Briefe an die Redaktion

Briefe an die Redaktion: 6. Mai 2015

Vorstand muss Vorbild sein

5. Mai: Bahnstreik: Deutschland versteht nur noch Bahnhof

Für uns alle wirklich ärgerlich, so ein lang anhaltender Arbeitskampf der Lokführer durch die Gewerkschaft GDL. Aber man sollte den Hintergrund des Streiks nicht aus den Augen verlieren. Solange die Bahn mit ihren Vorständen das maßvolle Angleichen im Einkommensniveau und bei den Bonuszahlungen nicht mit Bescheidenheit vorlebt, kann man doch nicht allen Ernstes von den Lokführern erwarten, dass diese sich bescheiden, quasi mit einer dem Trinkgeld gleichen Erhöhung ihrer Einkommen zufriedengeben. Wenn der Bahnvorstand seine Bonuszahlungen zurückgeben würde, könnte er vielleicht der Gewerkschaft GDL klar machen, dass es der Bahn Ernst ist mit der gewünschten Bescheidenheit. Tut er das nicht, so wird Herr Weselsky mit seiner Gewerkschaft wohl noch weitere Arbeitskämpfe und Streiks beschließen.

Hans-Jürgen Vogt

Verhandlungen abbrechen

Jetzt reicht es! Ich hoffe, dass die Arbeitgeberseite nicht nur hart bleibt, sondern die Verhandlungen abbricht. Es kann nicht angehen, dass eine Spartengewerkschaft, in diesem Falle die GDL, nicht nur überzogene Gehaltsforderungen, sondern vor allem ihre Machtinteressen ohne Rücksicht auf gesellschaftliche Belange durchsetzen will. Dieser Kampf wird nur auf dem Rücken der Bevölkerung ausgetragen. Das Beispiel GDL lässt sich auch auf andere Bereiche übertragen, wo Minigewerkschaften, wie die Pilotengewerkschaft Cockpit, völlig überzogene Forderungen durchsetzen wollen und dabei nur die Flugreisenden, nicht den Arbeitgeber treffen. Die Gewerkschaften müssen aufpassen, dass das Streikrecht, ein erkämpftes Gut der Arbeiterbewegung, nicht zum Instrument zur Durchsetzung oder zur Sicherung von Privilegien kleiner Berufsgruppen verkommt.

Hellmut Dürr

Zusätzliche Belastung

5. Mai: CDU: Hamburger sollen Flüchtlinge bei sich zu Hause aufnehmen

Der Ansatz ist sicherlich interessant. Nur müssen sich die Bürger und deren Familien auch bewusst sein, welche zusätzliche Belastung innerhalb ihrer privaten Umgebung auf sie zukommt. Ich kann dies etwas beurteilen, weil ich in unserem Dorf die Aktivitäten eines Helferkreises beobachte. Und ich stelle mir die Frage, wie viele der Befürworter aus der CDU, wie Frau Prien, wohl schon selbst Flüchtlinge bei sich zu Hause aufgenommen haben oder aufnehmen werden und sich intensiv um diese dann auch kümmern wollen.

Norbert Rudolf

Mängel visualisieren

5. Mai: Serie: Hamburg für Anfänger

Diese Serie ist lesenswert und bringt den Hamburgern (alt)schöne Stationen der Stadt wieder näher. Auch wenn ein „flotter Strich“ die neue Silhouette der Stadt mit den berühmten Türmen und Gebäude zeigt, so erscheinen diese etwas „zu harmonisch“. Dabei hat schon die Köhlbrandbrücke ihre Macken, die Elbphilharmonie ist noch „unfertig“, der Fernsehturm marode und das Drehrestaurant immer noch für die Besucher und Besucherinnen geschlossen. Vielleicht lassen sich all diese Mängel einmal „mit flottem Strich“ visualisieren, damit die Stadt-Verantwortlichen gewarnt sind.

Heinz-H. Hendrich

Wie Phönix aus der Asche

4. Mai: Ein Tor mit Ansage

Der HSV kann ja doch noch spielen und vor allen Dingen auch gewinnen, wer hätte das nach dem Trauerspiel der vergangenen Monate gedacht. Man kann nur ahnen, was der Auslöser für diese Kehrtwendung war, wahrscheinlich waren es wohl doch die Trainer. Und jetzt kommt der totgeglaubte Verein wie Phönix aus der Asche und verlässt sogar die Abstiegszone. Die Lehre aus diesem Beinah-Desaster kann nur lauten: Die Spieler müssen nach Leistung bezahlt werden, dann ist der Trainer sekundär, denn im Endeffekt geht es doch nur ums Geld.

Helmut Jung

Kindheit auf der Baustelle

2./3. Mai: Wir brauchen ge­rech­tere Erb­schafts­steu­ern

Meine Eltern haben es durch Überstunden und großer Sparsamkeit zu einem kleinen Vermögen gebracht. Unser fahrbarer Untersatz war eine „Rostlaube“, und wir Kinder haben am Wochenende auf der Baustelle für ein eigenes Haus mitgearbeitet, Kanalisation verlegt, Steine gestapelt und Mörtel gemischt. Unser erspartes Taschengeld wurde, wenn das Geld knapp war, für die Zahlung des Darlehens herangezogen. Meine Mitschüler haben mich in der Schule belächelt, weil ich weder Markenklamotten getragen habe noch tolle Urlaube vorzuweisen hatte. Als diese harte Zeit vorbei war, sahen Verwandte und Freunde nur noch das riesige Haus, in dem wir wohnten. Generelle Meinung war, wer so viel besitzt, soll was abgeben. Meiner Meinung nach hat meine Familie für jetzt und für alle folgenden Generationen genug „Erbschaftssteuer“ bezahlt. Die geopferte Lebenszeit und -qualität, das investierte Geld und die Anfeindung der „Neider“ sollten ausreichen. Wohneigentum zu erben, ist per se kein Einkommen. Zu Einkommen wird es erst durch Vermietung oder Verkauf – bei beiden Varianten verdient der Staat durch Abgaben und Steuern mit.

Cerstin Probst

Broschüre ohne Ensemblebild

2./3. Mai: Auf der Suche nach dem ,Ham­bur­ger Klang‘

Bislang glaubte ich, Oper habe mit Gesang zu tun, aber weder in Ihrem Bericht noch in der offiziellen Spielplan-Vorschau findet sich eine einzige Zeile zu Ensemblemitgliedern, Chor und zu besonderen Gastsolisten. Stattdessen bietet die neue Saisonbroschüre ganzseitige Fotos von Dirigenten und Regisseuren. Zu einem Ensemblebild hat es offensichtlich nicht gereicht. Es ist enttäuschend und erschreckend, wie gering der Stellenwert der Sängerinnen und Sänger ist. Dabei zeigt ein Blick auf andere große Häuser: Wir Opernbesucher wollen tolle Musiker und tolle Stimmen, hin und wieder auch „Namen“.

Uwe Matzdorf