Briefe an die Redaktion

Briefe an die Redaktion

Rücktritte sind keine Lösung

20. Februar: „CDU vermeidet Scherbengericht“ und Leitartikel „Wersich muss gehen“

Nach dem Wahldesaster fällt die Kritik auf dem Parteitag überraschend zahm aus. Dies ist auch kein Wunder, da der Landesausschuss einstimmig die Wahlkampfstrategie genehmigt hatte. Die Parteibasis wurde bisher nicht befragt. Deren Arbeit wird zu wenig gewürdigt. Die CDU-Parteibasis wird das Wahlergebnis analysieren und die entsprechenden Schlüsse ziehen. Leider sind Rücktritte von einzelnen Funktionären nicht die Lösung. Wenn einige jetzt in der neuen Fraktion und im Parteivorstand als „Retter“ auftreten, darf die Frage gestellt werden, wo waren diese bisher oder wurden sie überstimmt?

Jörn Weiske

Radikal neu anfangen

Sicherlich war der Rücktritt der CDU-Spitze überfällig. Allerdings lohnt ein zweiter Blick. Denn die attraktiv bezahlten Posten behalten sowohl Wersich als auch Weinberg im Visier: Bürgerschafts-Vize für den einen und Erhalt des lukrativen Bundestagsmandats für den anderen. Wenn Unternehmer oder Topmanager eine Firma vor die Wand fahren, verlieren diese Geld, lukrative Posten und müssen mit Schadenersatzansprüchen rechnen. Nicht so in der Politik. Insofern ist auch Marcus Weinberg, der vor knapp zwei Jahren als wichtiger Funktionsträger der Hamburger CDU für dieses Mandat nominiert wurde, in guter Gesellschaft, will nicht zurück auf die Lehrerstelle an der katholischen Schule und leistet einen weiteren Beitrag für noch mehr Nichtwähler. Überzeugende politische Konzepte wird die CDU auch künftig nicht mit Langweilern und einer Fortsetzung der in den überalterten, verkrusteten Parteien üblichen Kungeleien vermitteln können. Ein radikaler Neuanfang ist offenbar wirklich alternativlos.

Klaus-Erwin Heine

Mangel oft Erfindung

20. Februar: „Wo gehen die klugen Köpfe hin?“

Der Fachkräftemangel, den es in einigen strukturschwachen Gebieten Deutschlands durchaus gibt, ist in weiten Teilen eine Erfindung von Arbeitgebern. Er ist ein Mittel, getrieben durch die Beobachtung, dass Bewerbungen qualifizierter Bewerber nicht mehr waschkörbeweise eintreffen, den Arbeitsmarkt nach allen Seiten zu öffnen. Bewerben sich zum Beispiel auf eine Ingenieurstelle weniger als sieben Bewerber, wertet der Verein Deutscher Ingenieure dies bereits als Mangelsituation. Das Ziel ist, aus einem Überangebot die besten Kräfte zu den niedrigsten Tarifen einzukaufen. Hierbei wird auch vor Manipulation und Fälschung von Statistiken nicht zurückgeschreckt. Dass die Herkunftsländer dieser Fachkräfte dabei ihrer besten Talente beraubt werden, wird billigend in Kauf genommen.

Thomas Zimmermann

TV-Spots schalten

17. Februar: „Mehr als 2000 Flüchtlinge vor libyscher Küste gerettet“

Auch wenn die Teams im Außen- und Entwicklungshilfeministerium sicher schon längst entsprechende Ideen haben – verwirklicht sie doch endlich! Und schaltet TV-Spots in den entsprechenden Staaten Afrikas, dass Flucht übers Mittelmeer, besonders in dieser Jahreszeit, Flucht in den Tod bedeutet. Und wenn auch nur ein Afrikaner den Schleuserabzockern dadurch nicht auf den Leim gehen würde, wäre ich sehr, sehr dankbar.

Manfred Liptow

Nachwahlnachrichten

20. Februar: „Schlechtes Klima für Radfahrer“

Ich lese im Abendblatt, dass in Hamburg die Armutsgrenze über dem Bundesdurchschnitt liegt. Eine weitere Nachricht: Als Fahrradstadt liegt Hamburg an 35. Stelle von 39 Städten. Und diese Nachrichten werden kurz nach der Bürgerschaftswahl veröffentlicht? Ein Schelm, wer da an Zufall denkt…

Pia Schwartau

Große Belastung durch Qualm

19. Februar: „Richter geben Rauchern recht“

Die Richterin hat offenbar selbst keine Erfahrungen damit gemacht, wie sehr sich Nikotin mit der Zeit in Wänden absetzt und beständig stinkt und die Atemluft verpestet. In solchen Wohnungen und Treppenhäusern hilft selbst Überstreichen nicht mehr. Die Rechtsprechung muss hier dringend zu einer neuen Praxis finden. Es kann nicht sein, dass einer Sucht, die auch Unbeteiligte beeinträchtigt, der gleiche Rang zuerkannt wird wie dem Bedürfnis und der Notwendigkeit, unbelastete Luft zu atmen und in nicht stinkenden Behausungen zu leben.

Peter Wigandt

Ausrasten ist menschlich

20. Februar: FC St. Pauli „,Wir können uns nur selbst helfen‘“

Was sind Schiedsrichter eigentlich? Halbgötter? Gilt im Sport nicht freie Meinungsäußerung, wofür in anderem Zusammenhang hart gekämpft wird? Dass eine Momententscheidung eines Schiedsrichters nicht immer richtig sein muss, beweist die Tatsache, dass Torkameras zumindest teilweise eingeführt wurden. Wenn dann ein Trainer, der mit aller Kraft gegen den Abstieg kämpfen muss, in so einem Falle, wo selbst der Schiedsrichter sich beim Linienrichter rückvergewissern muss, ob seine Entscheidung korrekt ist, ausflippen kann, ist das doch nur menschlich. Geldstrafe und/oder Spielsperre ist in so einem Fall unmenschlich.

Peter R. Cent

Traum-Image bleibt

17. Februar: „Eine Marke in Gefahr“

Es stimmt zwar, dass der HSV mit neuen Hoffnungsträgern versucht, Zuversicht zu schaffen, aber dies ist nicht die einzige Maßnahme. Spielerisch hat der HSV eher zugelegt. Den von Herrn Schüling angesprochenen Imageverlust gibt es meiner Meinung nach nur in der Presse, die den Verein jeweils nur nach dem Ergebnis des letzten Spiels beurteilt. Die besseren Spiele davor werden nicht mehr beachtet. Der HSV hat immer noch ein Image, von dem Vereine wie Düsseldorf nur träumen. Das Stadion ist fast immer gefüllt und die Fans bleiben, auch wenn der HSV gerade schwere Zeiten hat.

David Rettmann

Die Zuschriften geben die Meinung der Einsender wieder. Kürzungen vorbehalten. Briefe auch auf www.abendblatt.de. Schreiben Sie an briefe@abendblatt.de oder per Post an das Brieffach 2110, 20350 Hamburg