Briefe an die Redaktion

Briefe an die Redaktion: 27. Mai 2016

Es geht nur ums Geld

26. Mai: Das Free­zers-Drama

Es ist einfach nur traurig und vor allen Dingen völlig unverständlich, dass die Anschutz Entertainment Group (AEG) den Proficlub nicht früher informiert hat, denn dann wäre wohl mehr möglich gewesen, um eine Lizenz zu beantragen. Mir scheint, dass es genau so gewollt war. Immer wieder gibt es Probleme, wenn man von einem Geldgeber abhängig ist. Und wieder mal ist es ein gewaltiger Rückschlag für die selbst ernannte Sportstadt Hamburg. Und die Politik in Hamburg? Kein öffentliches Bekenntnis oder ein Wort der Unterstützung, das ist wieder einmal der privaten Initiative überlassen. Was bleibt, ist Traurigkeit über die Situation der Mitarbeiter und alles, was mit diesem Desaster zusammenhängt. Es geht den Investoren leider nur noch um Geld; der Sport interessiert doch da gar nicht mehr.

Ingo Kröger, Reinbek

Auf Forschung konzentrieren

Unfassbar die Wichtigkeit, die man diesem Thema beimisst. Das Bemühen Hamburgs, sich als Sportstadt zu präsentieren, ist geradezu absurd. Hamburg sollte sich stärker auf Wissenschaft, Forschung, Wirtschaft und Kultur konzentrieren, statt den letztlich relativ wenigen aktiven Sportlern derartige Bedeutung beizumessen.

Erhart Wattenberg, per E-Mail

Sinnlose Geldausgabe

25. Mai: 240.000 Euro für WC-Gut­ach­ten. Warum die Untersuchung so teuer war

So, so, da liegen die öffentlichen Toiletten also in der Zuständigkeit diverser Behörden, und keine sieht sich in der Lage, die bei ihnen beschäftigten Angestellten und Beamten anzuweisen, eine Analyse der Örtlichkeiten zu erarbeiten. Stattdessen muss ein teures Gutachten extern erstellt und bezahlt werden, selbstverständlich aus den so reichlich sprudelnden Steuereinnahmen. Dieses Geld einzusparen hätte eventuell auch zu geringeren Benutzungsgebühren führen können. Eine Regierung, die so leichtfertig mit Steuergeldern umgeht, muss sich nicht wundern, wenn Politikverdrossenheit weiter fortschreitet, zumal die Stadt ihre Hausaufgaben nicht ansatzweise erledigt hat. Zu nennen wären da die 3000 abgeholzten Bäume, die noch nicht wieder aufgeforstet wurden, die Begrünung der Flachdächer und Fassaden stadteigener Gebäude, um Feinstaub zu binden, die Beseitigung der Schlaglöcher auf Straßen und Radwegen, die Subventionierung einer fehlenden HVV-Umweltjahreskarte wie in Wien oder eines freien Eintrittstages in der Woche für alle Museen, wie er seit Langem in München üblich ist.

Brigitte Endriss, per E-Mail

WCs für Barmbek-Süd

Mir fehlt eine Planung für weitere öffentliche WCs. In Barmbek-Süd am Wandse-Grünzug und an der Veloroute 6 gibt es einen gut besuchten Spielplatz, eine ausgedehnte Grünanlage mit Grillzone und vielen Liegeflächen, aber ohne ein zugängliches WC in erreichbarer Nähe. Zum Glück gibt es Büsche und Bäume. Liebe Stadtreinigung, schauen Sie doch mal bei gutem Wetter bei uns vorbei und sehen sich die vielen Menschen an. Sprechen Sie mit den Bewohnern der anliegenden Häuser, die die „Ersatzlösungen“ direkt vor der Nase haben. Vielleicht bekommen Sie dann den durchaus zutreffenden Eindruck, dass Sie nicht nur hier noch viel zu tun haben.

Frank Lundbeck, per E-Mail

Beheizte Toiletten in Tokio

„Und wenn ich nicht mehr weiterweiß, dann gründe ich ’nen Arbeitskreis.“ Nach diesem Motto scheint der Hamburger Senat Aufträge für Gutachten wie im Schlussverkauf zu vergeben. Dabei wäre das Problem einfach zu lösen. Man setze einen Experten der Behörde in einen Flieger nach Tokio. Dort kann dieser sich über eine japanische Tugend kundig machen. Er findet an jeder U-Bahn-Station in ausreichender Zahl Toiletten nach asiatischer und europäischer Art. Diese sind sauber, oft beheizbar und dazu kostenlos. Verunreinigungen in Bahnhofsnähe sind dort daher unbekannt.

Heinz-Georg Tillack, per E-Mail

Neue Formen des Erinnerns

25. Mai: Die Stol­per­steine des Anstoßes. Darf man NS-Opfer mit Füßen treten?

Für mich sind Stolpersteine auf keinen Fall da, um sie „mit Füßen zu treten“, sondern um innezuhalten und der Opfer der Nazis von vor über 70 Jahren zu gedenken. Ich kann nicht verstehen, wie dieses Projekt anecken und eine Immobilie deswegen an Wert verlieren kann. Natürlich gibt es Menschen, die unbedacht oder auch bewusst darauf „treten“, doch es gibt eben auch solche, die zum Nachdenken gebracht werden. Jeder Einzelne, der durch einen Stolperstein „erreicht“ wird, ist ein großer Schritt gegen das Vergessen. Ich trete niemals bewusst auf einen Stolperstein, häufig lese ich ihre Inschrift und versuche, mir die Schicksale der erwähnten Menschen vor Augen zu führen. In meinem Alter habe ich viel über die Nazi-Zeit und deren schrecklichen Taten gelesen, dass ich sehr traurig an die jeweiligen Einzelschicksale denke und mir gut vorstellen kann, was ihnen widerfahren ist. Dass nun in München andere Formen des Erinnerns gesucht werden, ist gut. Was damals geschehen ist, dürfen wir und unsere Nachfahren auf keinen Fall vergessen.

Karin Schramm, per E-Mail

Putz-Paten für Stolpersteine

Ich gebe zu, dass ich oft die Stolpersteine „mit Füßen trete“, und zwar mit voller Absicht. Denn als ich vor bald acht Jahren einen fast nicht mehr lesbaren Stolperstein sah, versuchte ich, mit meiner Gummischuhsohle den Stein sauberer zu bekommen. Dies funktionierte sogar ein wenig. Dadurch bin ich auf die Idee gekommen, eine Gruppe von Putz-Paten zu gründen, die die Stolpersteine in Hohenfelde und Uhlenhorst regelmäßig pflegt. Unsere Gruppe gibt es seit mittlerweile sieben Jahren. Da ich z. B. „meine“ Stolpersteine nur dreimal im Jahr ordentlich putze, sie aber schon spätestens nach zwei Wochen wieder matt werden, sind sie nicht immer blank. Wenn ich also an den Stolpersteinen unserer beiden Stadtteile vorbeigehe, „putze“ ich die Steine mit meiner Schuhsohle ein wenig blanker. Dabei spreche ich das jeweilige Opfer an und grüße es sogar. Missachte ich damit das Opfer?

Annegret Krol, per E-Mail