Briefe an die Redaktion

Briefe an die Redaktion: 31. Dezember 2014/01. Januar 2015

Betreuung statt Prohibition

30. Dezember: „Ab 15 Uhr kein Alkoholverkauf in St. Georg und auf St. Pauli?“

Eine gut gemeinte Idee, nur was soll sie bringen? Werden die Kirchenglocken läuten zu der Aufforderung „last orders“, ähnlich wie früher in englischen Pubs der Barkeeper mit Glockensignal die Gäste ermahnte, das Etablissement um 23 Uhr zu verlassen? Die Klientel, um die es in Hamburg geht, braucht reale Hilfe durch Betreuung. Prohibition à la USA zu Zeiten Al Capones würde in St.Georg und auf St.Pauli nur eine Art Schwarzmarkt aufblühen lassen, welcher die Männer und Frauen der Alkoholszene noch tiefer ins Elend brächte. Es werden sich eben immer Mittel und Wege finden, sich mit Stoff zu versorgen. Auch Vertreibung ist sinnlos: Die Ordnungsmacht wird Druck machen, und die Szene zieht weiter.

Hans-Emil Schuster

Mehr Porto, weniger Service

30. Dezember: „Post erhöht erneut das Briefporto“

Genauso regelmäßig, wie sie das Porto erhöht, reduziert die Deutsche Post die Servicequalität. Wurden vor etwa zehn Jahren viele Briefkästen werktags noch um 22 Uhr und sonntags geleert und die Post am Folgetag in Hamburg zugestellt, wurde dies im Laufe der Jahre immer weiter klammheimlich verschlechtert. Seit einigen Monaten gibt es in Hamburg praktisch keine Briefkästen mehr, die werktags nach 17 Uhr und sonntags geleert werden. Und die wenigen, bei denen das der Fall ist, sind meist weit entfernt. Mit dieser Geschäftspolitik erreicht die Deutsche Post, dass man, wann immer möglich, E-Mails nutzt und noch weniger Briefe versandt werden.

Peter Wachsmann

Fehler eingestehen

30. Dezember: „Fahrradstraße an der Alster ist ein Flop“

Überhastet umgesetzte Fahrradstraßen, wo schon schöne Radwege existieren. Verwirrende Verkehrsinseln, die plötzlich dank teurer Busbeschleunigung auftauchen. Unrealisierbar teure U-Bahn-Pläne, die viel schneller, flexibler und billiger mit einer Stadtbahn umgesetzt werden könnten. Und das alles kurz vor der Bürgerschaftswahl. Vielleicht wäre etwas mehr Wahrhaftigkeit und Demut dem Wähler gegenüber der bessere Weg, die Wahlbeteiligung wieder zu erhöhen. Mir wäre jedenfalls ein Bürgermeister lieber, der auch Fehler und Grenzen eingesteht.

Peter Baasch

Platz ist für alle da

Ich bin Autofahrer und Fußgänger, wohne in Winterhude, arbeite am Hafen und benutze für den Arbeitsweg das Auto. Die kürzeste Strecke führt den Harvestehuder Weg entlang. Seit 25 Jahren benutze ich ihn in beiden Richtungen wochentäglich. Die Umwandlung in eine Fahrradstraße finde ich völlig überflüssig. In diesem Bereich gibt es genügend Raum für alle Verkehrsteilnehmer. Mein Ärgernis als Fuß- und Spaziergänger seit vielen Jahren: Die meisten Radfahrer benutzen den Fußweg direkt am Alsterufer. Viele rasen rücksichtslos durch die Menge der Spaziergänger – gerade an den Weihnachtstagen beobachtet. Der Radweg ist dann weitestgehend verwaist. Genutzt wird der Radweg hauptsächlich von den vielen Schulkindern jeden Morgen.

Sabine Wilkending

Erfahrung zeigt Wirkung

30. Dezember: „Bezirkschef: Bürgerbeteiligung bei Miniprojekten nicht sinnvoll“

Die Haltung von Herrn Sevecke zur Bürgerbeteiligung ist noch von zu wenig Erfahrung geprägt. Dass es Partikularinteressen geben mag, spricht nicht gegen Bürgerbeteiligung: Wenn es Partikularinteressen gibt, denen man leicht nachkommen kann, ohne das Gemeinwohl zu verletzen, indem man ein Projekt auf eine bestimmte Art realisiert, wo ist das Problem? Die Beteiligung der Bürger macht solche Interessen für die Verwaltung erst erkennbar. Bei Projekten, die nur wenige Betroffene berühren, mag ja Bürgerbeteiligung „light“ ausreichend sein. Wenn Verwaltung und Fachbehörden Bürgerbeteiligung erst einmal verinnerlicht haben, geht es leicht von der Hand. Alles erlernbar, wenn man sich nicht dagegen sperrt.

Helena Peltonen

Beteiligung wird gewünscht

Da gibt es also eine Bürgerbeteiligung beim Bau eines Lifts. Auf der anderen Seite gab es aber z.B. bei der Ausweisung von Überschwemmungsgebieten durch den Senat, die 2180 Hamburger Grundeigentümer über Nacht quasi enteignet hat, keine Bürgerbeteiligung im Vorfeld. Wenn man die Behördenwillkür bei diesem Vorgang miterlebt hat, weiß man Bürgerbeteiligung zu schätzen. Selbst beim Bau eines Lifts.

Frank Räder

Kosten wegen alter Ordnung

29. Dezember: „Apotheken im Existenzkampf“

Die Konkurrenz aus dem Netz spielt im Existenzkampf der Apotheken nur eine Nebenrolle. Eine Hauptursache ist die Tatsache, dass eine Apotheke 2014/2015 im Wesentlichen mit einer Honorierung aus 2003/2004 auskommen, aber mit allen Kosten von 2014/2015 betrieben werden muss. Einige Honorierungselemente – wie die Betäubungsmittelgebühr in Höhe von 26 Cent – stammen bereits aus dem Jahr 1978 und sind seither unverändert. Allein bei der Beschaffung entstehen demgegenüber Kosten von einem Euro pro Betäubungsmittel.

Christian Stolzenburg

Mieten nicht zu bezahlen

29. Dezember: „3000 Wohnungen und ein Stadion“

Hamburg baut wie verrückt – das ist auch gut. Doch viele Wohnungen werden Eigentumswohnungen. Bei den freien Wohnungen ist meine Frage: Wer kann diese Mieten bezahlen? Die meisten Bürger, die in Hamburg leben, sicher nicht. Bei einer Miete zwischen zwölf und 15 Euro pro Quadratmeter (wenn das bei Neubauten überhaupt ausreicht) kostet eine Wohnung mit 70 Quadratmetern zwischen 840 und 1050 Euro kalt – zu viel für eine Familie mit zwei Kindern oder für Rentner und Alleinstehende. Ich denke, die Leute, die das nicht bezahlen können, will man auch gar nicht in der Stadt haben. Sonst würde man anders handeln.

Helga Diezel

Die Zuschriften geben die Meinung der Einsender wieder. Kürzungen vorbehalten. Briefe auch auf www.abendblatt.de. Schreiben Sie an briefe@abendblatt.de oder per Post an das Brieffach 2110, 20350 Hamburg