Briefe an die Redaktion

Briefe an die Redaktion: 18./19. Juni

Feigheit statt streiten mit der AfD

17. Juni: Kommentar: Die Freiheit
der Andersdenkenden

Vielen Dank für Ihren sehr treffenden Kommentar. Diese selbst ernannte Antifa, die feige und anonym AfD-Politiker über Plakate an den Pranger stellt, bedient sich selbstgefällig selber Nazi-Methoden, anstatt sich politisch mit dieser Partei auseinanderzusetzen. Man mag über politische Meinungen streiten, aber diese Art des Mobbings von Andersdenkenden ist schon kriminell und der falsche Weg.

Ingrid Kallbach, per E-Mail

HHLA-Aktie und Elbvertiefung

17. Juni: HHLA-Chef ent­täuscht
Aktionäre

Die Hamburger HHLA war einmal so begehrt, dass der frühere Bahnchef Mehdorn sogar bereit war, dafür die Bahnzentrale nach Hamburg zu verlegen. Dass die Aktie mit 20 Prozent – gleich 80 Prozent Vertrauensverlust der Finanzwelt – nur noch Schrottwert hat, dürfte nicht zuletzt an der inzwischen jahrelangen Prozesshanselei der Umweltverbände um die Elbvertiefung liegen, denen wohl immer noch nicht klar ist, dass der Hafen die Hauptschlagader von Hamburg ist, an der sie letzten Endes selber hängen. Es ist nun mal wie in der Medizin: Wenn die Aorta durch zunehmende Verengung immer weniger Blut führt, stirbt der Körper ab.

Dr. med. Dietger Heitele, Hamburg

Müttervergleich damals und heute

16. Juni: Die ausgebrannten Mütter. Neun von zehn Frauen, die Kuren beim Müttergenesungswerk machen, leiden unter schweren Erschöpfungszu­ständen

Auch ich, Jahrgang 1933, Vertriebene, zwei Kinder, war einmal jung und berufstätig ohne Kita. Gleichzeitig lebte meine leider dement werdende Mutter bis auf sechs Wochen vor ihrem Ableben unter unserem Dach – wurde also hier betreut. Die Kinder machten ohne Ehrenrunden oder Nachhilfe die Hochschulreife an Gymnasien. Supermärkte gab es nur vereinzelt. Sie waren nicht vollgestopft mit Tiefkühlkost und Fertiggerichten. Das Fahrrad musste ein nicht vorhandenes Auto ersetzen, um die Lebensmittel für die fünfköpfige Familie nach Hause zu transportieren. Ausgebrannt gefühlt habe ich mich trotz großen Gartens, Einfamilienhauses und Ehemannes, der als Ingenieur viel Reisetätigkeit auf dem Zettel hatte, kaum. Hilfe von außen gab es nicht. Der Tag begann spätestens um sechs Uhr früh, meine eigenen Ansprüche waren die, dass die Familie an erster Stelle stand – und nicht ich. Vom Vater wurde ich mit einer guten Versetzung in die Obertertia in der Tasche aus der Oberschule für Mädchen geholt, denn das zu bezahlende Schulgeld war nach der Vertreibung nur schwer aufzubringen. Die Handelsschule vermittelte mir dann die Fähigkeiten, die ich später beruflich überwiegend brauchte. Erschöpfungszustände musste ich mir verkneifen. Mit 69 Jahren kündigte ich selbst die Halbtagsstellung bei einem Steuerberater. Messie-artig war unser Haushalt – auch heute – nie. Was ist heute los? Wieso sind die Frauen heute so ausgebrannt ? Sind die eigenen Ansprüche vielleicht zu hoch? Oder sind drohende Arbeitslosigkeit und dadurch entstehende Unsicherheit – damals nicht vorhanden – heute die Auslöser des Ausgebranntseins von Müttern ?

Christine Rehder, per E-Mail

A-7-Deckel ist eine Legoland-Farce

11./12. Juni: Erst reden, dann bauen. Bürger haben erstmals Mitspracherecht bei Infrastrukturprojekten

Es hat schon etwas von einem Aprilscherz, wenn man in der Zeitung etwas von Bürgerbeteiligung liest und gleichzeitig auf einem großen Foto den A-7-Deckel gezeigt bekommt. Wer möchte das Gefahrenpotenzial des Elbtunnels über mehrere Dutzend Kilometer verlängert wissen? Wer möchte sein Gartenhäuschen auf diesem Tunnel bauen und sich täglich von Abgasen umnebelt wissen? Oder werden diese bis Finkenwerder umgeleitet? Der Ausbau der A 7 ist unverzichtbar, aber den Deckel da darauf können wir uns im wahrsten Sinne des Wortes sparen. Die „Verbindung zweier Stadtteile“ ist eine Legoland- Farce­ der Politiker.

Christian Enger, per E-Mail

Freude auf die Wetterüberschrift

16. Juni: Wetter: Sommerlicher
Reimfall

Das Erste, worauf meine Frau und ich uns täglich im Hamburger Abendblatt voller Spannung freuen, ist die Kurzfassung des Wetterberichts: Welche Schlagzeile hat diesmal den zuständigen kombinationsbegabten geistreichen Redakteur zu einer dazu passenden Überschrift mit Begleittext inspiriert? Der „Sommerliche Reimfall“ in Analogie zu den humorvollen Reimen in „Die Stadt – ein Gedicht“ ist mal wieder ein besonders gelungener Einfall. Gratulation. Das tägliche Vergnügen an diesen zumeist sehr geglückten Verknüpfungen erleichtert dann erheblich die weitere Lektüre über die vielfach unerfreulichen Geschehnisse in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft.

Heinrich J. Dähn, per E-Mail