Briefe an die Redaktion

Briefe an die Redaktion: 28. April 2014

Formelhafte Argumentation

25. April: „Staatsanwältin verteidigt sich. Sie ermittelte gegen Eltern der kleinen Yagmur – und stellte das Verfahren ein. Nach wenigen Wochen war das Mädchen tot“

Sich mit „mir fällt nichts ein ... das Hirn zu zermartern“ nützt nichts, wenn Biss und Wille fehlen. Die Staatsanwaltschaft hätte bei derart schwerwiegenden Taten wenigstens versuchen müssen nachzufragen, die Mutter zu vernehmen und wie offensichtlich später geschehen weitere Beweise zu erheben. Sie hat die Möglichkeit, die Mutter zum Erscheinen zu zwingen. In direkter Konfrontation hätte sie versuchen müssen, auf das Aussageverhalten und die Haltung der Mutter zu den Taten Einfluss zu nehmen. Die in dem Bericht wiedergegebene flach formelhaft-juristische Argumentation der Staatsanwältin entspricht einer in der Justiz seit circa 15, 20 Jahren zu beobachtenden zunehmenden Tendenz „furchtbar“ rein juristisch-technischer Arbeitsweise.

Dietrich Franz, Oberstaatsanwalt a.D.

Ansprüche der Eltern

24. April: „Musikalarm am G8-Gymnasium. Welcher Jugendliche lässt sich nach acht Stunden Unterricht noch für Klavierübungen oder den Schulchor motivieren?“

Es ist nicht G8, es sind auch nicht die schulischen Anforderungen allein, die den Kindern die Freizeit nehmen, es sind die Ansprüche der Eltern. Schon Dreijährige haben heute einen Terminkalender, damit auch ja alle Angebote wahrgenommen werden können und keine „Fördermöglichkeit“ versäumt wird. Spielen ist leider zur überflüssigen Nebensache geworden.

Ulrike Niebling

Andere Gründe

Die Argumente von Herrn Sobirey beziehen sich auf Ganztagsschulen und haben mit dem Streit um G8/G9 wenig zu tun. Oder geht es bei der privaten Musikerziehung nur um Gymnasiasten? Auch die Argumente gegen Ganztagsschulen sind nur begrenzt richtig. In fast allen europäischen und asiatischen Ländern lernen Kinder in Ganztagsschulen. Und trotzdem erlernen sie Musikinstrumente oder treiben Sport. Gerade die vielen Asiaten an unseren Musikhochschulen und in Orchestern beweisen, dass es andere Gründe gibt als die tägliche Schuldauer. Kümmern wir uns um guten Musikunterricht in guten G8-Gymnasien und G9-Stadtteilschulen und helfen wir, damit jedes Kind seine richtige Schulform findet.

Ingeborg Knipper

Humanitäre Einstellung

24. April: „Flüchtlingsheim spaltet Harvestehude. Streit um geplante Unterkunft an der Sophienterrasse. Wie das Projekt funktioniert und was die Anwohner dazu sagen“

In der Diskussion spielt der Begriff „Neiddebatte“ eine unsägliche Rolle, allerdings wird er von einigen Stellungnahmen der Anwohner auch bewusst oder unbewusst provoziert, z. B. wenn darüber gesprochen wird, dass die Flüchtlinge in der Gegend nicht einkaufen könnten bzw. sich nicht wohlfühlten, weil es zu teuer sei. Es geht aber überhaupt nicht um Neid, es geht um eine humanitäre Einstellung und um die gleichmäßige Beteiligung aller Stadtteile an der Unterbringung von Flüchtlingen! Immerhin gibt es diese Einstellung in Harvestehude auch.

Jürgen Wunder

Verblüffende Verurteilung

24. April: „G9-Initiative empört über Brief der G8-Gruppe. Sprecherin Kirsch wirft Gegnern vor, für erheblichen Unfrieden an Gymnasien zu sorgen“

Frau Kirsch, die Kämpferin für das neunjährige Gymnasium, hat offenbar ein Problem mit ihrem Demokratieverständnis: Durch Presseäußerungen und auf ihrer Homepage setzt sie sich ausschließlich für G9 ein. Das ist im Sinne der Volksgesetzgebung völlig richtig! Sie untergräbt jedoch den Geist dieses demokratischen Verfahrens, wenn sie Gegengruppen „einseitig und polarisierend“ findet. Schon ihre Verurteilung der Befragung aller Gymnasien, also der Betroffenen, durch den Schulsenator hat verblüfft.

Dr. Reinhard Behrens

Durchsichtiger Versuch

Die Forderung der G8-Gruppe nach dem sogenannten Schulfrieden wirkt wie eine Kopie der Einlassungen von Schulpolitik und Schulbehörde. Letztere haben sich allerdings jahrelang herzlich wenig um Ruhe und Frieden in den Schulen gekümmert, sondern rücksichtlos eine Reform nach der anderen, zum Teil auch gegen den Willen der Beteiligten, durchgesetzt. Jetzt dem Schulfrieden als oberste Maxime zu proklamieren, ist ein durchsichtiger Versuch, das berechtigte Anliegen der G9-Initiative als sinnloses Stiften von Unfrieden zu diskreditieren.

Dr. Gerold Schmidt-Callsen

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