Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 25. Juli 2017

Sport ist nicht zielführend

24. Juli: Schon jedes fünfte Hamburger Kind hat Ge­wichts­pro­bleme. Immer mehr Schul­an­fän­ger wiegen zu wenig. Jeder Zehnte ist zu dick

Über- und Untergewicht bei jungen Menschen ist eine Katastrophe, um die sich die Politik jahrelang nicht gekümmert hat. Der Schrei nach mehr Sport ist ebenso reflexhaft wie nicht zielführend. Die Studien sagen etwas anderes: Sport ist leider nur der "kleine Bruder der Gewichtsabnahme". Für eine Rosinenschnecke müsste man 90 Minuten intensiv Sport treiben. Und: Dicke Kinder sind nach der Pubertät fast nicht mehr zu therapieren. Ihr Schicksal mit verkürzter Lebenserwartung und Krankheit ist damit nahezu besiegelt. Die Gesellschaft schaut diesem Elend tatenlos zu. Kinder lernen am Modell der Eltern. Bei einer wirksamen Adipositastherapie der Erwachsenen nehmen die Kleinen gleich mit ab. Aber genau da versagen Politik und Kassen: Betroffene haben einen hohen Eigenanteil bei den Kosten der Therapie, den sich gerade sozial Schwache oft nicht leisten können. Die Verlagerung des Themas auf den Schulsport und die Bewegung ist sachlich nicht richtig und dient mal wieder als Alibi für Untätigkeit.

Dr. Matthias Riedl, per E-Mail

Die Flora hat Legitimation verloren

22./23. Juli: Was soll aus der Roten Flora werden? Hamburger Pro­mi­nente haben in­ter­essante Ideen. In einem sind sich alle einig: Mit der Gewalt muss Schluss sein

Wie kann es sein, dass die Fraktionsvorsitzenden der "Linken" ernsthaft über die Frage streiten wollen, wem die Stadt Hamburg gehört? Diese Frage ist eindeutig geklärt, denn diese Stadt gehört den Bürgern. Punkt! Nach dem Anschlag vermummter Gewalttäter auf die Bürgergesellschaft Hamburgs haben der Organisator von "Welcome to Hell" und der juristische Vertreter der Roten Flora versucht, diese Gewaltorgie in unverantwortlicher Weise zu relativieren. Damit hat die Flora jede Legitimation verloren, "als Ort politischer Diskussionen und des politischen Widerstands (...)" zu fungieren. Es kann nicht sein, dass linke "Aktivisten" das Gewaltmonopol des Staates ungestraft infrage stellen können, und trotzdem weiterhin von Persönlichkeiten der Stadt mit so hehren Prädikaten bedacht werden. Wir leben hier weder in Russland noch in der Türkei oder anderen totalitären Staaten, wo solche Attribute vielleicht angezeigt wären. Es ist Zeit, das eigentlich schöne Gebäude einer gesellschaftlich tragfähigeren Nutzung zurückzugeben.

Thomas Reuter, Hamburg

Szeneplatz mit Brunnen

Am dringendsten benötigt die Schanze eine Quartiersgarage. Aber ob Parkhaus oder Kita – die Krawallmacher kommen wieder, wer wird da sein Kind mit ruhigem Gewissen abgeben mögen? Vermutlich nicht einmal ein Auto. Am besten und ungefährlichsten wäre ein runder Platz mit großem Brunnen – nach dem schönen Vorbild in der Rostocker Innenstadt. Von kleinteiliger Bebauung, Cafés und kleinen Lokalen umgeben, ein Szeneplatz, der auch Kleinkunst und Aktionskünstlern eine spontane Plattform bei gutem Wetter bietet.

Klaus-Peter Krueger, Hamburg

Nur eine Hand voll linke Gefährder

Es ist schon befremdlich, mit welcher Leichtigkeit Frau Suding und Herr Trepoll den Begriff des "gewalttätigen Linksextremismus" verwenden. Am Freitag, den 21.07.2017 hat der Präsident des Bundeskriminalamtes (BKA), Herr Münch, ein Interview zum Extremismus in Deutschland gegeben. Zur Zahl der linksextremistischen Gefährder hat Münch gesagt, diese könne man an einer Hand abzählen. Ich verstehe nicht, wie man angesichts dieser Zahlen des BKA eine Stimmung zu verbreiten versucht, als wäre der Rechtsstaat von links in Gefahr.

Heinz Pagel, per E-Mail

Unwahrscheinliche Theorie

22./23. Juli: Was ist ein Denkmal wert?

Sich für den Erhalt der grau-weißen City-Höfe auf den ehemaligen Oberbaudirektor Hebebrand zu berufen, ist für mich neu. Ich halte es indes für unwahrscheinlich, dass Hebebrand sich für die helle Farbe entschieden hat, weil der dunkle Backstein zuvor aus dem KZ Neuengamme kam. In den Bombenkriegsjahren 1942 bis 1944, in denen in Neuengamme die Backsteinproduktion lief, ist in Hamburg vermutlich kein einziges Haus aus den Neuengammer Steinen gebaut worden. Die hochtrabenden Pläne der Nazis über die Klinker-Produktion im KZ Neuengamme konnten trotz des Einsatzes hunderter KZ-Häftlinge unter menschenunwürdigen Bedingungen nie in der geplanten Form realisiert werden.

Niels Düsedau, per E-Mail

Tote Plätze wiederbeleben

20. Juli: Zukunftsforum: Wie wollen wir wohnen? Lassen sich viel Grün und bezahlbares Wohnen, Ruhe und eine gute Verkehrsanbindung miteinander vereinbaren?

Selbst bereits von Verdichtungsfolgen in Altona betroffen, begrüße ich die Initiative eines ressortübergreifenden Zukunftsforums unter Beteiligung zivilgesellschaftlicher Institutionen sehr. Problematisch sehe ich die im Artikel dargestellte Ansicht des Herrn Munzinger, der Drittelmix inklusive Sozialwohnungen treibe die Eigentumspreise in die Höhe. Zu Ende gedacht, befeuert das eine weitere Ausgrenzung der Nicht-Besserverdienenden, jungen Familien und Altersarmen, die den wohlverdienenden Leistungsträgern die Preise verdürben. Und lässt die wahren Ursachen der Preistreiberei außer Acht. Aus dem Herzen spricht mir hingegen Herr Brinkmann mit seiner Kritik an Hamburgs "toten Plätzen", wie ich sie nenne. Wunderbare Beispiele, wie aus solchen wieder Kommunikationsorte werden können, gibt das dänische, international tätige Architekturbüro Jan Gehl: Nachzusehen in dem ermutigenden Dokumentarfilm "The Human Scale" (2012). Selbst der Times Square in New York wurde von ihnen wieder zum Leben erweckt. Bauen mit menschlichem Maß – es geht.

Uta Percy, per E-Mail

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