Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 21. September 2016

| Lesedauer: 5 Minuten

Autorennen als Straftat ahnden

20. September: Raser ka­ta­pul­tiert Familie von der Straße. Gegen den 34 Jahre alten Unfallverursacher ermittelt die Polizei

Es ist erschreckend zu hören, dass es durch unverantwortliche Raserei überwiegend testosterongesteuerter junger Männer immer wieder zu schlimmen Unfällen mit Toten und Verletzten kommt. Die Strafen sind viel zu niedrig. In der Regel kommen die Täter mit einer Bewährungsstrafe davon und machen anschließend fröhlich weiter, während die Opfer meistens ein Leben lang unter den Folgen zu leiden haben. Der Gesetzgeber muss hier schnellstens gegensteuern und diese Autorennen durch eine abschreckende, drastische Strafverschärfung reduzieren: Illegale Autorennen sowie das absichtliche Befahren der Autobahn in falscher Richtung müssen nicht mehr als Ordnungswidrigkeit, sondern als Straftat geahndet werden. Der Führerschein muss entzogen werden, und die Verurteilten müssen ihn nach Verbüßung ihrer Strafe neu machen. Anders ist das Problem nicht in den Griff zu bekommen.

Helmut Jung, Hamburg

Um die Zukunft kämpfen

19. September: Ber­lin hat gewählt: Die bisherige Große Koalition kann nicht allein wei­ter­re­gie­ren. Niedergang der Volksparteien SPD und CDU. AfD zweistellig, FDP im Parlament

Berlin hat gewählt. Die Demokratie hat verloren. Kein singuläres Ereignis, ein Trend, der immer mehr zur Normalität wird, in der Bundesrepublik ebenso wie in Westeuropa. Vielleicht wäre es an der Zeit, dass unsere Politiker sich einmal selbstkritisch mit den Ursachen dieser Entwicklung auseinandersetzen. Es wird uns Wählern wenig bringen, wenn sie uns in weiteren Talkshows „ihre“ Welt erklären. Nach meiner Wahrnehmung erkennt der Wähler für sich selbst schlicht keine überzeugenden Konzepte mehr. Gute Politik ist eine vorausschauende Weichenstellung, an die der Wähler glauben kann, in die er gerne sein Vertrauen investiert. Wenn Politik nichts anderes mehr leistet, als auf die sich immer vielfältiger ereignenden „Unglücke“ (Geburtenrate, Alleinerziehendenzahlen, Finanzkrise, Flüchtlingskrise, Kriminalität, Korruption) zu reagieren, dann erleben wir Wahlergebnisse wie in Berlin. Der Wähler sucht Sicherheit und Qualität im täglichen Leben und eine berechenbare, langfristige Lebensperspektive, nicht Nullzinspolitik, nicht Rentenkürzungen und auch keinen Albtraum Europa. Die Politik sollte sich wieder auf ihr Mandat besinnen und mit glaubwürdigen und zukunftsweisenden Konzepten um die Zukunft ihrer Wähler kämpfen. Vertrauen ist der Anfang von allem.

Heinz Gehring, per E-Mail

Die neue Mauer durch Deutschland

Nicht die AfD ist schuld am Niedergang der Volksparteien, sondern die Unzufriedenheit eines großen Teils der Bevölkerung. Wir schaffen es – trotz aller Beteuerungen – eben nicht, und so errichten die Volksparteien, trotz aller Vernunftsappelle, eben ganz allmählich eine neue Mauer quer durch Deutschland. Die Regierung ist krank. Diagnose: Starrsinn, hoffentlich nicht unheilbar!

Dr. Udo Fuchs, per E-Mail

Spieler kritischer beleuchten

19. September: Wieder am Ende. HSV verliert gegen Leipzig. Labbadia unter Druck

Ich vermisse in dem Artikel, dass auf diejenigen eingegangen wird, die letztlich für die Ergebnisse auf dem Platz verantwortlich sind. Und das sind die Spieler! Kein Wort davon, mit welcher ungenügenden Leistung sich die Protagonisten Woche für Woche auf dem Platz präsentieren und mit ihrem Unvermögen den Unmut der Zuschauer herausfordern. Der Trainer hat ganz gewiss andere Vorstellungen von attraktivem Fußball und seine Spieler anders auf den Gegner eingestellt, als diese seine Vorgaben umgesetzt haben. Hier stellt sich die Frage, ob die Spieler es nicht besser können oder nicht bereit sind, das, was der Trainer vorgibt, umzusetzen. Deshalb sollte nicht der Trainer, sondern die Mannschaft kritisch beleuchtet werden.

Wolfgang Brakmann, Hamburg

Institution Entenwerder Fährhaus

17./18. September: Hamburgs ferner ­Osten. Auf den Spuren von Bill Brook

Mich erstaunt, dass man einer gastronomischen „Institution“ wie dem Entenwerder Fährhaus weder Bild noch Zeile widmet. Fast 130 Jahre steht die „Hamburger Schankwirtschaft“; allein das äußere Erscheinungsbild hat einen besonderen Charme, ganz zu schweigen von der liebenswerten Sprödigkeit der Wirtsleute. Es scheint mir eine besondere Leistung zu sein, die Restauration durch eine Zeit gebracht zu haben, als nur versprengte Radfahrgruppen, Verirrte oder auch die wenigen, aber kohärenten Stammgäste den Fortbestand sicherten. Im Plausch mit den Wirtsleuten ist eine lebende Geschichtswerkstatt zu erkennen. Der selbst gebackene Kuchen: delikat und nicht kleinlich bemessen. Der Filterkaffee in seiner Qualität: fast eine Rarität, wenn man als ausgewiesener Kaffeetrinker durch die Stadt tingelt und vergleichen kann. Toll wahrzunehmen, dass durch die Belebung der Gegend auch das Fährhaus anscheinend etwas abbekommt.

Andreas Scholz, Hamburg

Wunderbarer Schriftsteller

Vielen Dank für Ihre Spurensuche, die ich mit besonderem Interesse gelesen habe. Ich war in der letzten Woche mit dem Unternehmen Waterkant unterwegs, u. a. in Wilhelmsburg, Entenwerder und Rothenburgsort, um Freunden aus Frankfurt einmal eine andere Seite von Hamburg zu zeigen. Ganz besonders gefreut hat mich, dass Sie Ihre Wanderung auf den Spuren von Wolfgang Borchert vorgenommen haben. Als ich das las, habe ich mir sofort die Kurzgeschichten von Wolfgang Borchert hervorgeholt und die wunderbare, sehr traurige, zum Schluss hoffnungsfrohe Kurzgeschichte „Billbrook“ erneut gelesen. Wie konnte der Mann bloß schreiben! Vielen Dank, dass Sie ihn mir wieder in Erinnerung gerufen haben.

Renate Brombach, Wohltorf

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Leserbriefe