Briefe an die Redaktion

Briefe an die Redaktion: 28. August 2015

| Lesedauer: 5 Minuten

Mehr Toleranz zeigen

27. August: Merkel in Heidenau ausgebuht. Aufgeheizte Stimmung: Kanzlerin nennt Angriffe auf Flüchtlingslager ,beschämend und abstoßend‘

„Es gibt keine Toleranz gegenüber denen, die die Würde der Menschen infrage stellen.“ Es wäre wünschenswert gewesen, wenn die Bundeskanzlerin diese Worte auch bei ihrem Auftritt in Duisburg-Marxloh gewählt hätte. Toleranz sollte nicht nur von der deutschen Bevölkerung eingefordert werden. Es sollte eine Selbstverständlichkeit sein, dass auch Zuwanderer gegenüber ihren deutschen Mitbürgern Toleranz zeigen.

Es darf nicht sein, dass Stadtteile mit vielen Migranten zu sozialen Brennpunkten werden, in denen sowohl die Polizei als auch die deutschen Mitbürger in Angst leben.

Petra Funck, per E-Mail

Dem Anlass anpassen

26. August: Mehr Betreuer für Flücht­linge.“ Lesermeinungen zum Foto auf Seite vier

Ich finde es rühmlich, dass Jana in der Erstaufnahmeeinrichtung ehrenamtliche Hilfe leistet. Besser fände ich jedoch, wenn sie sich nicht so freizügig zu diesem Anlass kleiden würde. Man sollte Rücksicht auf die Menschen nehmen, welche diesen Kleidungsstil bestimmt nicht gewöhnt sind. Dass das Abendblatt dieses auch noch so großformatig darstellt, finde ich ebenfalls befremdlich. Ich bin bestimmt nicht prüde, aber man sollte sich doch den Anlässen anpassen.

Svenin Tiede, per E-Mail

Respekt vor fremden Kulturen

Ich freue mich über Menschen wie Jana, die auf Seite vier mit Bild abgedruckt ist. Sie ist jung, vermutlich couragiert, auf jeden Fall aber engagiert und strahlt Idealismus aus. Bei allem Idealismus gehört es meiner Meinung nach beim Helfen aber auch dazu, die kulturellen Besonderheiten der Hilfebedürftigen zu berücksichtigen und zu respektieren. Die Flüchtlinge kommen teilweise aus Regionen, in denen der Islam als Glaube vorherrscht. Dieser bringt es mit sich, dass Frauen evtl. eine andere gesellschaftliche Stellung haben als Männer und wirkt sich mitunter auch auf die „Kleiderordnung“ aus, die in der Regel deutlich weniger freizügig ausfällt als auf dem Foto.

Ralph Voß, per E-Mail

Schiedsgerichte ablehnen

26. August: Bündnis fordert Stopp von TTIP-Ver­hand­lun­gen

Die Artikel und Leserbriefe lassen den wichtigsten Kritikpunkt außer Acht: die privaten Schiedsgerichte. Ein US-Konzern, dessen Gewinn durch staatliche Maßnahmen sinkt, kann diesen Staat vor einem privaten US-Schiedsgericht auf Schadenersatz verklagen. Die US-Administration stellt die EU-Staaten somit auf eine Stufe mit Entwicklungsländern, das ist inakzeptabel. Den Vorschlag von Sigmar Gabriel, einen internationalen Handelsgerichtshof einzurichten, haben die US-Verhandlungspartner angeblich abgelehnt. Dann sollte die Europäische Union die Schiedsgerichte auch ablehnen. Wenn die USA weiter darauf bestehen, sollte die EU die Verhandlungen abbrechen. Die Klage von Vattenfall wegen des Atomausstiegs muss Warnung genug sein.

Reinhard von Kamptz, per E-Mail

Fakten fehlen

24. August: Die absurde Angst vor dem Frei­han­del. In der Debatte um das Abkommen TTIP dominieren Mythen und Vorurteile

Nun hat ein Befürworter des Abkommens TTIP es den Gegnern aber einmal richtig gezeigt und Fakten geliefert. Welche Fakten? Ich finde keinen Hinweis darauf, das es sich hier um eine neue Form von Abkommen handelt. Es gibt keine Information über das Ziel der Transnationalen Konzerne, eine Art Paralleljustiz mit Hilfe privater, internationaler Rechtsanwaltskanzleien in der Form von Schiedsgerichten einzuführen, nichts über die beabsichtigte Einsetzung eines „Regulatorischen Rates“, der Gesetzesänderungen vor der Befassung der nationalen Parlamente begutachten soll, schon gar nichts über die zwölf Konventionen der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO), die u.a. gewerkschaftliche Vertretung und Mitbestimmung in den Unternehmen sichern – und denen die USA (bis auf drei) nicht beigetreten sind, kein Wort über die beabsichtigte Privatisierung von öffentlichen Dienstleistungen und schon gar keine Idee darüber, wie die Vorschriften für die Zulassung von z.B. Körperpflegeprodukten angeglichen werden sollen. In der EU dürfen 1378 Substanzen gemäß der EU-Kosmetik-Verordnung nicht verwendet werden, in den USA – nach deren Standards – allerdings nur insgesamt elf.

Gerd Lütjens, Hamburg

Kinder brauchen Freizeit

26. August: So viele Schüler wie seit dem Jahr 1983 nicht mehr. Ganztagsunterricht wird in Hamburg immer beliebter

Mit der Aussage „mittlerweile muss man schon mit der Lupe suchen, um nachmittags freilaufende Grundschulkinder zu finden“ hat sich der Schulsenator ein Armutszeugnis ausgestellt. Was für eine Generation von gestressten und gleichgeschalteten Wesen ziehen wir uns da eigentlich ran? Gerade Kinder im Grundschulalter gehören nicht dauerhaft den ganzen Tag in Schulen „eingeschlossen“. Warum meinen wir, unseren Kindern schon in frühester Kindheit einen langen Arbeitsalltag zumuten zu müssen, an dem oft genug gestandene Erwachsene zerbrechen?

Karolin Warnke-Saak, per E-Mail

Hysterische „Gutmenschen“

22./23. August: Flücht­lin­ge, meine neuen Nachbarn. Jan Melzer über den Bau einer Flüchtlingsunterkunft in seinem Wohnort Poppenbüttel

Herr Melzer zeigt sich irritiert-verständnislos angesichts Herrn Ikens Einschätzung, in der Flüchtlingsdebatte dominiere „nur noch eine Meinung“.

Ich teile Herrn Ikens Einschätzung, erlebe viele selbsternannte „Gutmenschen“ als geradezu hysterisch darauf bedacht, dass nur ihrer Ansicht nach „politisch korrekte“ Meinungen zugelassen werden. Wer Bedenken/Zweifel anmeldet oder simple Fragen aufwirft, wird von diesen „Ethik-Wächtern“ nahezu kriminalisiert – ein grenzwertiges Demokratieverständnis.

Claudia Domdey, per E-Mail

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Leserbriefe