Briefe an die Redaktion

Briefe an die Redaktion: 26. Januar 2015

Solidarität hat Grenzen

23. Januar: „Draghi lässt Euro regnen“

Europa wird mit Geld geflutet! Ein berechtigter Horror für die Deutschen, denen Geldwertstabilität wichtig ist. Aber wir sollen solidarisch mit den anderen Ländern sein. Deutschland ist in der Tat „solidarisch“, sogar um den Preis einer Inkaufnahme des Verfalls des Geldwertes, des Abschmelzens der Ersparnisse der Bürger, des Verlustes bei Lebensversicherungen und Pensionsfonds usw. Gleichzeitig muss gemahnt werden, dass Staaten wie Frankreich und Italien ihre Strukturreformen und Sparmaßnahmen durchführen müssen. Es wird befürchtet, dass die EZB-Geldschwemme nun dazu führt, dass diese Länder die erforderlichen Maßnahmen hinauszögern. Wie solidarisch ist das denn? Wenn die Euro-Partner die Regeln nicht einhalten, müssen die deutschen Steuerzahler auch nicht solidarisch sein.

Wolfgang Knobel

Hilflos in Europa

Mit der Einführung des Euro wurde uns vorgegaukelt, die Europäische Zentralbank (EZB) und die Regularien sorgten auf Dauer für Stabilität. Die EZB hat mit ihrer Entscheidung, die Staatsanleihen zu kaufen, den Joker zu früh gezogen. Es gibt keine Deflation. Kaufzurückhaltung und Kreditklemmen in den südlichen Euro-Ländern werden nur durch Reformen in den jeweiligen Landesstrukturen beseitigt. Schuldenmacher bekommen leichter Kredite und müssen nicht mehr sparen, werden später durch einen Schuldenerlass zulasten der Steuerzahler entlastet. Verantwortlich dafür sind unsere rückgratlosen Volksvertreter und die Bankenlobby, die nur an das eigene Klientelwohl denken. Was bleibt: Unser Geld ist nichts mehr wert, Altersvorsorge ohne Rendite und Sparer zahlen drauf. Eine schreckliche, reale allgegenwärtige Hilflosigkeit in Europa.

Peter Groth

Zweifel am Bildungssystem

23. Januar:„Pegida sucht einen neuen Kopf“

Dass Lutz Bachmann wohl als gescheiterte Existenz sich früher oder später selbst entlarvt, konnte man fast ahnen. Was ich nicht verstehen kann: dass angeblich ganz normale Bürger aus der Mitte unserer Gesellschaft einmal mehr solchen Versagern hinterherrennen, als wäre das mit dem großen Vorbild vom kleinen Lutz nicht schon einmal ganz schiefgelaufen. Wenn man sich über Salafisten wie Pierre Vogel aufregt und dann mit diesen hasserfüllten Veranstaltern spazieren geht. Wenn man bei Bachmann von zweiter Chance spricht – dabei war es ja schon die fünfte oder sechste –, aber bei Migranten keine Gnade kennt. Wenn man meint, unsere Presse sei gleichgeschaltet, sich darüber lustigerweise aber sowohl Islamisten wie rechte Verschwörungstheoretiker beschweren. Wenn man auch den erzkonservativen Islam ablehnt, jedoch selbst von Geschlechtergerechtigkeit und Gleichstellung Homosexueller nichts hält. Wenn man meint, eine Islamisierung wäre das drängendste Problem in Europa, dann muss man an unserem Bildungssystem zweifeln.

Markus Meister

Fundamentaler Irrtum

22. Januar: „Karikaturen verstoßen gegen Menschenrechte“

Der Leiter des Islamischen Zentrums in Hamburg befindet sich in einem schwerwiegenden Irrtum, wenn er die Mohammed-Karikaturen von „Charlie Hebdo“ als „Verstoß gegen die Menschenrechte“ verurteilt. Der Schutz der Menschenrechte gilt dem Individuum und nicht irgendwelchen Weltanschauungen, Religionen oder Ideologien! Diese sind dem freien Streit der Meinungen ausgesetzt, solange keine gezielte Verletzung konkreter Einzelpersonen erfolgt. Wer die Mohammed-Karikaturen öffentlich als Menschenrechtsverletzungen brandmarkt, provoziert und legitimiert nicht nur ein verheerendes Demokratie- und Rechtsstaatsverständnis unter seinen Zuhörern, sondern gießt Öl ins Feuer der gesellschaftlichen Konflikte.

Joachim Müller

Andere Ursachen erforschen

22. Januar: „H5N8-Virus bei Huhn in Anklam nachgewiesen“

Es fällt auf, dass die untersuchenden Ämter in Mecklenburg-Vorpommern fast ausschließlich auf Wildvögel schauen. Das Virus H5N8 trat europaweit in zehn geschlossenen Ställen auf. Hier ist nun die erste Freilandhaltung betroffen. Europaweit wurden von über 1000 untersuchten Tieren nur vier angeblich infizierte gefunden. Eine Ansteckung am weit gehandelten Kot aus Krankheitsbetrieben wäre möglich, die wenigen Fälle beweisen aber keine Verbreitung bei Wildvögeln. Es sollten endlich andere Faktoren untersucht werden, allen voran das Entenfutter und die globalen Handelsrouten der Geflügelindustrie mit Kot, Geflügel, Kadavern, Fleischmehl und sonstigen Abfällen.

Elisabeth Petras

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