Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 3. Juni

In Richtung Durchschnittshaus

2. Juni: Ärger im Lu­xus­ho­tel Louis C.
Jacob – Warum der Direktor gehen musste

Selbstverständlich muss ein Hotel Geld verdienen. Aber wann fühlt man sich in einem hochpreisigen Hotel wohl? Doch nur, wenn man als Gast das Gefühl hat, nicht in einer verwalteten Unterkunft zu sein. Individuell geschnittene Butter ist ein Symbol dafür. Eine Küche mit zwei Sternen ist ein Magnet, und die persönliche Ansprache durch einen sehr engagierten Direktor eher selten. Das soll nun nicht mehr sein. Das Louis C Jacob wird zu einem durchschnittlichen Fünf-Sterne-Hotel. Renommee und Standard des Hauses werden durch das Schleifen der Alleinstellungsmerkmale nicht zu halten sein. Hinzu kommt noch der Standortnachteil, dass Besucher lange in die Innenstadt fahren müssen. Das wurde wegen des besonderen hanseatischen Flairs und des Engagements von Jost Deitmar gern in Kauf genommen. Nun aber steuert das Hotel in Richtung eines Durchschnittshauses.

Wolfgang Knobel, Drage

Lukrativ, aber langweilig

Ich kenne wenige Hoteldirektoren, die so mit Leib und Seele für "ihr" Haus brannten wie Jost Deitmar, der sich um jedes Detail (die Socken des Kellners, das Outfit der Zimmermädchen, das Interieur, das Menü und natürlich um die Gäste) gekümmert hat. Jost Deitmar, selbst wenn er spät abends dem Ausgang zustrebte, wurde noch von Gästen zum Klönschnack aufgehalten. Er hat sie nie abgebürstet, sondern sich immer Zeit für sie und auch für seine Mitarbeiter genommen. Dass so jemand nach 20 Jahren vor die Tür gesetzt wird, weil man 5000 Euro spart, wenn man die Butter nicht mit der Hand schneidet, ist absurd. Rahe wird es schaffen, dass das einmalige Louis C. Jacob so wie seine Aida-Schiffe ein Remmidemmi-Hotel wird: lukrativ. aber langweilig und seelenlos.

Dr. Rita Knobel-Ulrich, Drennhausen

Im SUV durch die Stadt stinken

2. Juni: Trump steigt aus

Das große Entsetzen: Auf Trump schimpfen, aber mal eben für drei Tage nach New York fliegen. Auf Trump schimpfen, aber im SUV durch die Stadt stinken. Auf Trump schimpfen, aber jeden Tag Fleisch essen. Auf Trump schimpfen, aber den Cappuccino aus einem Wegwerfbecher schlürfen. Wir sind wirklich sehr entsetzt, ernstlich empört und furchtbar besorgt über Trumps Ausstieg aus dem Abkommen.

Asmus Henkel, Hamburg

Emanzipieren vom US-Gängelband

Sehen wir es positiv: Dieses Beharren Trumps auf einer "fossilen Vergangenheit" wird nur ein kurzzeitiges sein. Europa und die Welt sollten diesen Ausstieg aus dem Klimavertrag zum Anlass nehmen, sich vom Gängelband US-amerikanischer Weltordnungspolitik zu emanzipieren, zu einer Solidarität zu finden, die die USA nicht isoliert, denn die USA sind nicht Trump. Es wird eine Post-Trump-Ära geben, für die wir dem Land die Türen offenhalten. Wir können bei den gegebenen wirtschaftlichen und geopolitischen Verhältnissen nicht unabhängig von den USA sein, aber wir können jetzt mehr Selbstständigkeit in der Abhängigkeit gewinnen.

Norbert Richter, Henstedt-Ulzburg

Für Besucher weite Teile gesperrt

2. Juni: Wenn Kreuzfahrt auf
Elbphilharmonie trifft

... dann leidet der Besucher der Elbphilharmonie. Für Donnerstagabend hatten meine Frau und ich vor Monaten Karten für das Konzert im Großen Saal der Elbphilharmonie erworben. Mit großen Erwartungen reisten wir an. Doch zu unserer Überraschung waren schon beim Betreten des Hauses Einschränkungen zu bemerken. Im Weiteren wurden wir negativ überrascht durch die Tatsache, dass im Haus selbst weite Teile für die Taufparty der TUI für ihr neues Kreuzfahrtschiff reserviert und damit für Fremdbesucher unzugänglich waren. Das betraf sowohl Aussichtsbalkone wie auch die Restaurationsbereiche. Der von uns zur Einstimmung auf das folgende Konzert geplante Imbiss musste deshalb unterbleiben. Ich halte eine derart weitgehende Sperrung des Konzerthauses im Rahmen einer Promotionveranstaltung eines kommerziellen Unternehmens für sehr problematisch. Diesbezüglich sollte das Konzept der Elbphilharmonie überdacht werden.

Dr. Carsten Schiefer, Bad Bramstedt

Gönnen wir ihnen die Freude

30. Mai: Was Hamburgs Schüler zum
Abiball tragen

Im letzten Jahr hatte ich das Vergnügen, am Abiball meiner jüngsten Nichte teilnehmen zu dürfen. Es war für mich anfänglich etwas überraschend, aber dann sehr schön, zu beobachten, mit welchem freudigen Stolz die Mädchen resp. jungen Frauen ihre langen Kleider, die darauf abgestimmten Accessoires und ihre aufwändigen Frisuren getragen und präsentiert haben. Gönnen wir ihnen doch die Freude, sich an diesem Tag, der einen Meilenstein im zeitlichen Übergang vom jungen Menschen zum Erwachsenen bildet, sich mädchenhaft-verspielt zu kleiden. Sie werden in späteren Lebensjahren nicht mehr oft Gelegenheit dazu haben. Dagegen können sie die von Susanne Gröhnke (Designerin, die Redaktion) vorgeschlagenen Jumpsuits zu jeder beliebigen Gartenparty tragen und Unisex-Hosenanzüge während ihres langen Berufslebens immer wieder anziehen.

Gerd Harnisch, Seevetal

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