Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 18. Juli 2017

Kann Schulz die Krise überwinden?

17. Juli: Schulz legt mit Zu­kunfts­plan nach. SPD-Kanzlerkandidat attackiert Merkel in der Europapolitik – und fordert eine staatliche Investitionspflicht

Mehr und mehr verwundern mich die Aussagen des Kanzlerkandidaten der SPD zu Europa. Ich teile seine Meinung, dass Europa in einer schweren Krise ist, und der Zusammenhalt dringend wieder verbessert werden muss. Aber wie soll das mit Herrn Schulz gelingen? Dieser war doch in Brüssel viele, viele Jahre tätig, zuletzt mehrere Jahre als Präsident des Parlaments. Es liegt doch die Vermutung nahe, dass, falls es Bemühungen seinerseits gab, diese erfolglos waren. Viel schlimmer ist doch noch die Tatsache zu sehen, dass er seine Aufgaben dort aufgegeben hat und nun glaubt, von Berlin aus als Heilsbringer wirken zu können. Unverständlich.

Peter Holk, per E-Mail

Der Provokateur wird beklatscht

15./16. Juli: Bitte nicht so empfindlich, Herr Bosbach

Leider ist es so, dass stets der Provokateur beklatscht wird – je flegelhafter er sich aufführt, desto mehr. Weshalb sollte sich ein ehrenhafter Politiker, der überdies seinen Rückzug aus dem Geschäft schon erklärt, sich mit dieser ungezogenen Person Jutta Ditfurth noch groß auseinandersetzen? Einem Foul an Boateng würde sogleich der Schiedsrichter entgegentreten. Das hat, auf ihrem Feld, Schiedsrichterin Maischberger zwar zunächst auch versucht, diese Fairness-Anwandlung aber sogleich bereut und sich sogar dafür entschuldigt. Die Aufrechten müssen aber aufrecht bleiben, auch wenn sie keinen Triumph der Vernunft erleben.

Hans-Otto Schulze, Buchholz

Vergleich hinkt

Man kann eine Talkrunde nicht mit einem Fußballspiel und den möglicherweise daraus entstehenden Folgen vergleichen. Eine Talkrunde ist so zu gestalten, dass sie auf einem vernünftigen Niveau – einer parlamentarischen Demokratie würdig – stattfindet. Das war hier nicht der Fall, weder in Rhetorik noch im organisatorischen Ablauf. Wolfgang Bosbachs Reaktion kann ich deshalb durchaus nachvollziehen, aber es gibt in Deutschland leider zu wenig Politiker seines Kalibers.

Jens Imbeck, per E-Mail

Ein bleibender Eindruck

14. Juli: Der Abend für die G20-Po­li­zis­ten. Ein sehr emo­tio­na­les Erlebnis in der Elb­phil­har­mo­nie

Gemeinsam mit anderen, während des G20 in Hamburg eingesetzten Polizeibeamten hatte ich das große Glück, das von Ihrer Zeitung initiierte Konzert in der Elbphilharmonie erleben zu dürfen. Es ist mir ein großes Bedürfnis, Ihnen und all denen, die zur Verwirklichung dieses großartigen Ereignisses beitrugen, zu danken. Zu Zeiten, in denen man als Polizeibeamter nicht gerade täglich von Außenstehenden in seiner Arbeit wertgeschätzt wird, tat es außerordentlich gut zu wissen, dass die Bewältigung polizeilicher Aufgaben im Allgemeinen und ein belastender Einsatz wie der G20 im Besonderen in der Bevölkerung positiv wahrgenommen wird. Hamburg steht in schweren Zeiten zusammen – ein schöner, ein bleibender Eindruck!

Markus Lermer, per E-Mail

Gänsehautfeeling

Ich möchte mich ausdrücklich bei Ihnen für den wunderschönen Abend bedanken. Ich kann es nicht in Worte fassen, was dieses Konzert und diese Geste bedeutet hat. Der Dank von den Menschen vor der Elbphilharmonie mittels Plakat und Applaus, die Idee für das Konzert – ein wunderschönes Konzert – dazu die überhaupt nicht in Erwähnung gezogene Verpflegung, Musiker, die ihren Urlaub unterbrechen... Es war Gänsehautfeeling und ist es weiterhin, wenn ich daran zurück denke. Herzlichen Dank für die Organisation und für dieses Zeichen.

Ein Polizist, Name der Red. bekannt

Wohnmobile besetzen Parkplätze

14. Juli: Albtraum Parkplatzsuche. Jeder Hamburger Autofahrer hat im vergangenen Jahr 52 Stunden nach einer Lücke Ausschau gehalten

Ein großes Ärgernis in unserem Viertel ist die zunehmende Zahl von großen Wohnwagen und Wohnmobilen, die langfristig auf jeden frei werdenden Parkplatz verbracht werden und den Anwohnern die knappen Plätze wegnehmen. Ganz legal sparen die Besitzer sich eigene Abstellflächen, wer will so etwas schon vor der Tür stehen haben und seine Nachbarn verärgern? Wahrscheinlich kursieren Hinweise, wo man die Ungetüme am besten weit entfernt von der eigenen Wohnung abstellt, anders ist diese Konzentration auf ganze Straßenzüge nicht zu erklären.

Helga Scheel , per E-Mail

Scholz verdient Respekt, aber ...

13. Juli: Bürgerschaft streitet über Scholz und die Linke. Debatte zu G20-Krawallen

Hamburg ist fühlbar geworden, wie schon lange nicht mehr. Hilfe von verschiedenster Seite für die von den Krawallen Geschädigten, breite Bekundungen von Sympathie und Dankbarkeit der Polizei gegenüber und eine entschiedene Verurteilung der Ausschreitungen während des G20-Gipfels. Die Rede des Hamburger Bürgermeisters, sein Eingeständnis eines gewissen Versagens – unter Politikern eine Seltenheit – verdienen Respekt, wenn auch ein penetranter Dauerklatscher während der Rede gestört hat. Zur Entwarnung aber gibt es keinen Grund. Anfang der Woche sind auf der Uhlenhorst wieder fünf Autos zerstört worden. Und es bleibt die Frage nach der Roten Flora, diesem seit Jahren bestehenden Geschwür, das kosmetisch als 'rechtsfreier Raum' bemäntelt doch nichts anderes ist als geduldetes Unrecht. Kann ein Rechtsstaat sich zweierlei Recht leisten? An der Zukunft der Roten Flora werden Gesellschaft und Politik zeigen müssen, wie ernst es ihnen mit der Rechstaatlichkeit ist.

Gerd Landshut, Hamburg

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