Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 11. Oktober 2017

| Lesedauer: 5 Minuten

Wohnungen dezentral belüften

10. Oktober: Stadt soll an Haupt­stra­ßen wachsen. Zehntausende Wohnungen könnten entstehen

Der Vorschlag ist zu begrüßen. Aber er sollte unter aktuellen bautechnischen Standards verwirklicht werden. Bereits vor mehreren Jahren hatte die Stadtentwicklungsbehörde eine Broschüre zur Belüftung von Wohnungen unter Bezug auf realisierte Projekte veröffentlicht. Danach sind dezentrale Wohnungslüftungen effektiv. Sie bieten Schallschutz und bei Ausrüstung mit geeigneten Filtern auch Staubschutz. Inzwischen dürfen Reversierlüfter mit Wärmerückgewinnung als technisch optimal und kostengünstig angesehen werden. Warum Wohnungswirtschaft und Gesetzgeber nur zögerlich reagieren, ist mir seit über zehn Jahren ein Rätsel. Bei vernunftgesteuerter Verringerung der Wandstärken (Dämmstärken) treten keine Energieverluste auf. Es wird aber mehr Wohnfläche geschaffen. Größtes Einsparpotenzial bieten Schaltungen, die bei geöffnetem Fenster die Heizung abstellen. Auch dazu liegen Veröffentlichungen vor.

Hans-Jörg Herrmann, Henstedt-Ulzburg

Menschenverachtendes Wohnen

Wie menschenverachtend muss man sein, wenn man Wohnungen für Menschen an Hauptverkehrsadern bauen will, wo es am lautesten und von der Luft her am schmutzigsten ist? Sicherlich werden da ja auch Kinder wohnen. Vom Stadtbild ganz zu schweigen, wenn Herr Duge die bisherigen, sympathischen ein- bis dreigeschossigen Bauten gegen Massensiedlungen tauschen möchte.

Christian A. Hufnagl, Hamburg

U-Bahn löst die Probleme nicht

9. Oktober: SPD forciert Ausbau von U- und S-Bah­nen. 100 Kilometer Strecke in Planung

„Bund hilf“ – so könnte man das Ergebnis der SPD-Klausurtagung zusammenfassen. Vielleicht lässt Bürgermeister Scholz damit aber auch einen „Schuldigen“ aufbauen, wenn den Bürgern bewusst wird, was 100 Kilometer Schnellbahn kosten. Und ohne umfangreiche Bundesmittel dürften diese Planungen ins Leere gehen. Aber warum soll der Bund Hamburg den Luxus einer U5 finanzieren? Einer U-Bahn, die von Scholz erkoren wurde, um die Stadtbahnplanungen begraben zu können, die aber bestehende Probleme nur in Teilen löst. Seit fast sieben Jahren hören die Hamburger vom Bürgermeister, was er alles für Hamburg bauen möchte. Aber Ankündigungen bringen Fahrgästen in tagtäglich überfüllten und unpünktlichen Bussen wenig. Hätte Scholz die Stadtbahn nicht verhindert, gäbe es heute für den Bruchteil der Kosten einer U-Bahn erste leistungsfähige Schienenverbindungen, die innerhalb der Stadt den „Ruf nach mehr“ auslösen würden.

Lutz Achilles, per E-Mail

Fahrradstadt ohne Fahrräder?

9. Oktober: Weniger Straf­ta­ten in Hamburg. Polizei-Konzept geht auf

Der Fahrraddiebstahl soll um 21,5 Prozent zurückgegangen sein. Diese Zahl muss interpretiert werden: Zunächst werden Fahrraddiebstähle bei der Polizei gar nicht mehr angezeigt, es sei denn, es besteht ein Versicherungsschutz. Eine Verfolgung findet ja nicht statt. Weiterhin haben viele Hamburger aufgegeben, ein Fahrrad zu besitzen. Mein letzter Versuch, nach mehreren Jahren in diesem Sommer wieder ein eigenes Fahrrad zu fahren, währte zwei Wochen, danach wurde auch dieses Rad, wie alle zuvor, gestohlen. Im Kiosk um die Ecke kann man erfahren, dass sich alle zwei Tage ein Nachbar beschwert, dass schon wieder ein Fahrrad gestohlen wurde. Vorschläge meiner Kollegen, ein „Lock-Rad“ zu kaufen und eine Kamera zu installieren, um so die Täter zu fassen, zeigt, wie wenig Vertrauen in die Präventionsarbeit der Polizei gegen Fahrraddiebstahl vorherrscht. Hamburg will eine Fahrradstadt werden? Ohne Fahrräder wird das schwer.

Dagmar Walter, per E-Mail

Keine Pornos zur Abendbrotzeit

9. Oktober: Wie hart darf ein ,Tatort‘ sein? Der Münchner Fall ,Hardcore‘ steht wegen Porno-Details in der Kritik

Diesen Film für Kinder ab 12 Jahren freizugeben, ist absolut unverantwortlich. Was will man denn damit erreichen? Wer sich Pornos angucken will, kann das ja gern tun, aber ich muss doch nicht direkt nach dem Abendbrot durch das Fernsehen dazu gezwungen werden. Das gehört nicht in die öffentlich-rechtlichen Anstalten. Was sollen denn Kinder, deren Eltern vielleicht am Sonntagabend nicht zu Hause waren, und die sich unbedarft diese Sauerei ansehen, bloß denken? Sind wir mittlerweile so liberal geworden, dass es keinerlei Tabus mehr gibt? Kinder und Jugendliche müssen vor solchen Filmen geschützt werden, und ich auch.

Monika Möller, Henstedt-Ulzburg

Hilfe in schlimmen Situationen

7. Oktober: Der neue See­len­trös­ter des Abendblatt-Vereins ,Kinder helfen Kinder‘ heißt Fiete

Mit Begeisterung habe ich den Artikel über den neuen Seelentröster Fiete gelesen. Wie Seelentröster Kindern über eine schlimme Situation hinweghelfen können, habe ich selbst erlebt: In der Schule, in der ich als Schulsekretärin gearbeitet habe, hatte sich ein kleines Mädchen aus der Vorschulklasse den Daumen in der Klassentür gequetscht. Die Kleine war erst wenige Wochen in Deutschland, kam aus Kasachstan und verstand unsere Sprache noch nicht. Ich bestellte den Krankenwagen und fuhr mit. Im Krankenwagen bekam sie einen weißen Teddy in den Arm gedrückt, den sie nicht wieder los ließ. Am nächsten Tag erzählte mir die Mama, dass die Kleine noch nie einen Teddy besessen hätte und ihn einfach nicht aus dem Arm legen wollte. Der Daumen wurde im Krankenhaus genäht und der Teddy-Seelentröster hat geholfen, diesen Schrecken gut zu überstehen. Ich hoffe, dass auch Fiete vielen Kindern ein guter Tröster sein wird.

Karin Steinhagen-Steffen, per E-Mail

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