dem Kind die katastrophale Heimkarriere erspart geblieben. Die Ausgrenzung und Entfremdung von Elternteilen mit einem sogenannten „Kindeswohl“ zu begründen, ist weit verbreitet – bei Trennung ebenso wie bei Inobhutnahme. Der inflationär gebrauchte Begriff Kindeswohl verkommt dabei zu leeren Worthülse.

Johannes Zink, Interessenverband Unterhalt und Familienrecht e.V., Hamburg

Ohne Rücksicht weiterwachsen

14. Dezember: Kommt die Elb­ver­tie­fung? Gericht berät über letzte Klagen

Es ist immer wieder dieselbe Leier: Da wollen einige an sich schon riesige und marktbeherrschende Reedereien „auf Deubel komm raus“ und ohne Rücksicht auf Mensch und Natur weiterwachsen. Zur Kostenersparnis brauchen sie größere Schiffe mit entsprechendem Tiefgang und wenig Personal. Die Zeche für die Elbvertiefung und den Schutz der Elbanlieger in Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Hamburg begleichen die Steuerzahler. Tellerrand-Denken und Wachstumsfetischismus werden Umwelt und uns Menschen ruinieren, wenn wir nicht erkennen, dass wir uns zu Tode wachsen.

Eckard Wendt, Stelle

Die „Alten“ müssen verzichten

13. Dezember: Erzbistum in der Schul­den­falle

Wenn Unternehmensberater so einfach fordern, katholische Schulen, die zu den Besten gehören, zu schließen, weil Pensionsverpflichtungen geleistet werden müssen, muss dieses Tabuthema mutig angegangen werden. Dieses Besitzstandsdenken der Alten ist nicht mehr zu vertreten. Die heutige Schülergeneration hat absoluten Vorrang vor den hohen Pensionen der Alten. Als Rentnerin warne ich vor dem berechtigten Kampf der Jungen gegen die in allen Bereichen explodierenden Kosten für die Alten.

Antje Netz, Hamburg

Kaum noch Parkplätze

9./10. Dezember: Hamburg will schneller bauen

Das neue Zauberwort in Hamburg heißt „Wohnraumverdichtung“. Auch wir sind inzwischen negativ davon betroffen. Seit über 50 Jahren wohnen wir in unserem Stadtteil Wandsbek-Gartenstadt in einer Straße, in der mittlerweile so gut wie keine Parkplätze mehr vorhanden sind. Gebäude mit zwei Etagen wurden aufgestockt. Nun wird in unserer Wohnstraße ein Parkplatz mit 27 Stellplätzen im nächsten Jahr aufgelöst. Auch wir werden also unseren Pkw-Stellplatz nach vielen Jahren verlieren. Es entstehen aufgestockt 15 neue Wohnungen und auf dem bisherigen Parkplatz entsteht ein neuer Wohnblock, mit Tiefgarage für die neuen Mieter. Damit ganz klar ist: Bezahlbarer Wohnraum ist eine absolute Notwendigkeit. Aber eine bürgernahe Politik sieht anders aus.

Hannelore u. Dieter Moldenhauer, per E-Mail

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