Briefe an die Redaktion

Briefe an die Redaktion: 14. Oktober 2014

Individualverkehr nervt nur

11./12. Oktober: „ADAC: Hamburg steuert auf ein Parkplatz-Chaos zu“

Wer heute noch glaubt, er könne stets mit dem eigenen Auto in die Innenstadt fahren, sollte es mal mit S-, U-Bahn und Bus versuchen – es funktioniert! Das Letzte, was Hamburg braucht, ist ein unnötiger, ökonomisch und ökologisch fragwürdiger City-Individualverkehr, der nur noch nervt. Vernünftig wäre der massive Ausbau des ÖPNV inklusive Stadtbahn, um die Fortsetzung der von der SPD seit Jahrzehnten verschuldeten verkehrlichen Fehlentwicklung zu verhindern.

Jens Ode

Zukunft Wilhelmshaven

11./12. Oktober: „Letzter Ausweg Wilhelmshaven? Die Elbvertiefung verzögert sich. Nun stellt sich die Frage nach einer neuen Hafenallianz im Norden“

Wilhelmshaven, Deutschlands einziger tideunabhängiger Tiefwasserhafen, muss autark werden! Das bedeutet, dass die Verkehrsanbindungen dorthin (Schienen und Straßen) schnellstmöglich ausgebaut werden. Es ist unsinnig, große Containerschiffe mit 18 Meter Tiefgang über die Elbe nach Hamburg fahren zu lassen und dafür ein ökologisches Gleichgewicht zu zerstören. Ebenso unsinnig ist es aber auch, in Wilhelmshaven auf Zubringerschiffe umzuschlagen. Die alten Hafenkonzepte sind nun einmal Vergangenheit. Deshalb sollten sich die norddeutschen Bundesländer für die Zukunft und damit für einen gegenüber Rotterdam und Antwerpen leistungsfähigen Tiefwasserhafen entscheiden!

Axel Schulz

Geht nicht gibt’s nicht

Man hat den Eindruck, es herrscht ein hohes Maß an Denkfaulheit. Alles soll bleiben, wie es ist. Nichts soll sich ändern. So kommt man aber nicht weiter. Da kann man nur hoffen, dass es nichts wird mit der nächsten Elbvertiefung. Dann werden Manager und Politiker gezwungen sein, sich an einen Tisch zu setzen, um gemeinsam Konzepte zu entwickeln, von denen alle Häfen profitieren. Denn geht nicht gibt’s nicht.

Uwe Buchholtz

Ein eindrucksvoller Bericht

11./12. Oktober: „Odyssee nach Hamburg. Die Geschichte von Adama, einem der sogenannten Lampedusa-Flüchtlinge in der Hansestadt“

Ein eindrucksvoller und gut erzählter Bericht über die lange Reise von Adama. Die Geschichte zeigt uns das traurige Schicksal der Flüchtenden aus Afrika, und sie zeigt auch praktizierte Solidarität – oder nennen wir es Nächstenliebe: Jutta Köhn und ihre Nachbarin packen, ohne große Worte zu machen, ganz einfach zu.

Friedel zu Solms

Lob für die Soldaten

11./12. Oktober: „Sanierungsfall Bundeswehr: Mehrheit traut Ministerin Lösung der Probleme nicht zu“

Die Bundeswehr wird kaputtgespart, vorhandene Geldmittel werden nicht genutzt, vermutlich durch karrieregetriebene Politiker und Militärs. Aber anstatt immer nur die für den Missstand Verantwortlichen anzuprangern, sollten endlich einmal die vielen Soldaten hervorgehoben und gelobt werden, die sich den rigorosen Kürzungen auf ihrer Ebene entgegengestellt haben, ohne an ihre Karriere zu denken. Die dafür sorgen, dass unsere Armee immer noch funktioniert, zumindest im Auslandseinsatz und bei Flutkatastrophen. Menschenführung bei der Bundeswehr bedeutet: Wo getadelt wird, muss auch gelobt werden!

Oliver Jonas

Ist das gerecht?

9. Oktober: „Ihre Frage, bitte! Wo ist Ihre Frage?“ – Bürgeranhörung zum Überschwemmungsgebiet Berner Au

Das kleine Bächlein Berner Au ist seit Menschengedenken nicht über seine Ufer getreten. Es wird als Teil eines großen Regenwasser-Sielsystems genutzt, in die große Teile der benachbarten Stadtteile ihr Regenwasser einleiten. Es stellen sich einem folgende Fragen: Ist es gerecht, dass wenige Betroffene die Umsetzung der EU-Richtlinie „ausbaden“ müssen? Ist es verhältnismäßig, dass bei einer kaum zu erwartenden Jahrhundertflut an einem kleinen Bächlein derart existenzzerstörende Maßnahmen getroffen werden? Ist es demokratisch, dass bei einer so existenziellen Maßnahme eine Bürgerbeteiligung nicht vorgesehen ist?

Cornelia Gundlach

Demokratie schafft sich ab

Wer ein Lehrstück zur Erosion des Rückhalts der demokratischen Kultur in der Bevölkerung persönlich miterleben wollte, war in der Anhörung zur Ausweisung von elf weiteren Überschwemmungsgebieten am Dienstagabend richtig. Im Bürgersaal des Wandsbeker Bezirksamtes gab es an diesem Abend von Beamten herablassend vorgetragenen PowerPoint-Frontalunterricht auf „Jugend forscht“-Niveau und ein geradezu manisches Beharren darauf, dass die Zusammenhänge zu komplex seien, um vom ordinären Bürger verstanden werden zu können. Die von den Betroffenen erhofften qualifizierten Antworten, ein Bekenntnis zum Bürgerbezug und Sensibilität gegenüber dem bisher angerichteten Schaden blieben auf der Strecke. Die demokratisch-politische Kultur schafft sich ab.

Uwe Borchert

Kritik wurde abgetan

Ich bin noch immer tief entsetzt über den Ablauf der Veranstaltung. Der Informationsteil förderte im Wesentlichen keine neuen Erkenntnisse zutage. Auf die Fragen und Anmerkungen der betroffenen und besorgten Anwohner wurde überwiegend nur ungenügend eingegangen. Der Wertverlust der Grundstücke und die baulichen und gestalterischen Einschränkungen wurden als nicht nachvollziehbar abgetan. Die größtenteils guten Vorschläge aus dem Publikum zur Anpassung der Überschwemmungsgebiete wurden nicht weiter diskutiert; es bleibt fraglich, was davon seitens der Behörde noch aufgegriffen wird. Die Behördenvertreter verwiesen immer wieder auf die rechtliche Lage, zu der es angeblich keine Alternative gebe. Dies ist, denke ich, keine gute Grundlage für eine gemeinsame Diskussion, durch die zielgerichtet eine gemeinsame Lösung gefunden werden kann.

Sebastian Mellin

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