Briefe an die Redaktion

Briefe an die Redaktion: 07. April 2014

| Lesedauer: 4 Minuten

Erst investieren, dann ernten

5./6. April: „Appell: Hamburg soll Metropole der Forschung werden. Ex-Bürgermeister und -Senatoren fordern überparteilichen Pakt“

Eine solide Finanzierung ist die Grundlage für exzellente Forschung. Solange sich aber motivierte, kluge Wissenschaftler mit Existenzängsten aufgrund befristeter Verträge, die teilweise monatsweise verlängert werden, auseinandersetzen müssen, wird der Wissenschaftsstandort Hamburg weiterhin im Mittelmaß versinken. Solange Institutsleiter um jede Pipette betteln müssen, lässt sich das vorhandene Potenzial nicht ausschöpfen. Junge Wissenschaftler brauchen Perspektiven. Und angesehene Forscher, die man für Hamburg gewinnen will, brauchen ein forschungsfreundliches Umfeld. Erst wenn man diese Voraussetzungen schafft, kann man auch von Spitzenleistungen und Exzellenz sprechen. Nicht vorher.

Jutta Kodrzynski

Denkmalschutz aushalten

4. April: „Ist das Kunst ... oder kann das weg? Wegen seltener Zeichnungen darf ein Bunker in Eimsbüttel nicht abgerissen werden“

Schön oder nicht – ein kulturhistorisches Gut mit seiner Malerei im Inneren scheint der Bunker in jedem Fall zu sein. Man kann dem Denkmalschutzamt nur großes Durchhaltevermögen wünschen. Leider knickt es in letzter Zeit immer häufiger ein, wenn Gründe für Wirtschaftlichkeit, Arbeitsplätze oder einfach nur der Verfall genannt werden, um ein denkmalwürdiges Gebäude abzureißen. Das Hamburger Stadtbild verliert dadurch immer mehr von seiner geschichtlichen Vielfalt. Für den Spielplatz des Werkskindergartens wird sich garantiert noch ein anderer Platz innerhalb des großen Bezirks Eimsbüttel finden lassen.

Tina Lindenau

Amt tut nur, was Politik will

Der Vorwurf, dem Denkmalschutz fehle eine klare Linie, ist nicht gerechtfertigt, denn das Denkmalschutzamt ist eine Behörde. Das heißt: Es ist Teil der Exekutive, es muss sich letztlich den Vorgaben der Politik unterordnen. Der Vorwurf muss an die Politik, die Legislative, gehen. Zwar wurde das neue Denkmalschutzgesetz vor einem Jahr beschlossen, aber leider halten sich die Politiker nicht daran, wenn es ihren Interessen zuwiderläuft. Den Investoren ist es sowieso ein Dorn im Auge. Beide versuchen, wenn das Gesetz ihren Plänen im Wege steht, es zu umgehen, es umzudeuten: Dann ist entweder der Erhalt zu teuer, der Denkmalwert ist zweifelhaft oder Arbeits- und Spielplätze haben Priorität.

Jens Homann, Architekt

Brüssels neue Blüten

4. April: „Heinzelmann, geh du voran. Beschränkter Stromverbrauch – EU erlaubt ab September 2014 nur noch Staubsauger bis 1600 Watt“

Nach unsäglichen Gurkenkrümmungs- und Bananengrößenverordnungen, Apfelnormierungen und dem Glühlampenverbot sind jetzt in Brüssel die Staubsauger und deren Wattzahlen dran. Angesichts von Politikverdrossenheit und Europamüdigkeit faseln nicht zuletzt Politiker landauf landab von Entbürokratisierung und davon, dass sich Brüssel nicht um die Regulierung jedes kleinen Mists kümmern solle und dürfe. Aber die EU-Bürokraten machen offensichtlich unbeeindruckt und ungestört munter weiter.

Yvonne Pechmann

Olympia steigert bloß Mieten

5./6. April: „Hamburg hofft wieder auf Olympia. Der Olympische Sportbund will Gespräche über eine Bewerbung für Sommerspiele 2024 führen“

Ich hoffe, die Hamburgerinnen und Hamburger sind mindestens so schlau wie die Münchner und lehnen die Olympischen Spiele auch für Hamburg ab. Die Mieter in Hamburg könnten sich sonst, nach den Mietsteigerungen der Vergangenheit, ihre Stadt gar nicht mehr leisten. London lässt grüßen.

Manfred W.H. Kuhlmann

Vorsätzlich getäuscht

4. April: „Skandalchronik auf 726 Seiten. Ausschuss zur Elbphilharmonie legt Abschlussbericht vor“

Hat eigentlich jemand von den Verantwortlichen einmal direkt vor der Baustelle gestanden und gesehen, was für ein riesiger Klotz hier erstellt wird? Mein ganz normaler laienhafter Menschenverstand sagt mir, dass man dies nicht für 77 Millionen Euro erstellen kann. Dafür brauche ich keinen Untersuchungsausschuss, der noch einmal 3,8 Millionen Euro kostet. Wir Bürger sind hier ganz einfach von den politisch Verantwortlichen vorsätzlich getäuscht worden. Die Elbphilharmonie ist bestimmt ein beeindruckendes Gebäude. Aber ist sie diesen Preis wert?

Jochen Assmann

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