Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 28. Juni 2017

Die Versicherungen werden reich

27. Juni: Studie warnt: Jede vierte heute 40-jährige Singlefrau wird beim Renteneintritt in finanzielle Notlage geraten

Die ganzen privaten Zusatzeinzahlungen, wie Riester-Rente und Direktversicherungen machen nur die Versicherungen reich. Zur Rente kommt in Niedrigzinszeiten nichts dazu und bei der Betriebsrente, in Form von Direktversicherungen, werden bei Auszahlung 120 Monatsbeiträge für die Krankenkassen abgezogen. Viele Menschen sind mit 60 Jahren schon am Ende ihrer Kraft, in dieser hektischen Arbeitswelt. Ja, wir werden immer älter. Aber deshalb nicht unbedingt gesünder. Wir werden durch den medizinischen Fortschritt länger am Leben gehalten. Ich möchte nicht von einer 70-jährigen Krankenschwester oder Physiotherapeutin behandelt werden. Man kann doch nicht im 100-Meter-Tempo durch sein Arbeitsleben rasen. Lasst uns hören, wie andere Länder in der EU dieses Problem lösen. Warum bilden sich die Deutschen immer ein, den Stein der Weisen gefunden zu haben.

Sonja Starke, per E-Mail

Akt der Verzweiflung?

26. Juni: Schulz wirft Merkel ,Anschlag auf De­mo­kra­tie' vor

Wie verzweifelt müssen Herr Schulz und die SPD sein, dass sie sich so einen hanebüchenen Quatsch ausdenken. Herr Schulz, der während seiner Tätigkeit bei der EU mehr als unsere Bundeskanzlerin verdient hat – selbstverständlich steuerfrei – war doch immer sehr zufrieden mit der Arbeit unserer Kanzlerin. Wie schnell sich sowas doch ändert...

Gitta Uther, Seevetal

Über das Ziel hinausgeschossen

Mit seinem Vorwurf, die Bundeskanzlerin unternehme einen Anschlag auf die Demokratie, schießt der SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz weit über das Ziel hinaus. Bei allem Wahlkampfgetöse dürfen keine Grenzen überschritten werden. Natürlich hat Schulz recht, wenn er Merkel vorwirft, keine klare Position zu beziehen – aber das kennt man ja schon seit Jahren: Die Kanzlerin eiert herum und vermeidet klare Festlegungen in der Sache. Deshalb darf es ein "Weiter so" der Politik der Großen Koalition auch nicht geben, mit der Wahl muss ein Ruck durch die Republik gehen, um Roman Herzog zu zitieren. Die SPD hat neben ihrer Allerweltsfloskel "Gerechtigkeit" einige vernünftige Ansätze in ihrem Wahlprogramm, die es durchaus verdienen, realisiert zu werden. Ich denke da insbesondere an die Bürgerversicherung, die Ehe für alle, eine vernünftige Steuerreform. Die SPD muss jetzt alle Kräfte mobilisieren und wirklich auf Angriff schalten, damit sie Merkel ablösen kann und nicht doch wieder in einer großen Koalition unter Merkel landet.

Helmut Jung, Hamburg

Ein Schlag ins Gesicht der Beamten

24./25. Juni: Lesermeinung zum ,Zitat des Tages' von Bürgermeister Olaf Scholz

Da reisen Tausende Chaoten an, die erklärtermaßen wollen, dass es Tote gibt. Sie stiften ungestraft zu Gewalttaten an und können an jeder Stelle der Stadt beliebig zuschlagen. Damit sind die Risiken unkalkulierbar: Das alles kann gut gehen, kann aber auch im Desaster enden. Vor diesem Hintergrund zu behaupten, man könne "Hamburg schützen" mutet schon weltfremd an. Einen solchen Wahnsinn aber mit dem Hafengeburtstag zu vergleichen, ist ein Schlag ins Gesicht der Polizeibeamten, die seit Wochen kein Privatleben mehr haben, ihren Kopf hinhalten müssen und sogar nach Feierabend verfolgt und bedroht werden. All diese Menschen haben ihren Beruf ergriffen, um Mitbürgern in Not zu helfen und Recht und Gesetz durchzusetzen. Welches Verständnis von Fürsorgepflicht hat Herr Scholz als oberster Dienstherr gegenüber seinen Beamten, die er die Drecksarbeit machen lässt? Ein Jeder, der vom bequemen Sofa aus dieses Event befürwortet, möge einen Moment innehalten und sich fragen, ob er zustimmen würde, wenn sein Sohn oder seine Tochter von unserem Bürgermeister in einen solchen "Krieg" kommandiert werden würde und für diese Politik-Show Gesundheit und Leben riskieren müsste.

Wolfgang Malota, Hamburg

Randale bringt Aufmerksamkeit

24./25. Juni: Wut hier, Angst da – wie G20 die Sze­ne­vier­tel empört

Dass weltweit vieles nicht gut läuft, wird kaum jemand ernsthaft bestreiten, dass die Regierungen der G20-Staaten dafür einen Großteil Verantwortung tragen, ebenfalls nicht. Sich für Frieden und Gerechtigkeit einzusetzen, sollte deshalb selbstverständlich sein. Das sollte man aber auch in der Öffentlichkeit deutlich zeigen. Das kann man auf der Straße besser als auf dem heimischen Sofa. Während des G20-Gipfels werden 50.000 bis 100.000 Demonstranten in Hamburg auf die Straße gehen, davon über 95 Prozent mit friedlicher Absicht. Bei der Lektüre des Abendblattes kann man zum umgekehrten Schluss kommen. Seit Tagen geht es hauptsächlich um Polizeieinsätze, Protestcamps und Demo-Routen, kaum um Inhalte. Die Thema-Seite behandelt überwiegend die möglichen Konflikte im Schanzenviertel. Wenn sich dann der BUND die Mühe macht, 20 Thesen an den G20 zu veröffentlichen, ist es nur eine Randnotiz wert. Es ist offensichtlich, dass man mit Randale mehr Aufmerksamkeit in der Presse bekommt als mit inhaltlicher Auseinandersetzung.

Jürgen Beeck, Hamburg

Es gibt dringendere Probleme

24./25. Juni: FDP macht ,Ehe für alle' zur Koalitionsbedingung

Nachdem bereits SPD und Grüne entschieden haben, die "Ehe für alle" in möglichen Koalitionsverträgen zu verankern, hat nun auch die FDP angekündigt, ihren Mitgliedern zu empfehlen, die "Ehe für alle" als Koalitionsbedingung für die Bundestagswahl festzuschreiben. Man kann ja über alles verhandeln, aber dieses von vornherein zur Bedingung zu machen, halte ich angesichts wesentlich dringenderer Probleme für fragwürdig.

Jens Imbeck, per E-Mail

© Hamburger Abendblatt 2017 – Alle Rechte vorbehalten.