Briefe an die Redaktion

Briefe an die Redaktion: 3. Dezember 2013

| Lesedauer: 6 Minuten

Nicht gerecht

30. November/1. Dezember: „Auf Kosten der Jungen. In der Renten-Debatte wird die Generationengerechtigkeit vergessen“

Der Darstellung, die neue Mütterrente solle nunmehr aus Beiträgen finanziert werden, kann ich nicht folgen. Ich bekomme seit Beginn meiner Rente 2010 einen Entgeltpunkt pro Kind angerechnet, der bereits heute aus Beiträgen finanziert wird. Eine Mutter, deren Kind nach 1992 geboren wurde, bekommt drei Entgeltpunkte. Das kann man gerecht finden, ich finde es nicht. In den Siebzigerjahren hat eine Mutter in der Regel nicht gearbeitet, hatte keinen gesetzlichen Anspruch auf einen Kita-Platz, bekam kein Elterngeld und kein Betreuungsgeld, dafür 120 Mark Kindergeld für zwei Kinder. Es gab keine Ganztagsschulen und keine Tagesmütter. Meine beiden Söhne sind gute Beitragszahler, und meine vier Enkelkinder werden es hoffentlich auch sein, damit die jüngere Generation eine Rente bekommt. Ich lebe auf Kosten der Jungen, wie die damals Alten auf meine Kosten gelebt haben, und ich nehme eine Anerkennung für meinen Beitrag an die Gesellschaft in Form der Mütterrente gern entgegen.

Renate Bungenstock

Lästige Schachfiguren

30. November/1. Dezember: „Max Bahr: Die Pleite, die unnötig war“

Hat es in Deutschland wirklich keine einzige größere Bank gegeben, die die Verpflichtungen der Royal Bank of Scotland hätte übernehmen können – und die Kreditgewinnmargen? Es ist für das europäische Bankensystem mehr als beschämend, dass noch der letzte Prozentpunkt hinter dem Komma über 3500 Arbeitsplätze entscheiden darf. Gelten immer noch die 25-Prozent-Margen, die Josef Ackermann einst zum einzig möglichen Erfolgskriterium ausgerufen hatte? Bezogen auf das Kreditvolumen der deutschen Bank sind die Beträge, die Max Bahr gebraucht hätte, die viel zitierten Peanuts. Was die RBS mit Max Bahr veranstaltet hat, ist ökonomisch kurzsichtig, weil nur auf das Quartal fixiert, und es ist ein Desaster für das Image des Bankwesens, das auch weiterhin einem Ekelkapitalismus frönen darf, in dem Menschen nur noch lästige Schachfiguren des Lebens sind – bewusst in Kauf genommenes soziales Strandgut.

Holger Reiners

Richtige Entscheidung

Die Entscheidung des Herrn Möhrle war kein Fehler, sondern die einzig richtige Entscheidung eines Unternehmers, der sich um die Zukunft des Unternehmens Sorgen macht. Es hatte sich herausgestellt, dass der „Junior“ nicht in der Lage war, ein solches Unternehmen zu führen. Der Verkauf an einen der Marktführer war absolut konsequent. Leider führte dann Missmanagement bei Praktiker zu den bekannten Folgen.

Paul Hülquist

Anmaßend

30. November/1. Dezember: „Zwischen Kampf und Quatsch. Im ‚heute journal‘ geraten SPD-Chef Gabriel und ZDF-Moderatorin Slomka aneinander“

Die Frage nach der Rechtmäßigkeit und Vernünftigkeit einer Mitgliederbefragung der SPD bezüglich einer Zustimmung oder Ablehnung des Koalitionsvertrags ist berechtigt, rechtfertigt aber keinesfalls die Art und Weise des Interviews von Frau Slomka, die sich anmaßt, als Journalistin ihren Interviewpartner vorführen zu dürfen. Hoffentlich zeigt Herrn Seehofers Beschwerde Wirkung.

Peter M. Lange

Erfrischend

Das Interview war zwar sehr erfrischend, wobei die Art der Führung eines Interviews vonseiten Frau Slomkas nicht immer meine Zustimmung findet. Störend und unerzogen ist die Angewohnheit, dem Interviewpartner ins Wort zu fallen. Der Gipfel der Unverfrorenheit ist aber die Intervention Herrn Seehofers beim Intendanten des ZDF in dieser Sache. Will er Maulkörbe verteilen?

Michael Riethmüller

Flagge zeigen

30. November/1. Dezember: „Reiche Rentner, arme Rentner. Das Gefälle zwischen Überfluss und Mangel bei Senioren ist groß in Hamburg“

Mich macht der Bericht betroffen. Wenn Hamburg eine der reichsten europäischen Metropolen ist, dann wundert es mich sehr, dass es dennoch so viele alte arme Rentner gibt. Hier sollten die Reichen einmal Flagge zeigen und einen Fonds für diese Bevölkerungsgruppe bilden. Das wäre in Anbetracht der vielen negativen Schlagzeilen gegen die hohen Managergehälter ein Zeichen der Solidarität mit den in unserer Gesellschaft nicht so gut stehenden Menschen. Ich bin fest davon überzeugt, dass viele gut situierte Hanseaten den armen alten Rentnern gern unter die Arme greifen würden. Nur hat keiner konkret und mit fester Absicht diesen Versuch unternommen. Spendenaufrufe richten sich meistens an andere Bevölkerungsgruppen und Institutionen. An die Alten zu Hause wird nicht gedacht.

Horst Rindfleisch

Blinder Aktionismus

28. November: „Alte Landstraße wird auf zwei Spuren verengt. Fahrbahn soll für 3,5 Millionen Euro saniert werden. Eigene Streifen für Radfahrer geplant“

Diesen blinden Aktionismus von der Stadt kann ich überhaupt nicht verstehen. Ich befahre als Poppenbüttlerin diese Straße täglich mehrmals seit gut 20 Jahren, und es ist immer dasselbe: Es wird dort jährlich ein neues schickes Apartmenthaus gebaut, und die neuen Bewohner haben jeweils nur einen Stellplatz. Also wird der Zweitwagen draußen vor der Tür auf der Straße geparkt. Auch Wohnmobile werden dort gerne mal wochenlang geparkt. Nein, nicht in einer Parkbucht, die meiner Meinung nach genügend vorhanden sind, denn da müsste man ja einige Meter zu Fuß laufen oder über die Straße gehen. Und die wenigen Fahrradfahrer die diese Strecke nutzen, benötigen wohl kaum zulasten der Autofahrer einen eigenen Fahrstreifen, zumal dort Fahrradwege vorhanden sind. Man sollte ein Parkverbot auf der ganzen Straße aussprechen, sodass der Verkehr vernünftig fließen kann und man nicht ständig Slalom fahren muss, weil Autos auf der rechten Spur parken.

Britta Agostini

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Leserbriefe