Briefe an die Redaktion

Briefe an die Redaktion: 28./29. Dezember 2013

Unwürdig

27. Dezember: „Eine Hamburgerin provoziert Skandal im Kölner Dom. Femen-Aktivistin klettert bei der Weihnachtsmesse von Kardinal Meisner nackt auf den Altar“

Das hatten wir doch schon! Mädchenkrawall in einer Kirche. Sicherlich muss man in Deutschland und nicht nur hier schockieren, um gehört zu werden. Das Anliegen, gegen Pornografie anzugehen, ist es allemal wert, laut zu werden. Irgendwie war die Idee aber doch nicht so ganz richtig. Die Art des Auftritts wirkt wie ein billiger Abklatsch, eher unwürdig. Feiernde Christen, denen man Gutmenschlichkeit unterstellt, sind sicherlich nicht die richtige Zielgruppe für eine derartige Schocktherapie und reagieren eher ablehnend. Wenn die jungen Frauen ernst genommen werden wollen, dann hätten sie erkennen können, dass sie trotz aller Unterschiede zur Kirche ein ähnliches Anliegen haben – für mehr Menschlichkeit einzutreten. Diese Erkenntnis hatte dann wohl gefehlt oder war im Überschwang des fundamentalistischen Auftretens untergegangen.

Detlef Lange

Schrecklich altmodisch

Und ewig lockt das Weib … Es ist peinlich für alle Frauen, wenn Meinungen nicht per Kopf und Mund, sondern barbusig in die Welt getragen werden. Sind wir so dumm, dass wir nur mit nackten Brüsten unsere Ansichten vertreten können? Einfach nur schlecht und irgendwie auch schrecklich altmodisch! Ich warte auf den ersten nackten Mann, der sein Statement (!) abgeben möchte, und die dann folgende aufbrüllende Empörung!

Martina Nowak

Nicht bewaffnen

23. Dezember: „Schwerste Krawalle in Hamburg seit Jahren: 120 Polizisten verletzt. Rote-Flora-Demonstration eskaliert. Entsetzen über Gewaltausbruch. Linke kritisiert Vorgehen der Beamten“

Wenn Bürger nur das Demonstrationsrecht für sich in Anspruch nehmen wollen, brauchen sie sich nicht zu vermummen und zu bewaffnen.

Volker Rasmussen

Ich bin wütend!

Ich kann es als Steuerzahlerin und Normalbürgerin einfach nicht mehr ertragen, was sich die Randalierer in Hamburg erlauben. Wie können diese sogenannten Demonstranten andere Menschen – Polizisten, Sanitätskräfte und andere gewaltfreie Demonstranten – mit Pflastersteinen bewerfen und den Tod dieser Menschen in Kauf nehmen? Haben diese Menschen keine Moral? Ich bin wütend.

Petra Koch

Wirkliches Märchen

23. Dezember: „Ein Hamburger Weihnachtsmärchen. Zum 1. Dezember sollte der Pottkieker in Dulsberg eigentlich schließen. Doch dann spendeten fast 1000 Leser des Hamburger Abendblatts. Jetzt ist die Existenz der Sozialküche für drei Jahre gesichert. Ortstermin bei der Weihnachtsfeier der Einrichtung“

Der Pottkieker, gerettet durch einen beispielhaften Einsatz vieler Hamburger. Wirklich ein Weihnachtsmärchen, welchem das Hamburger Abendblatt eine volle Seite widmet. Es ist zu hoffen, dass auch andere Medien diesen Artikel übernehmen, um zu zeigen, seht her, es geht doch. Es gibt Solidarität in unserem Land. Was allerdings gar nicht geht, ist die Information, die alten Menschen „schnattern“ aufgeregt durcheinander, weil gleich im Pottkieker die Weihnachtsfeier losgehen soll. Etwas mehr Respekt, bitte.

Hans-Emil Schuster

Inkonsequent

19. Dezember: „Westerwelles neues Leben. Bislang schwieg der Ex-Außenminister über seine Zukunftspläne – jetzt gründete er eine eigene Stiftung“

Westerwelle nennt seine Stiftung also „Westerwelle-Foundation“. Vor einigen Jahren, bei seiner ersten Pressekonferenz als Außenminister, kanzelte Westerwelle einen auf Englisch fragenden BBC-Reporter ab, indem er sagte, dass man in Deutschland sei und deswegen Deutsch gesprochen werde. Nun nennt er seine Stiftung „Foundation“ – inkonsequent.

Jochen Schultz

Schon wieder

23. Dezember: „Sondersitzung im Rathaus nach Tod der kleinen Yaya. Familienausschuss tagt heute. Professor kritisiert: Bürokratie behindert Jugendämter“

Und schon wieder der grausame Tod eines Kleinkindes. Und schon wieder das Versagen der beteiligten Institutionen wie Jugendämter, diverser Bezirksamtsleiter (drei an der Zahl!) und vieler anderer. Selbst der Sozialsenator wirkt äußerst hilflos, sonst hätte m. E. aus vorhergegangenen Vorfällen längst eine Lösung gefunden werden müssen! Es ist erbärmlich, wie die Beteiligten sich immer wieder den Schwarzen Peter zuschieben. Bei den herrschenden Zuständen befürchte ich, dass es auch im kommenden Jahr wieder mehrere solcher Fälle geben wird. Ich hoffe jedoch nicht! Die entsprechenden Stellen gehören personell aufgestockt, und zwar mit Personen, die so ausgebildet sind, dass sie ihrer Verpflichtung ernst und gewissenhaft nachkommen können. Zwei Grundsatzfragen: Wie ist es möglich, dass immer wieder Kinder aus ihren Pflegefamilien genommen und den Eltern zurückgeführt werden, von denen man weiß, dass es nicht zum Wohle des Kindes geschieht? Wie blind müssen diese Entscheidungsträger eigentlich noch sein?

Jens P. Blume

Großartige Fleißarbeit

16. Dezember: Dossier zur Elbphilharmonie. ,Ein Lehrstück‘“

Ich bin erst jetzt dazu gekommen, die Dokumentation über die Elbphilharmonie zu lesen. Man muss ja fast Urlaub nehmen, so viel Lesestoff! Eine großartige Fleißarbeit der drei Journalisten. Es zeigt sich einmal wieder, dass jedes Bauvorhaben bis ins Detail durchgeplant sein sollte, bis man mit dem Bau beginnt. Hätte man mit diesem Riesenprojekt zwei Jahre später begonnen, wäre man zwei Jahre früher fertig geworden.

Heinz Krüger

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