Briefe an die Redaktion

Briefe an die Redaktion: 2. Januar 2014

Nur Teile der Welt bangen

31. Dezember: „Die Welt bangt um Michael Schumacher“

Sicherlich ist es bedauerlich, dass Herr Schumacher einen solchen Unfall erlitten hat. Aber muss man aus diesem Unfall einen derartigen Hype machen? Allein der Satz „die ganze Welt bangt um Michael Schumacher“ ist in meinen Augen derart überzogen, dass man das Gefühl bekommt, dass es auf dieser Welt keine anderen, wirklichen Probleme gibt. Ich bin ein Teil dieser Welt – aber mich lässt es eigentlich ziemlich kalt. Letztlich ist Herr Schumacher nur Opfer seines eigenen Leichtsinns geworden. Wer außerhalb der „offiziellen“ Pisten den Berg herunterfährt, muss im Bewusstsein haben, dass da etwas im Weg liegen könnte. Herr Schumacher hat gewusst, auf was er sich einlässt.

Karl-Heinz Thiele

Treffenderen Ausdruck finden

31. Dezember: „Hamburg solidarisiert sich mit der Polizei. Welle der Unterstützung im Internet nach Angriff auf Beamte der Davidwache“

Ich wünschte mir für den Begriff „Autonome“ eine andere Ausdrucksweise. Autonom war für mich immer jemand, der in gutem Sinne unabhängig ist und selber denkt – eine Auszeichnung. Die Randalierer hingegen sind für mich abhängig Getriebene, die noch einen Berg Arbeit an sich selbst zu tun haben, bevor sie autonomer werden. Vielleicht können treffendere Ausdrücke gefunden werden für die Menschen, die glauben, mit Zerstörung Gutes schaffen zu können. Gewalt erzeugt Gewalt.

Peter Wigandt

Staus machen aggressiv

30. Dezember: „Kontrolle ist besser. Statistik über Verkehrsunfälle zeigt: Die Forderungen nach mehr Überwachung sind richtig“

Es ist reiner Populismus, wieder auf den Autofahrern rumzuhacken. Naturgemäß sind Autos ein größeres Unfallrisiko als Fußgänger. Aber noch mehr Ampeln und noch mehr Kontrollen sind die schlechteste Alternative. Ich fahre jeden Morgen von Schnelsen in die Innenstadt und abends zurück. Was einen Autofahrer aggressiv macht, sind endlose Staus – hervorgerufen durch unsinnige Ampelschaltungen und neuerdings durch die sogenannte Busbeschleunigung. Wo gibt es denn noch eine grüne Welle? Ist es denn zu viel verlangt für einen Fußgänger, drei Minuten auf Grün zu warten? Und den übermächtigen Staat, der den Bürger noch mehr kontrolliert, will doch niemand.

Bernd Glodek

Ohnsorg-Theater überzieht

31. Dezember: „Ohnsorg-Theater: Hamburgs Welterbe? Drei Bühnenbunde haben Antrag auf Aufnahme in die Liste gestellt“

Beim Lesen dieses Artikels fragt man sich, ob es sich hier nicht möglicherweise um einen Fall von Silvestersatire handeln könnte. Unstrittig dürfte sein, dass sich das Ohnsorg-Theater in den vergangenen Jahrzehnten über Hamburgs Grenzen hinaus einen Namen in der Interpretation mundartlich vorgetragener Stücke erarbeitet und damit bleibende Verdienste um die Pflege des lokalen Brauchtums erworben hat. Nichtsdestotrotz zeichnet sich diese Bühne durch einen manchmal allzu bodenständigen, bisweilen reichlich flach wirkenden Humor aus, mit der sie immer wieder ihre spezielle Zielgruppe zu erreichen versteht. Vor diesem Hintergrund muss daher dringend danach gefragt werden, ob es angemessen ist, wenn die Unesco dieses Haus tatsächlich als „Hamburgs Welterbe“ auszeichnen sollte. In diesem Zusammenhang sei noch einmal ausdrücklich daran erinnert, dass andere große Hamburger Sprechbühnen Maßstäbe gesetzt haben, die eine derartige Auszeichnung eher gerechtfertigt erscheinen lassen.

Christian Puttkammer

Und wo bleibt die Inklusion?

30. Dezember: „Mindestlohn auch für Schüler und Rentner?“

Es wird also überlegt, Schülern und Rentnern eventuell einen Mindestlohn zu zahlen. Da hat man aber ganz übersehen, dass es noch eine dritte Gruppe gibt, das sind die Behinderten, die in einer Werkstatt arbeiten. So auch mein Sohn. Er arbeitet täglich 5,5 Stunden und muss beim Sozialamt noch aufstocken. Auch für die Miete seiner Einzimmerwohnung muss er noch zwölf Euro aus seiner Tasche dazubezahlen. Egal wie fleißig er arbeitet, er bleibt immer auf Sozialhilfeniveau. Habe ich da nicht mal was von Inklusion gehört?

Dörte Schmidt

Tödliche Abkürzung

30. Dezember: „17-Jähriger läuft auf die Straße und stirbt bei schwerem Verkehrsunfall“

Leider ist es an der Stelle nicht der erste Unfall. Ich kenne den Unfallort seit mehr als 30 Jahren. An der Stelle laufen ständig Erwachsene, Jugendliche und auch Kinder über die Straße, da sie nicht bereit sind, an der knapp 100 Meter entfernten Ampel auf Grün zu warten. Außerdem wird es als Abkürzung zu den auf der anderen Straßenseite liegenden Wohnhäusern genutzt. Selbst die schon angebrachten Zäune wurden niedergetreten, um weiterhin die Straße dort zu überqueren. Bereits zwei Tage nach dem Unfall wird dort schon wieder die Straße überquert.

Bernd-Ludwig Flören

Inhalt gerät ins Abseits

30. Dezember: „Hamburger Femen-Aktivistin verteidigt Aktion im Kölner Dom“

Viele Proteste der Femen sind ganz sicher berechtigt, man kann sich sogar wundern, dass nur radikale Feministinnen gegen manches protestieren. Schwierig finde ich die Form des Protests. Es erregt Aufsehen, klar, aber der eigentliche Inhalt des Protests gerät in den Hintergrund. Die Form, das Sensationelle wird zur Hauptsache, die Erwartungen der Medien werden bedient.

Michael Wolff