Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 6. Juli 2017

Chance vertan

4. Juli: Die Eskalation beenden. Auf linksextreme Provokationen mit Härte zu reagieren verschärft die Lage nur und Hat sich die Polizei richtig verhalten?

Ein altes chinesisches Sprichwort sagt: Kannst du deinen Feind nicht besiegen, umklammere ihn. Demnach wäre ein staatlich gelenktes "Protestfestival" weit außerhalb der Konfliktzonen sinnvoller und würde Hamburg als weltoffene Stadt besser repräsentieren. Diese Chance hat die Politik nun vertan. Ich hoffe für uns Hamburger, dass es nicht zu einer selbsterfüllenden Prophezeiung kommt und wir keine bürgerkriegsähnlichen Situationen erleben werden. Wir sind bereits durch Absperrungen, Staus, Hubschrauberlärm, Urlaubssperren, sowie teilweise erhebliche finanzielle Einbußen negativ vom G20-Treffen betroffen.

Detlev Rieks, per E-Mail

Friedlicher Protest braucht Schlaf

Camp ja - schlafen nein! Das ist, als ob der Staat jegliche Benzinzufuhr für Privatpersonen stoppen würde und dann unschuldig mit den Schultern zuckt und sagt: "Die Bewegungsfreiheit der Menschen wird nicht angetastet, jedem steht es frei, Auto zu fahren!" Ja wie denn – ohne Benzin? Wie soll man friedlich demonstrieren können, ohne Rückzugsort und Schlaf?

Linda Burrows, Hamburg

Überflüssige Selbstdarstellung

Ich fand es wohltuend, dass mal jemand bei der ganzen Hysterie um G20 zu mehr Gelassenheit und Souveränität rät. Weder Gesamteinsatzleiter Herr Dudde noch Innensenator Grote scheinen dazu willens und in der Lage. Da wird präventiv eine Entscheidung der Justiz vorweggenommen und Camper auf Entenwerder gar nicht erst zugelassen. Man hat als Bürger zumindest das Gefühl, hier bestimmt die Polizei, was zulässig und rechtens ist. Eine Stadt befindet sich im Ausnahmezustand, weil sich 20 Regierungschefs treffen, von denen ein Teil lupenreine Autokraten sind. Es glaubt doch in Wirklichkeit niemand, dass dieser Gipfel irgendeinen Beitrag zur Lösung der gegenwärtigen Probleme leisten kann. Es ist ja schön, wenn Staatschefs miteinander reden, statt aufeinander zu schießen, aber in dieser Form ist die ganze Veranstaltung nichts anderes als eine völlig überflüssige Selbstdarstellung der reichen und mächtigen Industrienationen und ich glaube, dass ein großer Teil der Hamburger das auch so empfindet.

Michael Hamm, per E-Mail

Zutiefst unhanseatisch

Wo man hinschaut in der Stadt, an jeder Ecke nur noch Polizei in voller Kampfmontur. Die Straßen geradezu verstopft von Polizeifahrzeugen. Das Camp in Entenwerder trotz richterlicher Erlaubnis einfach abgeräumt, indem die Polizei den Campern Militanz unterstellt. Und wofür? Damit Trump, Erdogan und Putin in Hamburg ihre verquere Weltanschauung noch einmal untermauern können. Das alles ist zutiefst unhanseatisch. Ich erkenne die sonst so schöne Stadt kaum wieder. Ein Witz, dass der Bürgermeister uns dafür einen Tag freien Eintritt in den Museen anbietet, und um militante Demonstranten noch zu motivieren, wird der unsägliche G20-Gipfel vom Bürgermeister noch mit dem eher schönen Hafengeburtstag verglichen.

Roland Möck, per E-Mail

Dank an die Polizei

Ihr lieben Polizisten,

es ist uns ein dringendes Bedürfnis, euch nochmal zu sagen, wie wichtig ihr seid und wie sehr wir Euch und Eure Arbeit schätzen. Vielen Dank, dass ihr für uns und unsere Sicherheit in der ersten Reihe steht und das Risiko auf euch nehmt, in unvorhersehbare Situationen zu kommen, dessen Ende ungewiss ist. Vielen Dank an Euch alle – hier und heute und auch in Zukunft!

Eure Familie Fehrmann, Hamburg

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