Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 24. Juni 2016

Schlechte Werbung für Hamburg

22. Juni: Hamburger Flughafen warnt: Auf Koffer noch länger warten

Der Hamburger Flughafen hat sich in den vergangenen Jahren erheblich modernisiert und für den Reisenden sehr positiv verändert – leider ist bei der Gepäckausgabe davon nichts zu spüren. Als Vielreisender kenne ich einige Flughäfen, auf keinem davon ist die Gepäckausgabe so langwierig und vor allem unplanbar wie in Hamburg. Ich habe schon deutlich länger als 45 Minuten auf mein Gepäck warten müssen. Manchmal ist die Flugzeit des ankommenden Kurzstreckenfluges kürzer als die Wartezeit am Gepäckband. Viele Flughäfen sind erheblich größer als der Hamburger, und das Gepäck muss wesentlich weitere Wege vom Gate bis zur Ausgabe zurücklegen, und dennoch ist es manchmal sogar vor dem Reisendem auf dem Ausgabeband. Dabei ist man in der Ausgabehalle in Hamburg ja geradezu gefangen; einmal durch die Sicherheitsschleuse gegangen, gibt es weder einen Weg zurück zu den Wartebereichen, Shops und Lokalen der Abflughalle, noch kann man die Abholer schon einmal begrüßen. Das ist leider keine Werbung für Hamburg und seinen Flughafen.

Christoph Heck, Langenhagen

Keine Kraft mehr zur Klage

Das Zurückstellen der Gepäckausgabe ist seit Jahren die stille Personalreserve des Flughafens bei Engpässen an anderer Stelle. Es gehört seit Langem zur Normalität, dass gleichzeitig an mehr als fünf Bändern Reisende länger als eine Stunde stehen. Grund ist die im Verhältnis zum Missstand recht entspannte Beschwerdelage. Hier sind die potenziellen Beschwerdeführer eingesperrt und mundtot. Während der Wartezeit finden sie keinen Ansprechpartner, danach haben sie keine Kraft mehr. Wenn doch mal jemand etwas sagt, ist es ein bedauerlicher Einzelfall.

Katharina Hahn-Berger, Norderstedt

Totgesagte leben länger

22. Juni: Diesel ist Aus­lauf­mo­dell

Das ist er meiner Meinung nach nicht. Dass ein mit einem Benziner vergleichbarer Dieselmotor ein höheres Drehmoment und einen geringeren Verbrauch aufweist, ist ja unbestritten. Weniger Verbrauch bedingt weniger Abgase. Leider geht die Rechnung nicht ganz auf wegen der Stickoxide. Aber wozu haben wir einen NOx-Kat? Um die Euro-6-Norm zu erfüllen. Damit reduzieren wir das NOx bis zu 90 Prozent. Damit sind wir annähernd bei den Werten eines Benzinmotors mit besseren CO2-Werten. Doch es geht noch besser, denn mit einem SCR-System (Harnstoffeinspritzung) kann man die zukünftigen sehr scharfen US-Abgasnormen erfüllen, und die dürften auch für unsere Normen reichen. Halten wir uns an den alten Spruch: Totgesagte leben länger!

Peter Stadlbauer, per E-Mail

Familienunternehmen ohne Chance

21. Juni: Debatte um Erbschaftssteuer. Eine Frage der Ge­rech­tig­keit

Auf den ersten Blick erscheint es richtig und gerecht, alles gleich zu besteuern - ob Firmenvermögen oder Geldvermögen. Dabei wird jedoch oft übersehen, dass dies völlig unerwünschte Effekte hervorrufen kann: Ich habe dies gesehen bei einer Rundfahrt durch das Weinbaugebiet Medoc in Frankreich. Auf die Frage, wem denn die vielen Chateaux gehören, wurde mir vielfach geantwortet: einer Versicherung, einem japanischen Investor oder einem Hedgefonds. Auf die weitere Frage, ob es denn hier keine echten Familien-Winzer mehr gebe, wurde mir erklärt, dass es noch welche gebe, dass diese aber immer weniger werden. Der Grund läge in der französischen Erbschaftssteuer, die sehr hoch ist und am Grundvermögen gemessen wird, sodass die Erben dann bei fehlender Liquidität ihr Weingut an Investoren verkaufen. Diese Gefahr sehe ich auch bei einer hohen Besteuerung von Familienfirmen-Vermögen. Aber wollen wir das wirklich? Das, was unserem Land den Reichtum und die vielen Arbeitsplätze bringt, sind Familienunternehmen, denen es oft wichtiger ist, ihren Kindern ein zukunftsfähiges Unternehmen zu übergeben und denen oft ihr Ansehen in ihrem Ort wichtiger ist als eine nochmalige Steigerung der Rendite. Es gibt viele Fälle, in denen scheinbare Gerechtigkeit nicht unbedingt dem Wohl des gesamten Landes dient.

Dr. Bernd E. Langner, per E-Mail

Stimmungsmache durch Sprache

21. Juni: Nach Kin­der­schän­der-Ent­las­sung: Ge­fäng­nis­chef vor der Ablösung

Sprache ist verräterisch. Wer im Zusammenhang mit den Ereignissen um Herrn Thomas B. immer wieder vom „Kinderschänder“ schreibt, unterschlägt, dass es um einen Menschen mit einem Sexualdelikt geht, der wie jeder andere auch Anspruch auf einen respektvollen Umgang hat. Die Reduktion eines Menschen auf sein Delikt schafft nicht Klarheit und hilft nicht zur Lösung der komplexen Frage, wie Menschen mit einem Sexualdelikt resozialisiert werden können. Im Gegenteil: Die ohnehin schon angeheizte Stimmung wird weiter geschürt. Das ist nicht gut.

Dr. Christian Braune, Ev. Seelsorger in der JVA Fuhlsbüttel, per E-Mail

Gelbe Karte für die Franzosen

21. Juni: Zerreißprobe nicht bestanden: Was ist los mit Pumas Trikots?

Wunderbarer, wenn auch negativer Neben- und Werbeeffekt für Puma sind die zerrissenen Trikots der Schweizer Nationalspieler. Aber warum wird bei sieben getauschten Trikots nicht einmal eine gelbe Karte für das Halten gegen die Franzosen gezeigt? Pogba ist im Bild zu sehen, wie er dem Trikot von Xhaka den Rest gibt. Gelbe Karte? Fehlanzeige. Bei aller positiven Kritik für die Leistungen der Schiedsrichter wird es für uns an der Basis schwierig, für solche Vergehen den jungen Schiedsrichtern klarzumachen, dass hier zwingend eine Verwarnung zu erfolgen hat. Also Schluss mit der Lobhudelei und kritischer auf die Leistung der Schiedsrichter eingehen.

Roland Köbe, Schiedsrichter-Obmann des ETV Hamburg, per E-Mail