Briefe an die Redaktion

Briefe an die Redaktion: 10. Februar 2015

Lesedauer: 6 Minuten

Mit Russland verhandeln

6. Februar: „Was nun, Nato?“

Der Artikel ist mir zu einseitig (Tenor: aggressives Russland, defensiver Westen). Ihre Karte macht deutlich, wie sehr sich die Nato nach Osten ausgedehnt, Russlands Grenzen genähert und dessen Interessen tangiert hat. Darüber hinaus gibt es noch Wünsche, die Ukraine und Georgien in die Nato einzubringen. Wenn die USA derart von unfreundlichen/potenziell feindlichen Mächten umgeben wäre, hätten sie sich längst drastisch gewehrt. Der Westen sollte bei der Verfolgung seiner legitimen defensiven Ziele auf Aggressivität verzichten und über Interessenkollisionen mit Russland fair und auf Augenhöhe verhandeln.

Klaus-Peter Koppelmann

Ver.di will Aufmerksamkeit

9. Februar: „24 Stunden Streik am Flughafen“

Die Arbeitgeber bieten den Mitarbeitern am Flughafen monatlich über 2500 Euro an. Ver.di ist das zu wenig. Bei der Beurteilung einer Tätigkeit sollte fairerweise berücksichtigt werden, dass die Mitarbeiter der Sicherheitskontrollen keine langjährigen Ausbildungszeiten durchliefen oder gefährliche Arbeitsbedingungen haben. Azubis im Einzel- oder Groß- und Außenhandel, Import- und Industriekaufleute, Automechaniker oder Handwerker erhalten nach zwei- oder dreijähriger Ausbildung deutlich unter 2000 Euro monatlich. Ver.di missbraucht die Gewerkschaftskraft für Warnstreiks, deren Auswirkungen ganz massiv 40.000 Fluggäste, Fluggesellschaften oder Geschäfte betreffen. Streiks im Einzelhandel für angemessene Gehälter bringen Ver.di keine Aufmerksamkeit, aber Tausende gestrandete Urlauber werden mit diesem unangemessenen Streik um ihren Urlaub betrogen.

Dietmar Johnen-Kluge

Anders erlebte Realität

7./8. Februar: „Hamburgs Grüne setzen auf mehr Bürgerbeteiligung“

Das verblüfft mich! Was machen die Grünen? Sie setzten sich in der Dreieinigkeit mit CDU und SPD, ohne eine Bürgerbeteiligung zu fordern, für den Bau von drei Windrädern ein, die erst 100 Meter hoch waren und dann der Rendite wegen auf 196 Meter hochwuchsen. Der Abstand, der schon für die 100 Meter hohen Windräder zu gering war, wuchs genauso wenig wie die Verantwortung der politischen Bürgervertreter für den Schutz auch der Minderheit. CDU, SPD und Grüne verstießen in Bargteheide gegen demokratische Regeln. Den Grünen ist schwer zu glauben, wenn sie öffentlich ihre Bürgernähe versprühen mit Titeln wie „Kinder und Jugendliche beteiligen – da geht noch was!“. Der Gipfel ihrer bürgernahen Selbstdarstellung ist der Satz: „Wir Bürgerinnen und Bürger entscheiden, in welchen politischen Ausprägungen unser Leben zu regeln ist.“

Elsa Landwer

Mehr Abstand gegen Stress

30. Januar: „Windkraftausbau 2014 so stark wie nie in Deutschland“

Das Gefahrenpotenzial von Windkraft wird leider unterschätzt. Überall im Land schießen Windkraftanlagen in die Höhe, bis zu 200 Meter und mehr! Es scheint eine wahre Goldgräberstimmung ausgebrochen zu sein. Doch die neue Technologie birgt leider Gefahren. Windkraftanlagen sind Energiewandler: Bis zu 40 Prozent der Windkraft werden in Strom, der überwiegende Rest jedoch in Schall umgewandelt. Und diesem ist man in der Nähe einer Anlage ausgesetzt. Zwar gilt hier wie bei so manch anderem krank machenden Agens keine Eins-zu-eins-Relation. Es ist vielmehr wie bei Nebenwirkungen von Medikamenten zu verstehen: Der eine erkrankt daran, der andere nicht. Doch Schall zählt wohl eher zu den „Medikamenten“, welche eine nicht geringe Nebenwirkungsrate besitzen. Es wird eine Art Stressreaktion im Körper erzeugt. Da der Mensch mit seinen seit Urzeiten einprogrammierten Reaktionsmustern weder angreifen noch weglaufen kann (so er denn nicht wegzieht), ist er einer Art Dauerstress ausgesetzt. Warum wird es Ärzten wie meiner mutigen und tatkräftigen Kollegin aus Bargteheide und anderen Ärzten überlassen, wirksamere Abstandsregeln zu fordern? Wir brauchen Mindestabstände von zehnmal der Höhe der Anlagen (um Schwangere, Kranke und Kleinkinder einigermaßen zu schützen sogar 15-mal) – besser gestern als heute.

Dr. Christian Rohrbacher

Die Treuen bleiben

7./8. Februar: „Das Stimmungstief im Norden“

Die Stimmung im Stadion steht und fällt mit dem Auftreten der Mannschaft und selbstverständlich auch mit den Ergebnissen. Wenn die Spieler, wie am Sonnabend gegen Hannover, alles geben, kämpfen und unendlich laufen, ist jeder im Stadion bereit, das zu honorieren, und die Stimmung steigt, besonders wenn ein Sieg dabei herausspringt. Allerdings hat die Vielzahl der Spiele, wo müde und lustlose HSV-Profis über den Platz schlichen, zu einer Sensibilität der Zuschauer geführt, die einfach das fehlende Engagement nicht mehr akzeptieren. Die Ultras von Chosen Few mit ihren wenig kreativen, dafür monotonen Fangesängen werden nicht vermisst. Von diesen wurde der Fanblock zudem immer wieder für Rufe und Transparente gegen den Vorstand des HSV, die Polizei und den DFB/die DFL missbraucht. Ein Stadion lebt von den Emotionen und Ergebnissen des Sports und nicht von einer Gruppierung, die auch noch maßgeblich die Vereinspolitik beeinflussen wollte. Als der Druck auf den Club durch die Ausgliederung verloren ging und der Zugriff auf die Privilegien schwanden, ging man weg und gründete einen eigenen Verein. So groß scheint die Liebe zum HSV bei diesen dann doch nicht gewesen zu sein. Die Treuesten der Treuen sind immer noch im Stadion und begleiten ihren Club auch weiterhin zu Auswärtsspielen – wie Melly und Patrice!

Christof Marheinecke

Schleichend zum Ziel

7./8. Februar: „Eltern kämpfen für Tempo-30-Zone“

Ein Tipp für die Eimsbütteler: Macht es wie das legendäre „6-Tage-Schleichen“ in Ottensen in den frühen 80er-Jahren: An jedem Werktag treffen sich ab 15 Uhr viele, viele Radfahrer und fahren gemächlich auf den Pisten Eimsbüttels. Und das ein paar Wochen lang. So wurde in Ottensen erstmalig in Deutschland Tempo 30 durchgesetzt. Viel Erfolg!

Asmus Henkel

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