Briefe an die Redaktion

Briefe an die Redaktion: 22. April 2014

Substanzloser Kommentar

19./20./21. April: „Snowden fragt Putin in TV-Show nach Überwachung in Russland“

Die Teilnahme Snowdens an Putins Selbstdarstellungs-TV-Show mag nicht zuletzt dem Umstand geschuldet sein, dass er in Russland immerhin Asyl erhalten hat und damit zunächst vor Todesstrafe oder lebenslänglicher Haft in den USA sicher ist. Vor diesem Hintergrund ist nicht seine Frage an den russischen Autokraten „idiotisch“ und „peinlich“, wie der ehemalige US-Botschafter meint, sondern dessen substanzloser Kommentar. Angesichts der fortgesetzten millionenfachen Ausspähung unbescholtener Bürger und ihrer politischen Vertreter durch die NSA ist eine amerikanische Kritik an entsprechendem Verhalten der Russen nicht mehr als der untaugliche Versuch, die Weltöffentlichkeit an der Nase herumzuführen.

Ulrich Reppenhagen

Aufladen kostet Strom

19./20./21. April: „Hunderttausende sitzen im Dunkeln. Wegen hoher Preise können immer mehr Geringverdiener ihre Stromrechnungen nicht bezahlen“

Ginge es nur um Licht oder den Kühlschrank, würde ich dem Autoren zustimmen. Aber wenn in einer Familie jeder die iPads, Smartphones, Tablets, Kameras, MP3-Player, Handys und iPhones ständig mit Energie füttern muss, wird das eben teuer. Und das liegt dann nicht an den Strompreisen, sondern an der Konsummenge.

Maria Peters

Unbezahlbar

19./20./21. April: „Pflege: Leistungen durch Angehörige bleiben weniger wert“

Die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts findet meine Zustimmung. Die professionellen Dienstleister der Pflegedienste üben ihren Beruf aus und verdienen so ihren Lebensunterhalt. Dieser – zeitlich oft begrenzte – Einsatz ist unterbezahlt, hier sollte dringend eine Änderung der Entlohnung stattfinden, auch um das Ansehen und die für eine Berufswahl mitentscheidende Attraktivität zu erhöhen. Die Pflege durch Angehörige ist im Grunde unbezahlbar – aber gehört sie nicht zu unserem Leben? Das von der Pflegeversicherung gezahlte Pflegegeld ist eine Anerkennung. Dass sie überhaupt gezahlt wird, ist schon eine gute Entscheidung gewesen. Die Kranken sind angewiesen auf Hilfe – und diese nehmen sie sicherlich lieber von Angehörigen an, auch wenn sie ihre Dankbarkeit nicht ausdrücklich zeigen oder zeigen können. Ist das nicht auch ein Lohn?

Doris Lister

Maximale Vorbeugung

19./20./21. April: „Im Ländervergleich auf Platz sechs: 26 Prozent mehr Drogentote in Hamburg“

Wir brauchen vor allem maximale Vorbeugung, begonnen mit Aufklärungsveranstaltungen in der Schule, in den Sportvereinen und Jugendgruppen. Hier müssen Lehrer, Trainer, Pfarrer und Sozialarbeiter, alle, die unmittelbaren Kontakt zu Heranwachsenden haben, aktiv werden. Auch sollte in jedem Polizeiposten eine Person zuständig sein, die auf junge Menschen zugeht und so ein Vertrauensverhältnis aufbaut. Außerdem sollte es eine Tag und Nacht besetzte Telefonhotline geben, an die man sich anonym wenden kann, um verdächtige Vorkommnisse zu melden.

Christian Fuchs

Der Vergleich tut weh

17./18. April: „Die bittere Wahrheit: Keiner ist schlechter. Die sportliche Talfahrt des HSV entspricht dem Leistungsvermögen“

Es tut mir weh, Betriebsfußballspieler mit den Profis des HSV zu vergleichen. Die einen rennen, kämpfen, „beißen“, „fressen Gras oder Grant“ und die anderen laufen am schnellsten, wenn die Bankauszüge abgeholt werden. Vielleicht sollte man eine ambitionierte Betriebsmannschaft die letzten vier Spiele in der Ersten Bundesliga spielen lassen und den kompletten „Profitrümmerhaufen“ nach Hause schicken.

Günter Ladewig

Beispiel Seattle

16. April: „SPD: Stadtbahn noch nicht vom Tisch“

Man sollte annehmen, dass sich Politiker informieren, wie andere Länder oder Städte ihre Verkehrsprobleme lösen, wenn sie schon auf Kosten der Steuerzahler durch die Welt reisen. So haben wir bei einem Besuch in Seattle mit Bewunderung festgestellt, wie die Stadtväter dort ganz geschickt Bahn, Stadtbahn und Busse teils oberirdisch, teils unterirdisch in und durch die Stadt fahren lassen. Die Bahn fährt vor der Innenstadt in einen Tunnel. In diesem Tunnel fahren ebenfalls Busse, die über Stromabnehmer elektrisch fahren. Bahn und Busse benutzen die gleiche Streckenführung. Man kann unterirdisch sowohl mit Bus oder Bahn die Fahrt antreten oder fortsetzen. Verlässt ein Bus den Tunnel, fährt er wieder mit Verbrennungsmotor, da sich Stromabnehmer nur an der Tunneldecke befinden. So oder ähnlich könnte eine Kombination der Verkehrsmittel auch in Hamburg denkbar sein.

Horst Ruppert

Drogen gegen den Druck

15. April: „Senat warnt: Längeres Abitur kostet bis zu 81 Millionen Euro“

Wir lesen vorwiegend über Kosten, Umstellungsprobleme, Raumfragen und Schulfrieden. Wo bleiben bei der Betrachtung die Kinder und ihre Gesundheit? Viele Kinder nehmen, ohne Wissen der Eltern, Schmerzmittel, Aufputschmittel oder Alkohol gegen den Druck zu sich. Viele Kinder treten bei Musikschulen und Sportvereinen aus, weil sie es zeitlich nicht mehr hinbekommen. Und der Nachhilfemarkt hat sich in den letzten Jahren explosionsartig ausgedehnt, weil die Schule es nicht mehr packt, den durchschnittlich begabten Schülern den Stoff zu vermitteln. Wenn wir mal die Eltern von „Überfliegerkindern“ ausnehmen, haben wir Eltern mit durchschnittlich begabtem Nachwuchs, auch wenn er fleißig ist, ganz erhebliche Probleme mit diesem schulischen System. Staat und Wirtschaft brauchen aber eine möglichst breite, gebildete Mittelschicht und können sich nicht nur auf die überdurchschnittlich intelligenten Schulabgänger mit Bestnoten gründen.

Familie Schwarzbach

Die Zuschriften geben die Meinung der Einsender wieder. Kürzungen vorbehalten. Briefe auch auf www.abendblatt.de. Schreiben Sie an briefe@abendblatt.de oder per Post an das Brieffach 2110, 20350 Hamburg