Briefe an die Redaktion

Briefe an die Redaktion: 10. März 2014

Freie Entscheidung

7. März: „Schrumpfende Kirche mit hartem Kern. Protestanten kämpfen mit zunehmendem Bedeutungsverlust. Selbst unter den Mitgliedern wächst die Zahl derer, die ihr fernstehen“

Wenn ich die Ausgetretenen anrufe, höre ich immer die Behauptung, man könne auch ohne die Institution Kirche glauben und müsse aufgrund der sich verschlechternden Lebensumstände die Kirchensteuer sparen. Ich sehe die Entwicklung aber insgesamt positiv: Heute kann jeder frei entscheiden, ob er der Kirche angehören will, während man früher auf Befehl der Obrigkeit oder unter sozialem Druck zumindest äußerlich Christ sein musste. Die Reaktion der Öffentlichkeit auf die innerkirchlichen Skandale zeigt meiner Ansicht nach zudem, wie empfindlich der Gegenwartsmensch auf persönliches Fehlverhalten der „Amtsträger“ reagiert. In der Tat lässt sich die unkirchliche Stimmung nicht mit innerkirchlichen Reformen oder mit steilen politischen Thesen stoppen.

Christian Fuchs, Pfarrer

Zu wenig Platz

7. März: „Muss man die Hamburger zur Mülltrennung zwingen? Mieterverein, Wohnungs- und Umweltverbände wollen Bußgelder für Verweigerer. Behörde setzt auf Freiwilligkeit“

Ich frage mich, ob die Protagonisten unserer Abfallentsorgung sich mal Gedanken darüber gemacht haben, ob zig verschiedene Abfalltonnen platzmäßig in den Häusern untergebracht werden können, eine Frage, die ebenso für die Haushalte gilt. Um dieser Sortiererei Herr zu werden, muss nämlich auch in den Wohnungen die gleiche Anzahl von Abfalleimern aufgestellt werden. Und die neu entstehenden Kosten für den getrennten Abtransport von zig Einzeltonnen werden dann auch noch fröhlich der Bevölkerung aufgedrückt, wie man es auch mit den Kosten dieser „einmaligen“ Energiewende macht.

Wolf-Dietrich Tauscher

Plastikmüll

Die Bürger sollen mehr Biomüll trennen? Guter Witz! Im Herbst verkauft die Stadtreinigung Plastik-Müllsäcke für das Laub. Tonnenweise stellen es brave Bürger an den Straßenrand. Und dann kommt der Müllwagen – erst die Restmüll-/Hausmülltonne und alle Laubsäcke gleich hinterher – und ab zur Verbrennungsanlage. Auf meinen Anruf bei der Stadtreinigung hieß es dann lapidar: das Laub könne nicht kompostiert werden, da es ja in Plastiksäcken verpackt sei.

Claudia Isbarn

Enthusiasmus nötig

Sofern man in einer schmalen Straße wohnt, wird man häufig erleben, dass insbesondere die Fahrzeuge der Wertstoff GmbH wegen „Problemen“ mit dem ruhenden Verkehr sich leider nicht in der Lage sehen, die Wertstoffbehälter zu leeren. Wertstoffbehälter werden aber, anders als Restmüllbehälter, nur alle zwei Wochen geleert, und Sonderleerungen der Wertstoffbehälter sind nicht vorgesehen. Das bedeutet, der normalerweise für zwei Wochen vorgesehene Behälter für den „Wertstoff“ müffelt häufig voll gefüllt mindestens zwei weitere Wochen vor sich hin, und die vorhandenen Restmülltonnen sind auch nicht dafür ausgelegt, die zusätzliche Müllmenge aufzunehmen. Die hier in Hamburg praktizierte Form der Entsorgung verlangt von Bewohnern innerstädtischer Quartiere schon ein hohes Maß an Enthusiasmus.

Frieder Esselborn

Absurde Diskussion

Die Diskussion um die Mülltrennung in Hamburg ist meiner Meinung nach genauso absurd und am Thema vorbei wie eine Diskussion über Umweltzonen. In einer Zeit, in der die Müllverbrennungsanlagen um jedes Kilogramm Müll kämpfen, hat die Mülltrennung einen Zweck: Die Handelsware Müll hochwertiger und damit im Müllhandel profitabler zu machen. Am Ende geht fast alles durch den gleichen Ofen. Erfüllungsgehilfen sind die braven Bürger, die – falls sie zufällig auch eine Immobilie besitzen – mit Bußgeldern bedroht werden.

Joachim Wackernagel

Verwunderung

7. März: „Wohin städtische Firmen so reisen. Für Dienstflüge gaben Unternehmen wie Hamburg Messe und Stadtreinigung 2013 mehr als 5,6 Millionen Euro aus“

In vielen Jahren als Manager in großen Konzernen, davon fast zwei Jahrzehnte als Leitender, wurde für mich als Vielflieger wie auch für Kollegen kostenbewusst weder national noch international Businessclass gebucht – selbst auf zwei geschäftlichen Transatlantikflügen nicht. Da wundert es schon, wenn die meisten Angestellten städtischer Firmen in dieser Klasse geflogen sein sollen bei dazu zum Teil noch fragwürdigen Reisezielen.

Manfred W. H. Kuhlmann

Die Zuschriften geben die Meinung der Einsender wieder. Kürzungen vorbehalten. Weitere Briefe auf www.abendblatt.de. Schreiben Sie an briefe@abendblatt.de oder per Post an das Brieffach 2110, 20350 Hamburg