Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 8. September 2017

| Lesedauer: 6 Minuten

Weiterbildung ohne Sinn

7. September: Mehr Hilfe auf dem Weg in Freiheit. Neues Gesetz soll die Resozialisierung von Straftätern verbessern

Das derzeit praktizierte Übergangsmanagement in den hiesigen Justizvollzugsanstalten ist in jeder Hinsicht als desaströs zu bezeichnen und dient letztlich nur der Arbeitsbeschaffungsmaßnahme von Sozialpädagogen externer Träger. So werden den Gefangenen völlig sinnbefreite Weiterbildungsmaßnahmen von Bildungsträgern vermittelt, für die das Übergangsmanagement oftmals auch noch eine Provision bekommt. Wohnungen werden überhaupt nicht vermittelt, sondern allenfalls Formulare für einen Dringlichkeitsschein ausgegeben. Und der Gefangene muss dafür auch noch unterschreiben, dass er gut „betreut“ worden ist, damit die Gelder durch den Europäischen Sozialfond sichergestellt sind. Das alles dient nur einer Alibifunktion, die zukünftig gesetzlich verankert werden wird.

Mark Müller, per E-Mail

Provinzflughafen Hamburg

6. September: Air­port-Mit­ar­bei­ter beklagen Über­las­tung – Brief an Scholz

Zu dem Artikel passt die Erfahrung meines Fluges am vergangenen Dienstag nach Budapest. Schon im Terminal war ich über die lange Schlange am Germanwings-Schalter verwundert. Diese zog sich in Schlangenlinie durch das gesamte Terminal 2. Nach einer Stunde war ich dann endlich zum Schalter vorgedrungen, die Zeit hatte ich so eigentlich nicht eingeplant. Ich kam aber just in time am Gate an. Nachdem das Boarding abgeschlossen war, meldete sich der Pilot aus dem Cockpit. Der Abflug werde sich verzögern, da kein Personal zum Einladen des Gepäcks da sei. Erfreulicherweise sei jedoch zu vermelden, dass das Gepäck der vorherigen Gäste inzwischen ausgeladen ist. Ich mag gar nicht an meinen morgigen Rückflug denken. Ich möchte nicht um 20 Uhr 45 noch zwei bis drei Stunden auf mein Gepäck warten müssen. Der Hamburger Flughafen kann aus meiner Sicht nicht mal mehr mit einem Provinzflughafen mithalten. In Budapest waren zeitgleich drei Flieger angekommen. Bereits nach zehn Minuten setzte sich das Gepäckband in Bewegung.

Thomas Krieger, per E-Mail

Karl Marx in St. Michaelis

6. September: Karl-Marx-Stadt Hamburg

Zu den im Artikel aufgeführten Spuren von Karl Marx in Hamburg möchte ich eine weitere aus dem Michel hinzufügen. Am 14. Dezember 1850 fand in St. Michaelis durch Pastor Kramm die Taufe von Karl Friedrich Köttgen statt. Als Pate ist neben Friedrich Engels und Charlotte Paulsen und zwei weiteren auch Karl Marx verzeichnet. Lange konnte Marx das Patenamt an diesem Kind nicht ausüben, weil Karl Friedrich (sorgfältig wurden offensichtlich auch die Vornamen der vier männlichen Paten beachtet und das Kind nach ihnen benannt) bereits am 22. September 1851 verstarb. Recherchiert hat diese Spur Herr Knut Markuszewski für ein Buch über den Bevensener Pastor Justus Wilhelm Lyra und sein sozialdemokratisches Umfeld.

Alexander Röder, Hauptpastor St. Michaelis

Wo bleibt die Toleranz?

6. September: Bericht: Böh­mer­mann droht Merkel mit Klage

Man kann sich nur wundern. Jan Böhmermann, der für sich das Recht auf freie Meinungsäußerung mit seinem Schmähgedicht gegen Erdogan in Anspruch nimmt, droht Bundeskanzlerin Angela Merkel über seinen Anwalt mit einer Klage, falls diese ihre öffentliche Einschätzung nicht zurücknimmt. Hat Böhmermann vergessen, dass auch das Landgericht Hamburg in seinem Urteil große Teile des Schmähgedichts als ehrverletzend eingestuft hat und damit die Einschätzung der Bundeskanzlerin bestätigt hat? Offenbar wird das Recht auf freie Meinungsäußerung von Böhmermann mit zweierlei Maß gemessen. Es zeugt von wenig Toleranz, die Böhmermann für sich in Anspruch nimmt, wenn die nicht nur von Frau Merkel geäußerte Kritik an diesem unsäglichen Machwerk von Böhmermann auf die Stufe einer „öffentlichen Vorverurteilung“ gestellt wird.

Dr. Claus Rabe, per E-Mail

Freie Bürger entscheiden selbst

5. September: Neuer Höchststand bei Verkehrsunfällen. Zahl der betroffenen Kinder steigt im ersten Halbjahr 2017 um fast neun Prozent

Die Entwicklung im ersten Halbjahr scheint, auch wenn die Polizei verständlicherweise noch keine Ganzjahresanalyse vornehmen kann, natürlich sehr bedauerlich zu sein. Aber wieso macht der CDU-Verkehrspolitiker Dennis Thering den Hamburger Senat für den Anstieg verantwortlich? Will er mir als freien Bürger etwa das Recht auf eigene Entscheidung absprechen, Ampeln auch noch bei Rot zu passieren, am Steuer zu telefonieren, als Fußgänger oder Fahrradfahrer auf mein Handy statt auf die Straße zu gucken, mein Auto trotz durchgezogener Linie zu wenden oder die Geschwindigkeit frei zu wählen? Das entscheide ich alles noch selbst und nicht der Hamburger Senat! Oder? Ach so, er meint nicht mich als freien Bürger, sondern als Wähler. Na denn stimmt ja seine Logik, oder?

Wolfgang Becker, Hamburg

Eltern haben Vorbildfunktion

Die steigenden Unfallzahlen in Hamburg liegen vielmals auch an der anscheinend mangelnden Erziehung durch die Eltern. Auch das Vorleben einiger Erwachsener lässt manchmal arg zu wünschen übrig. Das habe ich erst heute Morgen um kurz nach sechs selbst wieder erlebt. Ein Fahrradfahrer ohne Licht, ein Fahrradfahrer mit überdimensionalen Kopfhörern auf den Ohren. Leider sind, soweit mir bekannt ist, morgens und auch abends während dieser Zeit gerade immer die Schichtwechselzeiten auf den Polizeiwachen und daher wird es leider auch hierzu kaum Kontrollen geben, obwohl es gerade jetzt im Herbst morgens in der Dämmerung sehr angebracht wäre.

Holger Karstens, Hamburg-Ottensen

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