Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 13. September

Soll ich jetzt Othello heißen?

11. September: Ras­sis­mus-Vor­wurf – Moh­ren­kopf­torte umbenannt

Wir heißen seit Generationen mit Nachnamen Mohr und haben sogar ein Familienwappen. Müssen wir nun unseren Namen auch umändern lassen, weil er nicht mehr „zeitgemäß“ ist und ­vielleicht Othello heißen? Es ist einfach lächerlich.

Claudia Mohr, per E-Mail

Rasssimus im Kopf verankert

Rassismus ist im Kopf verankert und lässt sich durch eine Umbenennung von Begriffen oder Tortennamen ganz sicher nicht ändern. Warum muss man alles immer übertreiben ?

Derk Langkamp, per E-Mail

Eiferer und Wichtigtuer

Eine rassistische Marzipantorte – ja geht’s denn noch? Es gibt nichts Schlimmeres als politisches Eiferertum und Wichtigtuerei gepaart mit Dummheit. Dass das Wort Mohr von den Mauren, französisch maures, italienisch mori, herrührt, den Angehörigen jener nordafrikanischen Berberstämme, die mehrere Jahrhunderte lang über Teile der Iberischen Halbinsel und Nordafrikas herrschten, übersteigt wahrscheinlich das Wissen und die intellektuelle Kapazität jener Lehrerin, die den Namen der Torte beanstandet hat. Und dass eine Traditionsfirma wie Niederegger so opportunistisch ist, diesem Unsinn zu folgen, ist ein Trauerspiel. Ich schlage vor, dass alle Deutschen mit dem Familiennamen Mohr ihren Namen ändern lassen, ebenso alle Auguste und Jean Maure in Frankreich und die Moros in Italien, das Land Mauretanien sollte sich in Südseekönigtum umbenennen und die Korsen „la tête de Maure“ aus ihrem Wappen entfernen. Gepriesen sei die Souveränität des Nigerianers Andrew Onuegbu, der in Kiel das Gasthaus „Zum Mohrenkopf“ betreibt.

Wolfgang Brocks, Geesthacht

Demokratie muss das aushalten

11. September: Wie mit der AfD ­umgehen?

Oder anders gesagt, wie mit dem Willen der Wähler umgehen? Wie, wenn nicht anders als respektvoll? Ist die AfD eine Partei mit rechtsradikalem Gedankengut und voller Nazis und Neo-Nazis, die unsere freiheitlich-demokratische Grundordnung abschaffen will, dann gehört sie schlicht und einfach verboten. Steht sie aber zur Demokratie, zu Recht und Gesetz, dann hat man den Wählerwillen zu respektieren. Dies schließt alle Rechte, Pflichten und Ämter im Parlament für die Politiker der AfD ein. Unsere Demokratie wird dies schon aushalten. Eine Demokratie ist immer nur so gut, wie sie mit Minderheiten umgeht.

Heinrich Czernohous, Oststeinbek

Falscher Eindruck erweckt

8. September: Wenn sich die Mieterschaft zu stark verändert. Alexander Wolf (AfD) über einen Hamburger, der sich in seiner Wohnanlage nicht mehr wohlfühlt

Als unmittelbare Nachbarin der Wohnanlage Grandweg/An der Lohbek und als Helferin der ersten Stunde muss ich mich zu Wort melden, weil der Artikel über die Entwicklung der Wohnanlage einen falschen Eindruck erzeugt. Wenn es die Flüchtlinge nicht gegeben hätte, hätten die Altbewohner der Anlage schon längst ihre Wohnungen verlassen müssen, denn der Eigentümer wollte die Anlage sanieren. Nur durch die Anmietung der leer stehenden und werdenden Wohnungen durch die Stadt können die Altmieter bis heute dort wohnen.

Helena Peltonen, Lokstedt

Hoffen auf Sammelklagen

9./10. September: ,Zum Schutz des Grüns sollten wir mehr in die Höhe bauen‘. Umweltsenator Jens Kerstan plädiert dafür, Wohngebäude aufzustocken

Die Menschen bekommen „einen Anspruch auf die Reinigung der Straße vor ihrer Haustür“? Momentan zahlen wir (übrigens für ein Einzelhaus unweit einer Ausgehmeile, das es laut Senator Kerstan eigentlich gar nicht gibt) Gehwegreinigungsgebühr. Die müsste der Senatorenlogik zufolge einen Anspruch auf die ­Reinigung des Gehwegs vor unserer Haustür verbriefen, laut Wegereinigungsverzeichnis sogar zweimal wöchentlich. Doch was bekommen wir dafür? Alle paar Wochen kratzt ein Mitarbeiter der Stadtreinigung zwischen parkenden Autos lustlos im Rinnstein herum und „entfernt“ festgefahrenes Laub in Richtung Fahrbahn, das sein Kollege mit dem Kehrwagen von der Straße bürstet, so gut es eben geht. Von sehr sporadischen Ausnahmen abgesehen, wenn das kleinste Kehrwagenmodell eingesetzt wird und auch mal über den Gehweg fährt, ist die Straße hinterher sauber, der Gehweg aber genauso schmutzig wie vorher. Wenn also für die Gehwegreinigungsgebühr die Straße gereinigt wird, wird dann die Straßenreinigungsgebühr endlich für saubere Gehwege sorgen? Das wird wohl ein Traum bleiben, aber die neue Gebühr dennoch kassiert. Ich hoffe auf Sammelklagen.

Kurt Rehkopf, Eimsbüttel-Süd

Berührende Reportage

9. /10. September: Ein Tag als ...
Er­zie­he­rin

Was für eine gelungene Reportage. Sie haben mir mit jedem Satz aus der Seele gesprochen, manche Formulierungen haben mich tief berührt. Ich war jahrelang als Erzieherin tätig, es lastet eine ungeheure Verantwortung für die kleinen Menschen täglich auf den Schultern dieser Berufsgruppe. Man investiert so viel Liebe und Fürsorge und bekommt ganz viel von den Kindern und Eltern an positivem Feedback zurück, aber es bedeutet gleichzeitig einen enormen Raubbau an den eigenen Kräften, sowohl seelisch als auch körperlich. Ich habe deshalb mit 50 Jahren das Handtuch geworfen und arbeite jetzt in einem Theater, was mich glücklich macht. Dabei kann ich auf Erfahrungen zurückgreifen, die mir auch im Umgang mit Erwachsenen nützen, z. B. zuhören zu können, sich kümmern und viel, viel lachen.

Claudia Hausberg, Aumühle