Briefe an die Redaktion

Briefe an die Redaktion: 19. Mai 2015

Kassenschlangen kosten Zeit

18. Mai: Ökonomen plädieren für Abschaffung des Bargelds

Namhafte Ökonomen haben mit ihrer Präferenz zur Abschaffung des Bargeldes theoretisch vielleicht nicht unrecht, auch weil eine Bargeldabschaffung Schwarzarbeit und Drogenschmuggel erschwert. Meinen Interessen entspricht das trotzdem nicht. Nicht weil ich ein Drogendealer bin, sondern gerne bar bezahle. Ich ärgere mich oft in der Kassenschlange beim Einkaufen, weil vor mir wieder ein Kunde mit dem Kartenlesegerät nicht klarkommt. Wieso darf der einfach meine Zeit klauen? Ich habe auch kein Interesse daran, dass Banken über meine Einkäufe Informationen erhalten, diese verkaufen und ich dann mit Werbung bombardiert werde, die ich nicht brauche. Und ich müsste ohne Bargeld auf die freudige Reaktion meiner Enkel und mancher Bettler verzichten, wenn mal wieder eine Münze oder ein Schein den Besitzer wechselt. Das wäre schade! Ist alles keine große Theorie, aber kleine Praxis, die für mich nicht unwichtig ist.

Klaus-Peter Koppelmann

Vorbild Hausmeister

16./17. Mai: Van­da­lis­mus an Schulen richtet Mil­lio­nen­scha­den an. CDU fordert Senat zum Handeln auf

Vor einigen Monaten hatte ich ein Klassentreffen in meiner ehemaligen Grundschule. Unser Ansprechpartner des nachmittäglichen Treffens war der Hausmeister. Am Eingang hat er ein offenes Büro, ist während der Schulzeit präsent und wird von den Schülern respektiert. Das Kollegium unterstützt seine Arbeit und er das Kollegium. Für den Schulgarten fühlt er sich genauso zuständig wie für die Klassenräume, Flure, Mensa, Küche und den Werkraum. Die Freude an seiner Arbeit war bemerkenswert, und diese bewies er auch dadurch, dass er uns nach Feierabend die Schule öffnete und zeigte. Solche Hausmeister sind anscheinend selten geworden. Oft sind es Springer, die für mehrere Schulen arbeiten. Handwerkliche Arbeiten gehören offenbar nicht mehr zu ihren Aufgaben. Zerstörungen und Schmierereien bleiben tagelang sichtbar und animieren zu weiterem Vandalismus. Ganz davon abgesehen, dass manche Schulgebäude soweit heruntergewirtschaftet sind, dass eine Rücksichtnahme von Schülern nicht überzeugend eingefordert werden kann. Ich frage mich, warum der von der Behörde beauftragte Landesbetrieb Schulbau Hamburg und die Gebäudemanagement Hamburg GmbH, zuständig für Bau und Bewirtschaftung Hamburger Schulen, keine Hausmeister/innen findet, die handwerklich begabt sind und diesen Beruf für und mit Kindern mit Engagement ausüben möchten? Solche Hausmeister wären Vorbilder für die Schüler und gehörten zu einer umfassenden Bildung.

Antje Schmidt-Kloth

Ein Stück Wahrheit

16./17. Mai: Zwischenruf. Haupt­sa­che, genug Senf im Haus

Einfach köstlich die Glosse! In einer Zeit, da sich auf vielen Seiten die Meldungen über Unglücke, Verletzte und Tote, Streitigkeiten und ungelöste Probleme häufen, ist dieses nicht nur als Glosse zu verstehen, sondern beinhaltet auch ein Stück Wahrheit und lässt viele von uns lächeln – das ist doch ein Erfolg!

Kai Müller

Ein unvergessliches Erlebnis

15. Mai: Die Seelen und die Herzen gehören Sophie Hunger

Der Artikel spricht mir aus dem Herzen. Ich hatte das Glück, Sophie Hungers Konzert im Mojo Club zu erleben. In meinem fast siebzigjährigen Leben habe ich so verehrungswürdige Musiker wie Bob Dylan, Van Morrison oder Neil Young hören dürfen. Sophie Hunger gehört mit ihrer qualitativ anspruchsvollen Musik in die Reihe außergewöhnlicher Komponisten und Interpreten. Sie und ihre Gruppe sind ein unvergessliches Erlebnis.

Peter Stolt

Investitionen werden reduziert

13. Mai: Streit im Bündnis für Wohnen: Senat ver­schiebt Miet­preis­bremse

Das Vorgehen des Grundeigentümerverbandes ist absolut richtig, weil es auf das mit der Mietpreisbremse verbundene Grundsatzproblem hinweist. Nur eine angemessene Rendite aus den Bestandsimmobilien schafft bei privaten Grundeigentümern das Interesse und die finanziellen Voraussetzungen für den Neubau von Mietwohnungen. Es ist nicht zuletzt die Spruchpraxis der Hamburger Mietrichter, die den Mittelwert des Mietenspiegels zum Maß aller Dinge machen, die die Vermieter dazu drängt, bei Neuvermietungen deutlich darüber hinauszugehen. Wenn dies nun per Gesetz untersagt wird, wird nicht nur das Interesse am Neubau abgewürgt, sondern werden sich drei Reaktionen einstellen: Mieterhöhungen im Bestand werden noch konsequenter vorgenommen, Investitionen in die Substanz werden auf das unverzichtbare Maß reduziert, und Wohnungen werden zunehmend als Eigentumswohnungen verkauft. Keine guten Aussichten für Mieter. Statt populistische Maßnahmen zu ergreifen, sollte der Senat weiter alles daran setzen, den Wohnungsneubau in Hamburg so einfach wie möglich zu machen, nur das wirkt mietpreisbremsend.

Annegret Wolf

Eigenständiges Urteil bilden

13. Mai: 179 Millionen Dollar für einen Picasso

Es ist ein Fehler, die Bedeutung eines Künstlers/einer Künstlerin an den Preisen, die seine oder ihre Bilder auf Auktionen erzielen, festzumachen. Mir wollte doch tatsächlich eine Kunsthistorikerin weismachen, der Wert von Kunst und die Bedeutung eines Künstlers entscheide sich am Markt. Mit Kunst und Kultur hat eine Auktion von Kunstwerken aber nur vom Namen her zu tun – es geht um Geschäft und Prestige, darum, ein einzigartiges Werk zu besitzen. Es könnte genauso eine Blaue Mauritius oder ein hochkarätiger Diamant sein. Ich habe meinen Schülern im Kunstgeschichtsunterricht immer versucht zu vermitteln, dass es einen sehr großen Unterschied zwischen dem Waren-Wert und dem wahren Wert von Kunst gibt, der aber manchmal schwer zu erkennen ist. Es kommt darauf an, sich ein eigenständiges Urteil zu bilden, das auf selbst erworbenem Wissen beruht und nicht auf dem von interessengebundenen Kunsthistorikern oder Galeristen.

Jens Homann