Briefe an die Redaktion

Briefe an die Redaktion: 17. Februar 2015

Auch mit der FDP verhandeln

16. Februar: „Großer Sieg für Scholz, Bürgermeister holt für die SPD fast 46 Prozent. Aber er braucht einen Partner. Wahlbeteiligung sinkt auf Rekordtief“

Olaf hat gewonnen, was vorauszusehen war. Sogar recht deutlich, dennoch ist es ein sogenannter Pyrrhussieg. „Noch so ein Sieg, und ich bin verloren“, äußerte sich der griechische Feldherr gleichen Namens einige Jahrhunderte vor Christi Geburt, wohl wissend, dass er den Attacken der Konkurrenten beim nächsten Mal nicht mehr gewachsen sein könnte. Von der Energie-, über die Sozial-, Schul- und Sicherheitspolitik gibt es mit den Grünen aus ideologischen Gründen keinen Konsens. Statt fauler Kompromisse sollte sich uns Olaf ein Herz nehmen und auch mit den Liberalen verhandeln!

Petro Rarei

Passables Ergebnis

Dass die FDP mit einem passablen Ergebnis wieder in die Bürgerschaft eingezogen ist, nötigt Respekt ab. In kurzer Zeit von einer „Fast-Drei-Prozent“-Partei auf rund 7,5 Prozent zu klettern, ist auch deswegen bemerkenswert, weil die Freien Demokraten die Abspaltung der Neuen Liberalen und den Abgang eines Gutteils ihres politischen Führungspersonals verarbeiten mussten. Jetzt muss die FDP allerdings dringend beweisen, dass sie nicht ausschließlich aus einer hübschen Hülle (Suding) und Marketing (Magenta) besteht, sondern einen echten liberalen Markenkern jenseits ihres erfolglosen neoliberalistischen Kurses besitzt.

Malte Siegert

Schwarzer Tag für Demokratie

Egal wer Hamburg, wie die nächsten Jahre regiert, es war wieder einmal ein schwarzer Tag für die Demokratie. Bei nur 56,5 Prozent Wahlbeteiligung hat fast jeder Zweite nicht gewählt und somit eigentlich keine Partei das Recht auf Sieg oder Führungsanspruch in der Bürgerschaft.

Axel Möller

Wahlmüdigkeit analysieren

Glückwunsch an den neuen und alten Bürgermeister Olaf Scholz zu seinem Wahlsieg, auch wenn die SPD 2,7 Prozent eingebüßt hat. Rein mathematisch analysiert haben bei einer Wahlbeteiligung von nur 56,6 Prozent, also rund 735.800 Wähler, gewählt. Von diesen Wählern haben 45,7 Prozent die SPD gewählt, das sind 336.260 Wähler. Im Vergleich zu den eigentlichen Gesamtwählern von insgesamt 1.300.000 Wählern wären das knapp 26 Prozent, also ein Viertel. Rein rechnerisch betrachtet! Es sollten sich Politiker aller Parteien nach dieser Wahl fragen, warum so viele Menschen nicht gewählt haben und dies gezielt analysieren. Viele Menschen sind offenbar politikverdrossen. Nur die niedrige Wahlbeteiligung bedauern und dann so weitermachen wie bisher wäre das falsche Signal.

Ingrid Kallbach

Wahlrecht trifft keine Schuld

Was eigentlich ist beim neuen Wahlrecht so kompliziert? Fünf Kreuze auf dem ersten Zettel, fünf Kreuze auf dem zweiten Zettel. Jedenfalls ist die Wahlmüdigkeit kein Hamburger Kennzeichen, sondern bundesweit und hat mit dem neuen Wahlrecht wenig zu tun, das immerhin die Möglichkeit eröffnet, nicht nur Parteien zu wählen, sondern verdiente berufstüchtige Bürger, die in der Parteienhierarchie weit unten stehen und beim alten Wahlrecht keine Chance hatten. Wir sollten aufhören damit, gebetsmühlenartig auf die angebliche Kompliziertheit des Wahlrechts hinzuweisen, weil es möglicherweise nur die Angst von Wahlwilligen schürt, im Wahllokal zu versagen.

Dr. med. Dietger Heitele

Armutszeugnis

Die niedrige Wahlbeteiligung ist ein Armutszeugnis für Hamburg. In vielen anderen Ländern gehen die Menschen für ein Wahlrecht auf die Straße und riskieren ihr Leben.

Angela Burzinski

Lieber dahoam bleiben

16. Februar: „Hab acht, HSV! Die 0:8-Schande von München – wie konnte das passieren?“

Was habe ich mich gefreut. Vor Kurzem nach Bayern gezogen und schon kommt „mein HSV“ nach München. Um 10.30 Uhr in Uffing am Staffelsee in den Zug gestiegen. Saukalt. Egal. In München „in der Oper“ zieht es auch mächtig. Und dann so was? Klar, in München kann man verlieren, wird man wohl auch. Entscheidend ist aber das Wie. Kein Kampf, keine Leidenschaft, keine Raute im Herzen. So gewinnt man keinen Blumentopf. Fußball ist auch ein Kampfsport, vielleicht haben das die Spieler der Lizenzspielerabteilung vergessen? Manuel Neuer hätte schon 15.35 Uhr duschen gehen können. Gegen 21 Uhr kamen wir müde, durchgefroren und maßlos enttäuscht zu Hause an. Was für ein Tag! Das muss ich nicht mehr haben. Nächstes Jahr bleibe ich dahoam.

Stefanie und Chris Dasch aus Bayern

Ballett bei John Neumeier

Der einst für seinen tänzerischen Stil weltberühmte Boxer Muhammad Ali wurde einmal gefragt, welcher Strategie er seine großen Erfolge verdankt. Er antwortete: „Float like a butterfly, sting like a bee“, was so viel bedeutet wie „Flattere wie ein Schmetterling und steche wie eine Biene“. Genau nach dieser Strategie flatterte der FC Bayern leichtfüßig durch die Abwehrreihen des HSV und setzte damit durchschnittlich alle elf Minuten und 15 Sekunden einen Stich ins Herz des Gegners. Vielleicht sollten die HSV-Spieler einmal bei Herrn John Neumeier ein paar Stunden Ballettunterricht nehmen.

Joachim Wenzel

Bitte, steigt endlich ab!

Ich bin seit Mitte der 80er-Jahre HSV-Fan und habe seitdem alle Höhen und Tiefen mit erlebt. Für das 0:8 habe ich kein Verständnis mehr. Bitte, steigt endlich ab! Dann hört das Gerede um den wankenden Dino, die Stadionuhr und die goldenen Zeiten endlich auf, wir haben Ruhe und der jede Saison gepredigte Neuanfang findet tatsächlich statt: in der 2. Liga! Dort gehören wir auch hin. Beiersdorfer, Knäbel und Zinnbauer sind die richtigen Entscheider für eine – hoffentlich temporäre – Zweitklassigkeit. Man muss sie nur in Ruhe arbeiten lassen. Der Abstieg ist der einzige Ausweg aus der jahrelangen Misere.

Matthias Griese

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