Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 7. Oktober 2016

| Lesedauer: 6 Minuten

Roboter vernichtet Arbeitsplätze

6. Oktober: Wenn der Pa­ke­tro­bo­ter klingelt. Hermes startet in drei Hamburger Stadtteilen mit selbstfahrenden Zustellfahrzeugen

Der Roboter ist nicht zeitgemäß, weder öko noch bio noch human: Vernichtet er doch mittelfristig niedrigschwellige Arbeitsplätze und damit Lebensqualität, verdrängt er doch noch mehr Menschen in Hartz IV, produziert er doch noch mehr Batterien, braucht er doch zusätzliche Energie, weckt er doch neue kriminelle Energien und schafft er doch neue Verkehrsprobleme. Auch ist er auf Dauer nur bedingt einsetzbar, weil er keine Treppen steigen kann und nur leichte Last laviert. Brauchen wir den wirklich? Die Automatisierung von Service ist in vollem Gang: Der Mensch ist in der Arbeitswelt schon zum Humankapital degeneriert, und nun folgt der nächste Schritt, da geht es um die Humanbereinigung. Die Paketbotenzustellung ist doch nur deshalb unökonomischer und umweltbelastender geworden, weil seit der Privatisierung gleiche Wege von unzähligen Zustellunternehmen parallel zurückgelegt werden. Ich finde den „R2-D2-Verschnitt“ besorgniserregend und auch etwas lächerlich. Hoffentlich eine totgeborene „Innovation“. Der liebe Nachbar oder der eigene Arbeitsplatz oder die Paketstation sind nach wie vor verlässliche Abgabeoptionen für Pakete.

Uwe-Carsten Edeler, Hamburg

Stau kostet Nerven und Geld

5. Oktober: Eine Woche in Hamburgs Stau – das Tagebuch

Ich bin freiberufliche Pharmareferentin, wohne in Lüneburg und muss täglich nach Hamburg in ganz unterschiedliche Stadtteile, das macht eine Fahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln unmöglich. Um pünktlich um acht Uhr in der ersten Praxis in Hamburg zu sein, fahre ich um sechs aus Lüneburg weg. Es gibt mittlerweile in Hamburg nicht einen Stadtteil, der frei von einer Baustelle ist. Genervte, aggressive Autofahrer und Fahrradfahrer bestimmen das tägliche Bild auf Hamburger Straßen. Es nervt nicht nur, es kommen auch noch finanzielle Einbußen hinzu, da die Anzahl der Besuche, bedingt durch Baustellen und Parkplatzsuche, nicht mehr realisierbar ist. Warum wird in so einem Schneckentempo auf den jeweiligen Baustellen gearbeitet?

Ingrid Schindele, Lüneburg

Bürgerhilfe läuft ins Leere

4. Oktober: 2737 Schrot­t­au­tos blo­ckie­ren Hamburgs öf­fent­li­che Park­plätze

Warum versucht die Stadt erst jetzt etwas dagegen zu tun? Im Oktober 2015 haben wir ein Wohnmobil bei uns in der Straße bei der Polizei gemeldet, weil es länger als vier Wochen unbewegt am Straßenrand stand. Unzählige Male haben wir die Polizei per Telefon und E-Mail kontaktiert, genauso oft die dafür verantwortliche Behörde. Aber es tat sich über viele Monate gar nichts. Erst im April 2016 wurde der Wagen dann abgeschleppt – nach über sieben Monaten. Es scheint die Behörden in dieser Stadt einfach nicht zu interessieren, wenn man als Bürger mithilft oder Zivilcourage zeigt. Deshalb gehe ich auch davon aus, dass sich mit der neu eingerichteten Webseite nicht viel ändern wird.

Hans Meins, Hamburg

Saubere Energie für Hadag-Fähren

4. Oktober: Hafenfähren erhalten Elek­tromotoren

Hamburg ist Wasserstoffhauptstadt Europas. Deshalb sollten die Hafen­fähren auf dem Weg zur Elektromobilität auf die Brennstoffzelle und „grünen Wasserstoff“ (mittels Solar und Wind) setzen. Diesel-Hybrid kann nur ein Übergang sein. Neben Brennstoffzellen-Hybrid-Bussen wären die Hadag-Fähren der nächste naheliegende Bereich der Nutzung sauberer Energie auf dem Weg zu wirklicher Nachhaltigkeit und Visitenkarte der Stadt als Frontrunner.

Sven Jösting, Hamburg

Hamburg und Wien: kein Vergleich

4. Oktober: Ein schwerer Schlag. Die Chefin des Elbphilharmonie Orchesters geht

Sie schreiben: „Für die Kulturstadt Hamburg jedoch ist diese Personalie vor allem ein schwerer Schlag ins elbphilharmonische Kontor.“ Verstehen Sie, wenn ich mir als großer Verehrer Wiens gleich bei den Begriffen „Kulturstadt Hamburg“ und „Schlag ins elbphilharmonische Kontor“ in die Faust beiße? Es ist die typische „HSV-Tonart“, die dabei wieder rüberkommt, die hier gang und gäbe ist, so wie die Einbildung, Hamburg sei tatsächlich eine „Kulturstadt“. So was darf ich meinen Freunden in Wien undenkbar weiterleiten. Es ist zu peinlich. Wer weiß, welche schweren Schläge wohl noch folgen werden ...

Rainer Kranzusch, per E-Mail

Mehr Gelassenheit

1./2./3. Oktober: Schön ist das nicht. In den vergangenen Monaten aber wachsen die Klagen über Schmutz in der Stadt

Jedem ist es wohl schon aufgefallen: Man hat eben seine Wohnung auf Hochglanz poliert, weil z. B. die Schwiegermutter im Anmarsch ist, und dann findet man doch noch wieder ein Krümelchen mitten im Sichtfeld. Oder nach dem Großreinemachen ist zwei Tage später schon wieder irgendwelcher Schmutz zu sehen. So geht es auch in einer Stadt. Sicher kann man z. B. die Grünflächen mähen, aber innerhalb einer Woche sind die im Sommer wieder gewachsen. Die Ecken an den Ampelkreuzungen – da wuchert auch oft das Unkraut recht hoch. Man darf aber nicht vergessen, das muss alles in Handarbeit gereinigt, gekehrt und abgefahren werden. Das kostet Geld, das die Stadt möglicherweise nicht hat. Bei dem rasanten Verkehr ist die Reinigung auch nicht ganz ungefährlich. Wohl in jeder Wohnung ist es so, dass es im Keller oft vielleicht nicht so aufgeräumt ist – sieht ja keiner. So ist es auch in einer Stadt – und das nicht nur in Hamburg. Alle großen und kleinen Metropole­n der Welt haben ihre Ecken, die nicht wirklich sehenswert sind. Wir sollten ein bisschen mehr Gelassenheit walten lassen, selbst einmal wieder einen Blick in den eigenen Keller werfen und nicht die wirklich schöne Stadt Hamburg so schlecht darstellen.

Romy Körner, per E-Mail

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