Briefe an die Redaktion

Briefe an die Redaktion:

Dirigent Obama

5. Juni: Leitartikel, Putin fehlt. Auf Schloss Elmau werden sich die G7 über den Achten unterhalten. Besser wäre es, mit ihm

Dem Leitartikel kann man nur zustimmen, Putin fehlt. Aber noch so gute Gründe, warum er dabei sein sollte, helfen nichts. Es ist zu spät. Außerdem sollte nun endlich klar sein: Das kleine Orchester in Elmau dirigiert Obama. Und eine Balalaika darf da nicht gezupft werden.

Hans-Emil Schuster

Genau hinsehen

4. Juni: Wie viele große Projekte braucht eine große Stadt? Hamburg und seine Partnerstädte St. Petersburg, Prag und Dresden diskutieren heute über die Metropole von morgen – beim ersten Urban Partnership Forum von Abendblatt und HSH Nordbank

Hamburg sollte bei seinen Partnerstädten genauer hinsehen. Ob Dresden, Prag oder St. Petersburg, klugerweise gibt es dort auch Straßen-, bzw. Stadtbahnen, und diese Städte fahren im wahrsten Sinne gut damit. Würde Bürgermeister Olaf Scholz sein dogmatisches „Nein“ hierzu aufgeben, könnte Hamburg endlich anfangen, viele Verkehrsprobleme mit diesem alternativlosen Verkehrsmittel zügig und kostengünstig zu lösen.

Jens Ode

Für Steuerzahler unzumutbar

4. Juni: Hamburger machen den Hafen schneller. Lufthansa Industry Solutions stellt bei Welthafenkonferenz Software für Terminalbetreiber vor. Logistik-Experten profitieren von Erfahrung an Flughäfen

Auch wenn bisher immer nur der olympische Gedanke in den Metropolen der Welt vorherrschte: „Immer höher, schneller oder weiter“, so muss man sich jetzt doch eingestehen, dass dieses Motto letztlich nur sich selber schadet. Es stellt sich doch für alle Beteiligten zunehmend die Frage, wie soll eigentlich noch die Infrastruktur, z.B. im Hafen am Kai, in der weiteren Logistik von Bahn, Straße und Lkw damit mithalten? Wer soll dann eigentlich die gewaltigen Kosten dieser Megaexpansionsgelüste der immer größeren Containerriesen neben einer immer tieferen Ausbaggerung der Schifffahrtswege auch noch mit zusätzlichen Anpassungen in der Infrastruktur von Schiene und Straße finanzieren? Dem Steuerzahler sind solche wirklich unnötigen Megafinanzierungen auf Dauer jedenfalls nicht oder nicht mehr zuzumuten!

Hans-Jürgen Vogt

Autofahrer überfordert

3. Juni: Unfälle mit Bussen – sind Au­to­fah­rer rück­sichts­los? Verkehrsbetriebe suchen nach Konsequenzen aus den Zusammenstößen mit 19 Verletzten

Wie lange will man die Autofahrer noch durch die einfallslose und autofahrerfeindliche Verkehrspolitik überfordern? Immer mehr Verkehrsschilder, Busspuren, Fahrradspuren, unübersichtliche Straßenführungen behindern die Autofahrer immer mehr; das Unfallrisiko steigt von einer Maßnahme zur nächsten. Und was tut der ADAC für die Autofahrer und seine Mitglieder? Früher gab es auch mal eine „grüne“ Welle für die Autofahrer, heute kann man froh sein, wenn man eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 20 km/h durch die Stadt erreicht. Die Autofahrer werden nur noch rechtlos mehr und mehr zur Kasse gebeten. Es wird Zeit, dass diese sich mal solidarisch wehren.

Dipl.-Ing. Karl-Heinz Dühring

Lächerlich

Geradezu lächerlich kommt die Äußerung des HVV herüber, man könne nicht mehr tun, als intensiv zu schulen. Doch kann man: prüfen, ob die Schulungsmaßnahmen im Alltag auch umgesetzt werden und Fahrpläne so gestalten, dass sie realitätsnah sind.

Michael Schmidt

Wo bleibt die Persönlichkeit?

30. Mai: Abi 2015: Feiern wie die Promis. Hamburger Gymnasiasten bereiten ihren Abschlussball vor. Chic und teuer muss er sein. Das Parkett wird zum Laufsteg

Ihr Artikel mag zwar dem Wunsch nach Luxus der Abiturienten von heute im vollen Umfang entsprechen. Aber jeder, der schon einmal einen dieser überkandidelten Abi-Bälle miterlebt hat, wird feststellen und zugeben, dass man Stil nicht kaufen kann. Mit Luxus lässt sich äußerlich zwar einiges vertuschen. Zu späterer Stunde aber nach reichlich Alkoholkonsum und anderen Substanzen fällt dieses gar nicht mehr so schöne Bild recht schnell zusammen und hat nichts mehr mit „Feiern wie die Promis“ zu tun. Zerrissene Abendkleider und Anzüge, dabei die Krawatten auf halb acht, abgebrochene Pumps-Absätze, zerzauste Frisuren und verlaufene Schminke zeigen dann, wie die Realität aussieht. Da lobe ich die 1960er- und 1970er-Jahre, in denen das Gegenteil und Verweigerung der Fall war. Und heute? Wo bleiben die Persönlichkeit, das Aufbegehren und die eigene Identität? Denn darum geht es ja eigentlich! Hier kann man erkennen, wie verwöhnt heute unsere Kinder geworden sind. Armes Deutschland!

Hans Meins

Falsche Priorität

1. Juni: Neue Idee: Olym­pia­sta­dion wird zur Wohn­an­lage. Stadtplaner entwickeln Vorschläge zur Gestaltung des Geländes auf dem Kleinen Grasbrook, schlagen Varianten zur nachhaltigen Nachnutzung vor. Erste Demonstration gegen Olympia

Nach den bisherigen Erfahrungen darf man bei einer Kostenschätzung im öffentlichen Bauwesen getrost davon ausgehen, dass die genannten Summen sich deutlich erhöhen werden. Ich wäre

nicht überrascht, wenn das Olympiastadion bei Fertigstellung und Abrechnung über eine Milliarde Euro gekostet haben wird. Dieser Wert soll nach den Spielen dann so einfach vernichtet werden? Solange es in Hamburg noch Bedarf an für Normalbürger bezahlbarem Wohnraum gibt oder sich Hunderttausende Bürger ohne U-Bahnanschluss regelmäßig mit Bussen durch den Verkehr quälen müssen, wäre eine Jahrhundertveranstaltung für unsere Stadt die falsche Priorität. Erst kommt der Bürger, und wenn darüber hinaus alle Schulden getilgt sind, dann kann man auch an Olympia denken.

Detlef Kleinfeldt