Briefe an die Redaktion

Briefe an die Redaktion:

Große Fragen bleiben ungelöst

10. April: ,Wir müssen länger arbeiten‘ Helmut Schmidt plädiert für späten Renteneintritt – auch für Menschen mit harter körperlicher Tätigkeit

Herr Schmidt stimmt in den sattsam bekannten Kanon ein, ohne eine der „großen Fragen“, die in der von ihm angeregten Studie gestellt werden, zu beantworten – wie auch im Artikel über die Studie insgesamt Antworten nicht zu finden sind oder nicht referiert werden. Der spätere Renteneintritt wird den „Wohlfahrtsstaat“ jedenfalls kaum aufrechterhalten können, wenn mit ihm nicht gleichzeitig mehr Arbeit geschaffen wird. Die Entwicklung der letzten 20 Jahre hat gezeigt, dass die absolute Menge an Arbeit nicht zugenommen hat, sondern lediglich die absolute Anzahl der Beschäftigten – mit anderen Worten: Mehr Menschen haben sich die vorhandene Arbeit geteilt, was sich sehr nachteilig auf ihre spätere Rentenhöhe auswirken und vielfach zu prekären Lebensumständen führen wird. Ein späterer Renteneintritt dürfte diese Tendenz verstärken und die Folgen verschärfen.

Ulrich Reppenhagen

Die Mutter braucht Hilfe

10. April: Mutter misshandelt Kind im Bus – Geldstrafe

In dem Fall hat mich erstaunt, dass unsere Justiz aus dem Fall Yagmur anscheinend immer noch nicht genug gelernt hat. Eine Geldstrafe für eine überforderte Hartz-IV-Mutter? Was soll das bewirken? Das Jugendamt hat die Wohnung zwar kontrolliert, aber keine Auffälligkeiten bemerkt. Und damit ist die Sache erledigt. Die Mutter sollte Hilfe bekommen und lieber Sozialstunden leisten. Mit einer Geldstrafe wird dem Kind nicht geholfen. Wir haben viele Bilder von fröhlichen Kindern gesehen, die heute leider nicht mehr am Leben sind. Das System ist noch sehr verbesserungswürdig. Ein großes Lob an die Zeugin, die den Fall zur Anzeige gebracht hat. Keiner sollte wegschauen, wenn es um das Wohlergehen unserer Kinder geht.

Daniela Kayser

Landwirte geben sich Mühe

8. April: ,Zu viel Gülle ist Gift für das Wasser‘ – Umweltbundesamt fordert mehr Ökolandbau in Deutschland

Seit dem Jahr 2000 nutzen immer mehr Landwirte das „Precision Farming“. Hierbei wird festgestellt, wo und in welcher Menge Düngemittel ausgebracht werden können. Die Landwirte investieren sehr viel Geld und Mühe, um den Stickstoff-, Kali-, Magnesium-Verbrauch etc. zu reduzieren. Trotzdem werden sie an den Pranger gestellt – wie in diesem Artikel. Der beschriebene Landwirt wird seit Jahren von uns beraten, konnte definitiv seine Düngemitteleinsätze reduzieren.

Detlev Beckmann, Precision Farming ­Expert

Seltsames Familienleben

8. April: Joachim Gauck ist Gabrielas Patenonkel

Beim Lesen des Artikels verwandelte sich anfängliche Freude darüber, dass Herr Gauck eine kinderreiche Familie unterstützt und in besonderer Form ehrt, in immer größeres Erstaunen, Fassungslosigkeit und sogar gewissen Ärger. Was ich lese, stimmt mich nachdenklich: Ein Mann, der sich an seiner großen Kinderschar freut, Mütter, die mit ihren Kindern im Ausland leben (sitzen gelassen wurden?) – alles kein Problem? Die Familie, in der es angeblich kein Problem ist, wie viele Kinder wann anwesend sind – alles fröhlich, alles nett, von der Allgemeinheit finanziert. Ist es wirklich gewollt, diese Art Familienleben herauszustellen? Ich kann nur hoffen, dass es nicht zu viele Nachahmer gibt. Ganz bestimmt ist das Leben nicht so „easy“, wie es hier dargestellt wird. Mir sind Familien bekannt, die Familienplanung bewusst begrenzen, da sie sich noch ein Kind nicht leisten können, oder Eltern, die mehrere Jobs haben, Nachtarbeit usw., um über die Runden zu kommen. Denen gehört meine Hochachtung für eigenverantwortliches Handeln.

Vera Haupt

Größte Herausforderung?

7. April: 20.000 feiern Oster-Hit- ­Marathon

Sie schreiben in dem Artikel: „Insgesamt waren die beiden 65 Stunden wach. Nur zum Frischmachen ging es mal für ein paar Minuten in ein nahe gelegenes Hotel: ,Das ist die größte Herausforderung, der ich mich bislang in meinem Leben gestellt habe‘, sagte der 26-jährige Naujok.“ Da dachte ich sofort – Donnerwetter, welch ein Leistungsvorbild heutzutage. In dem Alter haben wir vor 40 Jahren zwar auch mal über 48 Stunden durchgemacht, jedoch, um unsere Examensarbeit rechtzeitig abzuschließen. Aber so ist das wohl im jungen 21. Jahrhundert, wenn im dritten Jahr „Atemlos durch die Nacht“ ganz ganz weit vorne im Mainstream liegt.

Rainer Kranzusch