Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 10. November 2017

| Lesedauer: 6 Minuten

Herr Kühne, das geht zu weit!

9. November: HSV in der Zwickmühle. Der Kühne-Knall - und jetzt?

Die Forderung von Klaus-Michael Kühne nach Kompetenz und Managerqualität in der Führungsebene des HSV ist nachvollziehbar und richtig. Jede AG braucht eine kompetente Führungsebene. Doch durch die Androhung, möglicherweise den Geldhahn zuzudrehen, überschreitet Herr Kühne deutlich eine Grenze. Das geht zu weit. Der HSV sollte auf Distanz zu ihm gehen – andernfalls macht sich der HSV erpressbar.

Thomas Köpke, Itztedt

Der Verein muss sich bewegen

Dass die Geduld von Herrn Kühne nicht endlos ist, kann nicht überraschen. Die Misere des HSV ist seit Jahrzehnten bekannt. Gleichzeitig hat sich der Profifußball in den vergangenen Jahren dramatisch entwickelt. Wenn der HSV in Zukunft im Europäischen Fußball mitspielen will, müssen die finanziellen Voraussetzungen vorhanden sein. Hierzu gehört, dass die HSV-AG bis zu 50 Prozent des Kapitals anbietet. Wenn Herr Kühne für seinen 20-Prozent-Anteil bereit gewesen ist, 100 Millionen Euro zu investieren, müsste es möglich sein, für weitere 30 Prozent, Investoren zu finden, die bereit sind, 150 Millionen anzulegen. Das kann in Form von Wandelanleihen oder Vorzugsaktien geschehen, die derzeit zu besonders günstigen Konditionen platziert werden können. Mit diesem Geld könnten fünf bis sechs gute Spieler gekauft werden und somit die Spielstärke der Mannschaft stark verbessert werden. Der Verein, mit seinen Fans, Mitgliedern, Vereinsführung und Aufsichtsrat, muss sich bewegen, sonst wird der HSV aus der Bedeutungslosigkeit nicht herauskommen.

Horst Knaudt, Hamburg

Strategischen Partner finden

Herr Kühne, es reicht! Wie lange muss, kann und will sich die HSV Fußball AG diesen Geschäftsmann, „Gönner und Fan“ noch leisten. Herr Kühne hat das Konzept HSV-Plus unterstützt, vorangetrieben und somit die Ausgliederung und damit seine finanzielle Spielwiese geschaffen. Mit Herrn Kühne gab es nie eine klare, kalkulierbar finanzielle Linie. Nur wenn es ihm gefiel und oft sehr spät, öffnete er seine Schatulle und ist damit auch verantwortlich für übermäßig hohe Ausgaben. Das Konzept HSV-Plus ist bis jetzt gescheitert. Wahrscheinlich müssen wir Mitglieder auf der nächsten Jahreshauptversammlung weitere 24 Prozent Anteile absegnen. Ich werde wohl einen entsprechenden Antrag einbringen. Damit könnte man dann erneut einen Versuch starten und endgültig einen strategischen Partner finden. Herr Kühne: Demütigen sie nicht länger die handelnden Personen, Mitglieder, Fans und damit unseren HSV.

Ulrich Becker, per E-Mail

Fortschrittlicher Staat

9. November: Das dritte Ge­schlecht. Das Bundesverfassungsgericht hat ein bahnbrechendes Urteil gesprochen

Wieder einmal ist der Staat – entgegen aller Vorurteile – fortschrittlicher als die Privatwirtschaft. Wie schon bei der Quotierung von Führungsgremien und bei der Formulierung von Stellenanzeigen geht er voran mit der Gleichstellung aller Menschen und der Nichtdiskriminierung von Geschlechtern. Schon bald wird es voraussichtlich keinen Eintrag „männlich/weiblich“ im Geburtenregister oder Personalausweis geben. Aber wann werden die „Damen“- und „Herren“-Abteilungen in den Kleider- und Schuhgeschäften zu Unisex zusammengelegt? Viele Frauen kaufen gerne Klamotten, die als „Männerkleidung“ gekennzeichnet sind, aber wenige Männer trauen sich in die Frauenabteilung, wo sie andere Farbvariationen als die Wahl zwischen grau und dunkelblau finden. Wer wird bei der Abschaffung der Zweiteilung der Menschheit vorangehen?

Michael Rothschuh, Hamburg

MINT-für-Mädchen-Gruppe

8. November: Mädchen un­ter­schät­zen sich in Mathe. Bei gleichen Leistungen haben Jungen mehr Vertrauen in ihr Können

Wie den Mädchen die Welt der Technik und Naturwissenschaften schmackhafter gemacht werden kann, darüber wird seit den 70ern gegrübelt. Seit Kurzem baue ich bei uns an der Stadtteilschule eine MINT-für-Mädchen-Gruppe auf. Wir wollen so den Mädchen der Mittelstufe durch Exkursionen und Besuche diese Welt näher bringen als dies oft im Schulalltag möglich ist. Wir sind kein Gymnasium, viele Schülerinnen verlassen die Schule nach der zehnten Klasse und wählen deshalb später kein entsprechendes Oberstufenprofil. Viele entscheiden sich später für den „typischen Frauenberufsweg“, einige entdecken jedoch Neues. Leider ist es oft sehr mühsam, Kontakte in Wissenschaft und Wirtschaft aufzubauen. Einige Firmen sind uns und unserem Anliegen gegenüber sehr aufgeschlossen. Einigen Bundesinitiativen sind wir noch nicht einmal eine Antwort wert.

Petra Nelke, Hamburg

Gelungener Umbau

6. November: Die preisgekrönte neue Osterstraße. Der Umbau der Geschäftsstraße kostete acht Millionen Euro. Nicht nur der Senat ist begeistert

Ich finde die „neue“ Osterstraße sehr schön, der Umbau ist rundum gelungen. Sehr viel Platz für die Fußgänger, aufgelockert durch Beete mit Pflanzen und Bäumen sowie Bänke. Wo ist der völlig überdimensionierte Radweg? Es gibt auf jeder Fahrbahnseite einen eher schmalen Radfahrstreifen auf der Fahrbahn. Zu erreichen ist die Osterstraße auch für Nicht-Anwohner sehr gut: Die U2 hält sozusagen mittendrin, außerdem fährt dort der Metrobus 4 und unten an der Kreuzung Schulweg die Metrobusse 20 und 25. Man muss heute nicht mehr mit dem Auto quasi direkt bis an die Ladentheke fahren. Das ist nicht mehr zeitgemäß. Es ist meistens so, dass die Leute erst meckern bei solchen Umbauten, oder wenn gar eine Straße zur Fußgängerzone wird. Erst später merken sie, wie viel dadurch für alle gewonnen wird (siehe Spitaler Straße und Colonnaden).

Thomas Albrecht, Hamburg

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