Briefe an die Redaktion

Briefe an die Redaktion:

Schlag ins Gesicht der Bürger

15. Mai: Eklat um Zeise-Park­platz. Trotz des laufenden Bürgerbegehrens erteilt das Bezirksamt Altona eine Baugenehmigung für Büros

Das ist ja wohl ein Schlag ins Gesicht! Da werden unter anderem im Bezirksamt die Unterschriftenlisten für den Bürgerentscheid ausgelegt, fristgerecht werden mehr Unterschriften als erforderlich übergeben, das Bürgerbegehren läuft, und jetzt die Baugenehmigung. Da hat die Bauabteilung ja mal schnell genug gearbeitet! Wo bleibt das Recht auf menschenwürdigen und bezahlbaren Wohnraum?

Monika Gutte

Rauchen ist Privatsache

15. Mai: Zwei Mil­li­ar­den Steuern von Kiffern. CDU-Politiker für die Legalisierung von Cannabis. Warnung vor Schäden durch Konsum von Alkohol

Ich kann es nicht mehr hören oder lesen, wenn sich die Politik in meine Privatsphäre mischt und die Hauptstelle für Suchtfragen weitere Verbote und Einschränkungen für Alkohol und Tabak wünscht. Es ist unbestritten, dass durch Rauchen und Alkohol etwa 200.000 Menschen jährlich sterben; aber diese Menschen tun das freiwillig, wissen über die Gefahren Bescheid. Und ich weiß das als Raucher auch und werde deshalb der Rentenversicherung, der Krankenkasse und der Pflegeversicherung etliche Jahre nicht zur Last fallen.

Dietmar Johnen-Kluge

Sehr gute Gesichtspunkte

13./14. Mai: Tod an den Schienen. Jeder dritte Bahnübergang in Schleswig Holstein ist unbeschrankt. Nachdem ein fünfjähriger Junge starb, entbrennt die Diskussion über die Sicherheit dieser Anlagen

Danke für Ihren Bericht. Sie haben sehr gut alle Gesichtspunkte für das Verhalten der Autofahrer an Bahnübergängen herausgearbeitet. Fazit: Wir lernen alle in der Fahrschule, was zu tun ist. Die Realität sieht anders aus. Was ich aber immer wieder bedenklich finde, ist die Aussage, dass möglicherweise die tiefstehende Sonne den (ortskundigen !?) Kraftfahrer geblendet habe. Das klingt hilflos. Jeder Autofahrer sollte sich fragen, wann er zuletzt an einem unbeschrankten Bahnübergang so von der Sonne geblendet wurde, dass er diesen nicht mehr erkannt und dann nicht angehalten hat.

Manfred Löber

Schwächere geschädigt

13./14.Mai: Verstehen Sie den Kita-Streik?

Ich kenne Streiks noch so, dass ausbeutende Fabrikbesitzer, die ihr Vermögen nicht geschwächt sehen wollten, erst durch den Ausstand nachgaben. Heute werden rücksichtslos unbeteiligte Schwächere geschädigt, gleich, ob Eltern von Kita-Kindern, Bahn/-Flugreisende oder Postkunden. Mir scheint, dass es zu einer neuen Kultur des Arbeitskampfes kommen muss.

Peter Wigandt

Streik als Rezept

Oh ja, und ob ich den Kita-Streik verstehe. Denn das Rezept ist immer dasselbe. Man hat keine Lust zu ernsthaften Verhandlungen oder erklärt sie gleich als gescheitert – und bricht einen Streik vom Zaun. Nicht etwa, um den Verhandlungspartner zu treffen, sondern um durch die Belästigung oder Behinderung völlig Unbeteiligter und im Hinblick auf die Streikziele völlig Machtloser Druck auf die Verhandlungspartner auszuüben. Dabei gäbe es ein sicheres Korrektiv, das sich anderswo seit Jahrhunderten bewährt hat. Im Rahmen der Tarifautonomie sollten vor einem Streik die Tarifpartner in ein Konklave eingeschlossen werden, so lange, bis sie zu einem Kompromiss gekommen sind und weißer Rauch aufsteigt. Keiner dürfte bis dahin den Saal verlassen. So könnte man die verfassungsmäßigen Rechte von Eltern, Reisenden oder Unternehmen auf freie Entfaltung ihrer Persönlichkeit sicherstellen.

Dr. Gunter Alfke

Nicht meckern

Es liegt mir fern, Menschen ihre Lebensplanung vorzuwerfen. Wenn man jedoch genau weiß, worauf es in der Kinderbetreuung ankommt, warum gibt man dann sein einjähriges Kind in eine Kita, anstatt sich selbst um die Kinder zu kümmern? Offenbar ist berufliche Entwicklung und wirtschaftlicher Wohlstand wichtiger als eigenbetreute Kinder. Wenn man sich dazu entschließt, seine Kinder in fremde Obhut zu geben, sollte man alles daran setzen, dass die Menschen, die einem dieses Vergnügen abnehmen, in die Lage versetzt werden, das sorgenfrei tun zu können und nicht an deren gerechter Bezahlung herummeckern.

Andreas Kaluzny

Ursache richtig erkannt

7. Mai: ,Manchmal fast le­bens­ge­fähr­lich´ Ex-BASF-Vorstand platzt der Kragen: Neue Fahrradstraße drängt Radler auf den Spazierweg am Alsterufer

Zweifellos ist die Nutzung des Fußweges entlang des westlichen Ufers der Alster durch Radfahrer ein Missstand, dem abgeholfen werden muss. Auch die Ursache dieses Missstandes ist richtig genannt, nämlich die Neugestaltung des Harvestehuder Weges als Fahrradstraße, die auch durch Kraftfahrzeuge genutzt wird. Abhilfe kann und wird es aber nicht, wie dort vorgeschlagen, durch strengere Kontrollen geben, sondern nur, indem den Radfahrern ein Weg gegeben wird, auf dem sie selbst ungefährdet fahren können – und das ist die Erweiterung und Wiedereröffnung des alten Fahrradweges.

Dr. Alexander von Samson-Himmelstjerna

Politiker tragen Mitschuld

15. Mai: Quoten für Flücht­linge – Ärger in der EU

Tausende sind in den vergangenen Jahren im Mittelmeer ertrunken, und es werden nicht die letzten sein. Wenn ich die Kommentare der Politiker dazu höre, kann ich nur den Kopf schütteln. Ich würde mir wünschen, dass die Politiker gründlicher über die Wirkung ihrer Worte nachdenken. In meinen Augen tragen sie durch ihr Gerede vom Einwanderungsland usw. ein gerüttelt Maß Mitschuld an den Tragödien im Mittelmeer.

Dr. Karl Hahn