Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 20. Juni 2017

Gemeinschaft durch Schuluniform

19. Juni: Freizügige Kleidung im Unterricht verboten. Warum Schulen die Bauch­frei­heit beenden

Warum weigern sich die Verantwortlichen, einen Schritt weiter zu gehen und die Schuluniform einzuführen? Sie ist weltweit, auch in demokratisch liberalen Ländern, verbreitet und birgt etliche Vorteile. Das Gefühl der Gemeinschaft wird gefördert, Schüler aus wenig begüterten Familien oder aus nicht christlichen Religionen sind als solche nicht mehr zu erkennen. Es gibt keinen Kampf um das beste Outfit auf dem Schulhof. Niemand beschwert sich, wenn den Spielern einer Fußballmannschaft ein einheitliches Trikot verpasst wird. Es geht doch auch darum, mit einem einheitlichen Erscheinungsbild das gemeinsame Ziel nach außen zu tragen. An einer Schule werden Bildung und Wissen vermittelt, was nicht durch provozierende Kleidung gefährdet werden darf. Wenigstens wurde nun an einigen Schulen der erste Schritt getan.

Christiane Mielck-Retzdorff, per E-Mail

Reißleine ziehen

19. Juni: Erneuter Anschlag auf das Veddeler Gold-Pro­jekt

Der Anschlag ist zu verurteilen, denn es ist Sachbeschädigung und kann selbstverständlich nicht gegen eine Verunzierung der Fassade – auch wenn beziehungsweise weil sie gülden ist – aufgerechnet werden. Aber so sehr ich, ebenfalls Mitglied der Kunstkommission, gegen dieses Projekt war und bin: Die Mitgliedschaft von Herrn Burchardt in der Kunstkommission ist nicht das Problem, sondern das mangelnde Mitspracherecht der Betroffenen für ein Projekt namens "Kunst im öffentlichen Raum". Kunst im öffentlichen Raum muss auch öffentlich verhandelt werden. Dies ist leider nicht geschehen, ja, es liegt noch nicht einmal eine Begründung der Kunstkommission vor, wieso eine Wandvergoldung als Kunst anzusehen ist, und es ist meines Wissens kein einziger Vertreter der Kunstkommission bei einer Stadtteilversammlung dabei gewesen, um dieses Projekt zu erläutern. Die Fassade wird vergoldet, aber die vor Ort tätigen Politiker und der gesamte Senat werden beschädigt. Kann da – bei aller Freiheit für die Kunst – nicht endlich jemand die Reißleine ziehen?

Jens Homann, per E-Mail

Aufruf zur Straftat

17./18. Juni: Linkes Bündnis will AfD-Wahl­kampf mit Aktionen stören

So sehr es zu begrüßen ist, mit einer deutlichen Sprache der rechten Hetze und der Fremdenfeindlichkeit der AfD im Wahlkampf zu begegnen, so sehr ist es unangemessen, wenn dies unter Einsatz von Mitteln geschehen soll, die den Rahmen einer demokratischen Auseinandersetzung überschreiten. Der Aufruf, an Infotischen der AfD zu stören, ist nichts anderes als ein öffentlicher Aufruf zu Straftaten. Wie würden wohl die anderen Parteien im Wahlkampf reagieren, wenn ihr Werbematerial in blauen Plastiktüten von ihren politischen Gegnern "entsorgt" würde? Man sollte sie an die Methoden erinnern, mit denen in der deutschen Vergangenheit politische Gegner mundtot gemacht wurden.

Dr. Claus Rabe, per E-Mail

Danke, Helmut Kohl

17./18. Juni: Zum Tod des Altkanzlers Helmut Kohl

Dem langjährigen Bundeskanzler gebührt das unschätzbare Verdienst, die Anbahnung der deutschen Einheit navigationssicher, inmitten divergierender Interessen auf der Weltbühne, unbeirrbar und eingedenk der Präambel des Grundgesetzes vorangetrieben zu haben. Das war der kurze Moment, ein historischer Wimpernschlag nur, als er die geknechteten Ostdeutschen gegen alle Fährnisse auf die breite Lichtung der Freiheit führte. Danke, Helmut Kohl!

Thomas Prohn, per E-Mail

Ersatzfläche ist Wunschdenken

17./18. Juni: Neue Heimat für den Was­ser­fen­chel. Ist der Weg für die Elb­ver­tie­fung jetzt frei?

Der Artikel, insbesondere die politische Wertung des nun gefundenen, neuen Standorts für den Schierlings-Wasserfenchel erweckt den Eindruck, dass eine Ersatzmaßnahme für die vom Bundesverwaltungsgericht nicht akzeptierte Ausgleichsmaßnahme realisiert werden könnte. Ich halte dies für Wunschdenken, denn die neue Fläche muss natürlich planfestgestellt werden, und hier sind die Umweltverbände wieder im Spiel, die die gesamte Vertiefung verhindern wollen. Sie werden alle rechtlichen Möglichkeiten nutzen, um die Ersatzmaßnahme zu verhindern. Dass sie dabei Erfolge haben, zeigt ein Blick in die Vergangenheit. Großvorhaben sind wohl künftig nicht mehr realisierbar, solange die Planungsgesetze nicht entsprechend geändert werden. Ob die Elbe es noch "schafft", hängt nur von den Entscheidungen der Gerichte ab. Jede Kompromisslösung, die mit den Verbänden ausgehandelt wäre, würde das Aus für die dringend notwendige Vertiefung und Anpassung der Unterelbe bedeuten. Der derzeitigen Beschlusslage des Bundesverwaltungsgerichtes würde der Boden entzogen. Zu Gesprächen setzen die Verbände eine substanzielle Änderung voraus.

Ulrich Hensen,

Hafenbaudirektor a.D., per E-Mail

Grober Unfug

14. Juni: Ep­pen­dorfs makabrer Flücht­lings­streit. ,Kunstinstallation' mit Sarg löst Empörung aus

Auf makabre Weise hat jemand mit der Fantasie der Passanten an der Loogestraße gespielt. Manche Kinder vermuteten in dem echten Sarg unter echten Lilien, umgeben von echten Grablichtern, einen Leichnam. Manche Erwachsene meinten, hier werde stellvertretend der zahlreichen Opfer im Mittelmeer gedacht. Andere, es solle der Wunsch zum Ausdruck gebracht werden, die Flüchtlinge mögen lieber sterben als nach Eppendorf ziehen. Das allein zeigt meines Erachtens: Dieses Werk fällt weniger in die Kategorie "Kunst" als vielmehr in die "grober Unfug".

Gesa Pansch, Hamburg-Eppendorf

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