Briefe an die Redaktion

Briefe an die Redaktion: 23. Januar 2015

Spiele in schöner Umgebung

22. Januar: „Olympia lenkt von Problemen ab“

Natürlich kosten Olympische Spiele. Wir können ihre Ausrichtung aber auch alternativ Scheichs, Oligarchen oder Diktatoren überlassen. Hamburg arbeitet ständig an sozialen Problemen, zurzeit vielleicht mehr denn je. Dem stehen Olympische Spiele nicht entgegen. Hamburg ist fähig, angemessene, attraktive und fröhliche Spiele in wunderschöner Umgebung auszurichten.

Jörg Dieter Schmädicke

Es kommt noch dicker

21. Januar: „TTIP-Freihandel – Hamburg kann Gewinner werden“

Gewinner dieses mehr als fragwürdigen Abkommens sind insbesondere amerikanische Großkonzerne. Leidtragende sind die Bürger, da europäische Qualitätsstandards für Waren und Lebensmittel weiter ausgehebelt und verwässert werden. Doch nach TTIP kommt es noch dicker: Ein neues Geheimabkommen könnte unser Trinkwasser privatisieren, den Datenschutz aushebeln und unsere Bankdaten an die USA weitergeben. TISA ist der große Bruder des Freihandelsabkommens TTIP. Auch dieses Dienstleistungsabkommen wird hinter verschlossenen Türen verhandelt, doch anders als TTIP, das nach Bürgerprotesten bereits ins Schlingern geraten ist, fliegt TISA bis jetzt unter dem Radar und könnte klammheimlich beschlossen werden.

Stefan Bick

Risiken bleiben übrig

Ob Hamburg wirklich Gewinner des TTIP-Abkommens wäre, ist ungewiss. Da die neu hinzukommenden Arbeitsplätze wegen des Fachkräftemangels nur schwer zu besetzen wären, blieben nur noch die Risiken übrig. Herr Gabriel hat mit seinem Amtseid geschworen, Schaden vom deutschen Volk abzuwenden. Hoffentlich hat er das nicht nur im Spaß gesagt.

Herbert Mellin

Kluger Kommentar

21. Januar: „Bei Pegida ist Geduld gefragt. Unzufriedenheit verschwindet nicht per Verordnung“

Ein kluger Kommentar. Diese demonstrierenden Menschen gehören zu Deutschland. Man muss sich mit ihnen auseinandersetzen. Man muss mit ihnen reden, ob uns das gefällt oder nicht.

Hartmut Bunde

Versäumnis der Gewerkschaft

21. Januar: „Geteilte Arbeitswelt“

Die beschriebene geteilte Arbeitswelt ist der Beweis dafür, dass die Deregulierung der Arbeitsverhältnisse längst selbstverständlich geworden ist. „Warum sollten wir uns damit auseinandersetzen, Deutschland steht doch blendend da.“ Bei dieser Selbstherrlichkeit möchte man nicht durch solche Beschreibungen gestört werden. Leider haben es die Gewerkschaften nicht vermocht, die Mehrheit der Millionen schlecht bezahlter Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer zu organisieren. Daraus hat sich eine geteilte Arbeitsgesellschaft entwickelt. Wer in einem Normalarbeitsverhältnis beschäftigt und gewerkschaftlich organisiert ist, hat eine andere Lebenswirklichkeit als das Heer der schlecht Bezahlten ohne gewerkschaftlichen Schutz. Den Betroffenen und Benachteiligten allein die Schuld dafür zu geben, ist zu einfach. Entscheidend ist, ob unsere deutsche Gesellschaft diese neue Wirklichkeit ablehnt und durchgreifende politische Aktivitäten verlangt, die schlecht Bezahlten in die normale Arbeitswelt zurückzuführen, oder ob wir diese Entwicklung als gar nicht so schlecht hinnehmen, weil es der Mehrheit der Bürgerinnen und Bürger doch recht gut geht.

Johannes Müllner

Gebührenpflicht überdenken

20. Januar: „Grüne wollen kein P+R-Parkhaus am U-Bahnhof Ohlstedt“

Seit Einführung der Gebührenpflicht stehen viele P+R-Parkhäuser größtenteils leer, weil die Pendler nicht bereit sind, eine Parkgebühr zu entrichten und lieber auf andere kostenlose Parkplätze ausweichen. Warum sollte sich dies in Ohlstedt mit dem Bau eines teuren Parkhauses in einem Landschaftsschutzgebiet ändern? Wird in den ruhigen Straßen des Stadtteils keine Anwohnerparkzone eingerichtet, dürfte sich auch mit einem Parkhausneubau nichts ändern. Vielleicht ist es an der Zeit, die Kostenpflicht der P+R-Parkplätze zu überdenken!

Tina Stark

Sind „Opfer-Briefe“ hilfreich?

17./18. Januar: „Der tägliche Blick in einen Abgrund. Alltag in der Sozialtherapeutischen Anstalt Fuhlsbüttel“

Auch und gerade aus Sicht des Opferanwalts kann es nie um „Wegsperren für immer“ gehen. Eine entschieden therapeutische Behandlung ist auch um der erheblich reduzierten Rückfallquote willen nötig. Diskussionswürdig ist die am Ende des Artikels berichtete Praxis, die im therapeutischen Rahmen entstandenen „Opfer-Briefe“ nicht abzusenden. Natürlich ist es das Recht jedes Opfers, generell jeden Kontakt mit dem Täter unterbinden zu wollen. In der Praxis haben wir aber zu berücksichtigen, wie wichtig es für persönlich betroffene Opfer von Straftaten fast jeder Schwere ist, die Reaktion des Täters zu erfahren, etwa in der öffentlichen Strafverhandlung zu beobachten – wie sie oft sogar die Gleichgültigkeit, Rücksichtslosigkeit des Täters bei und nach der Tat beklagen. Psychologisch ist dies die Gelegenheit, aus dem leicht zur Traumatisierung neigenden eigenen Ohnmacht-Erleben herauszufinden. Wenn es dann in der Sozialtherapie gelingt, die Täter zu motivieren, sich den Opfern gegenüber zu ihrer Schuld zu bekennen, ohne weinerliche Ausflüchte natürlich, hilft das den Opfern, die es annehmen können. Das spricht nicht gegen den Vorbehalt, mit vorheriger professioneller Kontaktaufnahme zu klären, ob das Tatopfer bereit dazu ist.

Rudolf von Bracken, Rechtsanwalt

Die Zuschriften geben die Meinung der Einsender wieder. Kürzungen vorbehalten. Briefe auch auf www.abendblatt.de

Schreiben Sie an briefe@abendblatt.de oder per Post an das Brieffach 2110, 20350 Hamburg