Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 17. September 2016

| Lesedauer: 4 Minuten

Begeisterndes Projekt

16. September: Die neuen Pläne für ein Hamburger Na­tur­kun­de­mu­seum

So sehr die spektakuläre Erweiterung der maritim ausgerichteten Museumslandschaft Hamburgs z. B. durch die Rückführung der „Peking“ zu begrüßen ist, umso mehr sollte auch der Funke der Begeisterung für die Realisierung eines Hamburger Naturkundemuseums nicht nur in die Köpfe Hamburger Entscheidungsträger überspringen. Das angedachte Projekt würde unbestreitbar eine große Lücke musealer Wissensvermittlung schließen, die vor über 70 Jahren im Bombenhagel entstanden ist. Die vielen geretteten Artefakte warten also schon sehr lange auf ihre Erweckung aus den Asservatenkammern, um in Verbindung mit modernsten Präsentationsmethoden zu einem bedeutenden Mosaikstein für eine Stadt des Wissens im Zentrum ganz Mittel- und Nordeuropas zu werden. Und der Name „Evolutioneum“ verheißt zudem, den erstrebten Anspruch erfüllen zu wollen, ein modernes und lebendiges Weltbild vermitteln zu können.

Horst Mahl, Wedel

Eine Burka für Männer

14. September: Das Ende der Toleranz ist das Ende der Demokratie. Warum ein Burkaverbot in unserem Land einer Selbstverletzung gleichkäme

Das Burka-Gebot konterkariert den ebenfalls im Grundgesetz verankerten und damit zu unserer Demokratie gehörenden Gleichheitsgrundsatz von Mann und Frau. Es sind auch eher die Männer, die dieses Gebot erschaffen haben und einfordern, die mit ihrem Gebaren vor allem Frauen Angst einflößen. Warum tragen die keine Burka?

Monika Mohrdieck, per E-Mail

Den Frauen ein Gesicht geben

Ich widerspreche der Meinung von Professor Schulte-Markwort, dass „die Burka ein Ausdruck tiefer Religiosität ist“, denn weder der Koran noch die Hadithe fordern zwingend die vollständige Verhüllung der Frau. Vielmehr ist die Burka in extrem konservativen patriarchalischen Gesellschaften entstanden, in denen die Frauen weitgehend rechtlos waren und es auch heute noch sind – wie bei den Taliban. Es ist daher dringend geboten, dass zumindest den Frauen in Europa ein Gesicht gegeben und das Tragen der Burka verboten wird. Toleranz bedeutet keinesfalls, alle anderen Meinungen einfach zu akzeptieren. Vielmehr ist zu prüfen, ob sich diese Meinungen im Rahmen der in Deutschland geltenden Gesetze – insbesondere des Grundgesetzes mit der dort verankerten Gleichberechtigung – befinden. Auch die im Islam teilweise praktizierte Kinderehe entspricht nicht der hiesigen Gesetzeslage, und es ist deshalb keine Intoleranz, diese zu verbieten beziehungsweise bereits im Ausland geschlossene Ehen zu annullieren.

Beate Hille, per E-Mail

Symbol für Unterdrückung

Die ganze Debatte zeigt, dass wir immer noch Gefangene unserer Geschichte sind und uns deshalb scheuen, unsere Gesetzgebung zu vertreten. Wie der Erlanger Rechtswissenschaftler Professor Mathias Rohe im „Spiegel“ richtig formulierte, gibt es in unserem Staat eine „Hausordnung“, unsere Rechtsordnung. Und da verstoßen Burka und Nikab gegen die Konvention unseres Zusammenlebens, insbesondere der hart erkämpften freien Selbstbestimmung der Frau. Burka und Nikab symbolisieren die Frau nun mal als Besitz des Mannes einer patriarchalisch strukturierten Gesellschaft. Eigentlich lässt unsere Hausordnung auch keine Beschneidung und Kinderehen zu. Mit Diskussionen über Ausnahmeurteile schaffen wir nur Präzedenzfälle, die dann unsere Gesetzgebung weiter aushöhlen.

Stefan Bick, per E-Mail

Grüne Innenhöfe erhalten

13. September: 7000 Wohnungen – Wo das ,moderne‘ Altona entsteht. Rund um den Stadtteil Bahrenfeld plant Hamburg ­etliche neue Stadtquartiere

In Hamburg gibt es noch viele grüne Innenhöfe, die das Leben in der Stadt lebenswert machen, indem sie für bessere, frische Luft sorgen und auch den Stadtbewohnern ermöglichen, einem morgendlichen Vogelgezwitscher zu lauschen. All das, was das Leben in der Stadt lebenswert macht, ist aber durch die zunehmende Nachverdichtung bedroht. Nach dem Motto „Wenn schon, denn schon“ werden diese Kleinode zugebaut mit Wohnungen, die Ertrag bringen sollen. Auch in Altona sind einige Vorhaben am Start, gegen die sich Einwohner wehren. Im Projekt Bahrenfeld 68 an der Leverkusenstraße/Stresemannstraße ist solches geplant. Interessanterweise wird dieses Projekt gerade von den Grünen vorangetrieben. Eigentlich die Partei für die bessere Luft, aber nicht so in Altona. Wenn 7000 Wohnungen im Viertel entstehen, muss man nicht den letzten grünen Innenhof zupflastern.

Gert Bartmann, Hamburg-Bahrenfeld

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