Briefe an die Redaktion

Briefe an die Redaktion: 14. Juli 2015

Container im Stadtpark?

11./12. Juli: Flücht­lings­lage wird dra­ma­tisch. 300 Flüchtlinge kamen allein in der Nacht zum Freitag nach Hamburg

Wie viele Flüchtlinge will Hamburg noch aufnehmen? Jedem halbwegs intelligenten Menschen ist klar, dass diese Willkommenskultur zu immer neuen Flüchtlingsströmen führen wird. Wie will man dem begegnen? Soll der Stadtpark mit Wohncontainern zugepflastert werden? Wäre es nicht an der Zeit, die Politik zu ändern und nur noch jene aufzunehmen, die wirklich Flüchtlinge aus politischen Gründen sind, so wie es das Gesetz eigentlich vorsieht? Wir können nicht das Elend der ganzen Welt heilen.

Mike Lasker

Abi-Anforderungen gesunken

11./12. Juli: Hamburgs Ab­itu­ri­en­ten – immer mehr, immer bessere Noten

Mit keiner Silbe wird überlegt, ob die Entwicklung vor allem auf die stetig gesenkten Anforderungen zurückzuführen sein könnte. In den 50er- und 60er-Jahren wurden weniger als zehn Prozent eines Jahrgangs in die Gymnasien aufgenommen. Einen Notendurchschnitt von 1,0 gab es gar nicht, ein Schnitt von 2,0 war die absolute Ausnahme. Und heute muss man sich auch fragen, warum die Hamburger Gymnasiasten mit ihrem Wissen und Können weit hinter denen in Bayern zurückhängen. Dort liegt die Abiturientenquote nämlich nur bei 30 Prozent.

Manfred W.H. Kuhlmann

Anonyme Korrektur fehlt

Bildungssenator Ties Rabe freut sich über einen starken Anstieg der Abiturientenzahlen und über eine deutliche Verbesserung der Abiturdurchschnittsnote der Hamburger Abiturienten. Dies ist zumindest teilweise eine Selbsttäuschung, denn seit zwei Jahren werden die Abiturklausuren nicht mehr anonym von Kollegen einer anderen Schule korrigiert, sondern von Fachkollegen derselben Schule. Das liegt daran, dass das schriftliche Abitur von Februar auf Mai verschoben wurde und daher für die aufwendige, anonyme Korrektur die Zeit fehlt. Da ich selbst Abiturprüfungen abnehme, weiß ich sehr genau, dass man das eigene Nest nicht beschmutzt. Seltsamerweise gibt es jetzt seit zwei Jahren kaum mehr Abweichungen von den Noten, die bei der Erstkorrektur erteilt wurden. Bis vor zwei Jahren hatten wir bei circa 40 Prozent der Abiturklausuren deutliche Abweichungen nach unten von den Noten der Erstkorrektur. Und das senkte natürlich die Abiturdurchschnittsnote.

Lasse Bergbiegel

Sind Kinder heute schlauer?

In den späten 70er- und 80er-Jahren betrug die Quote der Abiturienten etwa die Hälfte, und das bei 13 Schuljahren. Sind die Hamburger Kinder also so viel schlauer und fleißiger geworden? Mitnichten. Der Anstieg ist primär auf eine dramatische Absenkung der Anforderungen in allen Fächern zurückzuführen. Damals wussten auch die meisten Abiturienten, was sie beruflich machen oder welches Studium sie aufnehmen wollten. Heute haben viele Abiturienten keine klaren Vorstellungen über ihre berufliche Zukunft, wahrlich ein Zeichen der „Reife“. Dabei war die Reduzierung auf zwölf Schuljahre vor Jahren, gefordert von der Wirtschaft und den Finanzministern, doch vorrangig mit dem Ziel begründet worden, junge Leute früher in das Arbeitsleben zu bringen, um angesichts der Alterung der Gesellschaft die Lebensarbeitszeit zu verlängern. Dass das heutige Abitur auch nicht mehr ausreichend für ein Studium vorbereitet, belegt die Tatsache, dass bis zu 40 Prozent der Studenten ihr Studium abbrechen. Kann unsere Gesellschaft sich das leisten? Ein Blick auf das viel gelobte Finnland, das deutschen Bildungspolitikern als Vorbild dient, zeigt ein überraschendes Bild: Finnlands Schüler verdankten ihren Vorsprung nach internationalen Recherchen ihren älteren, autoritären Lehrern. Seit deren Ausscheiden geht es bergab. Aber es lässt sich noch eine andere Parallele ziehen: In den 70er-Jahren lag der Anteil der Gymnasiallehrerinnen deutlich unter 30 Prozent, heute ist er fast identisch mit der Quote der Abiturienten. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt!

Werner Bostelmann

Auspuffgase in der Nase

8. Juli: ,Die Fahrradpolitik ist ein Schildbürgerstreich.‘ Der Unternehmer Klaus-Michael Kühne im Interview

Es ist eine Wohltat, dass ein Mäzen und angesehener Bürger Hamburgs mal das Kind beim Namen nennt. Man kann zu Herrn Kühne stehen, wie man will, in diesem Punkte teile ich vollkommen seine Ansicht. Vor Kurzem bin ich mit dem Pkw die gesamte Fuhlsbütteler Landstraße, die jetzt nur noch einspurig und mit dem viel gepriesenem Fahrradweg ausgestattet ist, heruntergefahren. Vorweg ein Lkw mit Anhänger, der an den Ampeln nur schwerfällig in die Gänge kam und hinter sich einen Rattenschwanz von 15 Pkw herzog. Überholen nicht möglich. Wie schön für die Anwohner rechts und links der Straße, die den ganzen Tag die Auspuffgase in der Nase haben.

Rolf Kettner

Firmenarchiv veröffentlichen

Auch für die Unternehmens- und Familiengeschichte von Kühne + Nagel und der Familie Kühne gilt: Es gibt keine Sippenhaft, es gibt keine kollektive Schuld – es gibt aber eine kollektive Verantwortung. Klaus-Michael Kühne wird dieser Verantwortung im Hinblick auf die Aufarbeitung der Rolle von Kühne + Nagel und vor allen Dingen seines Vaters Alfred im Nazireich Deutschland zwischen 1933 und 1945 überhaupt nicht gerecht. Er hat sie aber zu leisten. Davon und nicht von den vielen Spenden hängt in Zukunft sein Image und sein Ruf in seiner Geburtsstadt ab. Interne Aufarbeitung über diese Zeitgeschichte seines Unternehmens reicht nicht. Kühne muss alle Unternehmensarchive und die unternehmensbezogenen Teile seines Privatarchivs einer unabhängigen Historikerkommission zur Auswertung zur Verfügung stellen. Und diese hat zu entscheiden, was veröffentlicht wird.

Werner Dobritz

Gelungene Beschreibung

6. Juli: Menschlich gesehen, Meinhard von Gerkan, Der Weltarchitekt

Eine sehr gelungene Menschenbeschreibung, endlich einmal ohne die üblichen, neiderregenden Superlative.

Dr. Gerd Rieger